Rudolf-Virchow-Büste im Friedrich-Althoff-Haus der Charité, Foto: Charité

Virchow-Contest an der Charité

Der Virchow-Contest ist ein Wettbewerb für junge Mediziner bis zum Praktischen Jahr. Ziel des Wettbwerbs ist es, Teamgefühl und Spaß an der großen Vielfalt der Medizin zu fördern.
Teams aus jeweils fünf Studierenden messen ihre geistigen und praktischen Fähigkeiten in den Disziplinen:

  • Blickdiagnosen
  • Klinische Fälle
  • MC-Fragen
  • Praktische Aufgaben


Der etablierte und beliebte Frankfurter Goethe-Contest hat in den letzten Jahren den deutschen Medizinernachwuchs in Atem gehalten und stellt im nächsten Sommer die zweite Hürde für das beste Charité-Team dar. Dieses Team wird im Rahmen des Virchow-Contests und des anschließenden Coachings ausgewählt.

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Virchow-Contest 2018

Rudolf-Virchow-Büste im Friedrich-Althoff-Haus der Charité, Foto: Charité

 

Datum: 14.12.2018

Ort: Campus Virchow-Klinikum, Audimax

Ablauf des Virchow-Contests

Der Virchow-Contest findet in mehreren Spielrunden statt, die sich in vier Teilbereiche untergliedern:

1. Blickdiagnosen – das Herzstück des Contests

Beispiel für eine Blickdiagnose (Lösung durch Klick aufs Bild)

12 Bilder werden pro Runde gezeigt. "First hit, first serve" :– das Team, das schneller reagiert, bekommt die Chance das Bild zu lösen. Dabei wird das Bild sofort nach dem Buzzern abgedunkelt und erst wieder mit Freigabe der Buzzer angezeigt. Richtige Diagnosen werden mit 30 Punkten belohnt, falsche mit 15 Punkten sanktioniert. Wenn kein Team das Bild errät, wird es für das Publikum freigegeben.

Zur Technik: Die Buzzer haben eine extrem kurze Reaktionszeit, "Simultandrücken" ist fast unmöglich. Es ertönt eine Signalhupe nach Drücken des Buzzers, das Team das zuerst gedrückt hat wird mit einer leuchtenden roten Lampe markiert und alle Freigabe-Lampen erlöschen. Nach einer Lösung/Falsch-Antwort wird die Anlage wieder freigegeben und die Freigabe-Lampen leuchten wieder. Beispiele für Blickdiagnosen: Pneumothorax, Basaliom, Karyogramm Trisomie 13, Bild Pathohistologie Granulom, chemische Verbindung, Laborwertkonstellation u.a.erbindung, Laborwertkonstellation u.a.

„Tipps:

  • Ordentlich Zeit investieren, da gibt es viele Punkte zu holen!
  • Es bietet sich an, in die Bereiche Kopf, Haut, Thorax, Abdomen und Extremitäten aufzuteilen
  • Wer eine tuberkulosebedingte Panuveitis im Augenhintergrund erkennt muss nicht auch die Pilzinfektion der Niere oder den jeweiligen benignen Knochentumor als Erster sehen
  • Bildgebende Verfahren, Dermatologie, Syndrome sind ganz vorn mit dabei (Genug Trainingsmaterial gibt es von uns, aber selber Raussuchen macht auch Spaß!)
  • Gegen Ende der Vorbereitung auf jeden Fall auch auf Zeit trainieren: das Bauchgefühl und der Mut zum Drücken sind dann das Wichtigste (gefühlte durchschnittliche Präsentationszeit eines Bildes - 0,2 Sekunden).

(Auflösung zum Bild anzeigen“)

2. Klinische Fälle – der Goldesel des Contests

Ein Fall wird mit einer kurzen Vignette vorgestellt. Jedes Team darf anschließend reihum Diagnostik anfordern, was allerdings Punkte kostet. Eine klinische Untersuchung kostet selbstverständlich weniger als eine Biopsie. Das Team DARF nach dem Bekanntgeben der diagnostischen Ergebnisse eine Diagnose stellen, MUSS aber nicht.

250 Punkte bringt die richtige Diagnose der Krankheit; Fehldiagnosen werden mit dem Abzug von 125 Punkten bestraft. Während ein Team Diagnostik bestellt und berät, dürfen die anderen buzzern, wobei der Erste die Chance erhält NACH dem Team an der Reihe seine Lösung vorzutragen. Wer „buzzert“ MUSS eine Diagnose stellen. Die Reihenfolge des Teams, das die erste Diagnostik ordern darf, rotiert.


Beispiel für einen klinischen Fall:

Anamnese

Elli ist 82 Jahre alt und wird durch Schwester Marianne von der Sozialstation in Ihrer Wohnung verwirrt aufgefunden.

Elli hat bei starker Übelkeit mehrmals erbrochen und zudem heftigen Durchfälle gehabt. Sie leidet laut der Patientenakte seit Jahren an einem arteriellen Hypertonus und an einer schweren Linksherz-insuffizienz. Ferner bestehen eine beidseitige Katarakt, eine Hüftgelenksarthrose beidseits, ein Diabetes mellitus und eine Hypercholesterinämie.

Aktuelle Medikation laut schwer lesbarer Pflegedokumentation: Enalapril, Hydrochlorothiazid, Spironolacton, Digoxin, Glibenclamid und Simvastatin. Bei Bedarf nimmt die Patientin zusätzlich Ibuprofen ein.

Gesamten Fall anzeigen

Lösung anzeigen

Tipps:

  • Übersichtszettel erstellen: Eine Person sammelt während des gesamten Prozesses die Informationen auf einem Zettel. Eine Einteilung des Zettels in Untersuchungen/Ergebnisse und Differentialdiagnosen bietet sich an. So können die anderen 4 Mitgleider denken, diskutieren und ausschließen. Dies ist wichtig, da die Befunde nur kurz eingeblendet und vorgelesen werden, bevor sie wieder "verschwinden", wohl dem mit einem fotografischen Gedächtnis!
  • Das schreibende Team-Mitglied bietet sich auch als "Entscheider" an, wenn bei der Auswahl der nächsten Diagnostik oder am Ende der kurzen Beratungsphase "Gleichstand" zwischen Vorschlägen herrscht. Denn am Ende MUSS die nächste Diagnostik genannt /die Entscheidung zum Lösungsversuch gefällt werden.
  • Wenn ihr nicht aus der Anamnese lösen könnt, dann erst einmal allgemeine Untersuchungen anfordern, um Ideen zu bekommen.
  • Und dann möglichst spezifisch Verdachtsdiagnosen bestätigen/ausschließen (im Gegensatz zum wahren Leben heißt es hier oft, je invasiver desto besser!)
  • Differentialdiagnosebücher helfen bei der schnellen Ideenfindung, müssen aber gelernt werden (z.B. DD der katatonen Schizophrenie oder auch einfach des Lungenrundherdes).

3. MC-Fragen – die Entspannungsrunde des Contests

Besteht aus dem Lösen von Multiple-Choice Fragen, die jedes Team aus einer Tabelle mit nach Schweregrad (in Punkten) und nach dem Semesterstoff in Studienjahre (je später desto klinischer, je früher desto mehr Grundlagen) gestaffelten Aufgabenstellungen auswählen kann. Bei falscher Antwort wird die Hälfte der Punkte abgezogen. Es gibt pro Jahr einen Joker der zufällig unter den Kategorien eines Jahres verstreut wird.

Fächerzuordnung 1. Studienjahr:

  • Biologie
  • Chemie
  • Med. Psychologie
  • Med. Soziologie
  • Physik


Fächerzuordnung 2. Studienjahr:

  • Anatomie
  • Biochemie
  • Physiologie


Fächerzuordnung 3. Studienjahr:

  • Klinische Chemie
  • Mikrobiologie
  • Hygiene
  • Pathologie
  • Pharmakologie
  • Virologie


Fächerzuordnung 4. Studienjahr:

  • Anästhesiologie
  • Dermatologie
  • Innere Medizin


Fächerzuorndung 5. Studienjahr:

  • Gynäkologie
  • Neurologie
  • Orthopädie
  • Pädiatrie
  • Psychiatrie


Beispiele:
Team 1 wählt die Frage für 90 Punkte aus Jahr 6 (z.B. Innere, Pädiatrie): bei richtiger Antwort gibt es 90 Pkt. bei falscher Antwort minus 45. Die Frage für 60 Punkte wäre entsprechend leichter gewesen, hätte aber auch weniger Punkte gegeben.

Tipps:

  • Hier hilft nur Lernen. Amboss, AllEx etc. bieten sich für eine Aufteilung der Fächer und viel Wissen in kurzer Zeit an.
  • Es kann, sofern gewünscht, gewieft die Vorklinik umschifft werden.
  • Aber wenn es da besondere Vorlieben in eurer Gruppe gibt, sollte man diese ausbauen. Es gibt viele Punkte zu holen und wenig Konkurrenz! 

Und, nicht zuletzt, ganz wichtig: das Training mit einem netten Gruppenabend abschließen, Team-Building ist alles!

4. Praktische Aufgaben – der Spaßgarant

Neben den Klassikern "Nähen", "Gipsen", "Verbände anlegen" gehört alles, was ein Arzt im klinischen Alltag können muss und abgeprüft werden kann, zu den möglichen "Challenges". Diese können in wechselnder Gruppenstärke (allein bis alle 5) gemeistert werden. Anhand einer Checkliste werden hier den Teams zunächst Plätze zugeordnet und anschließend entsprechend Punkte vergeben.

Tipps:

  • Kann so ziemlich alles sein, obwohl klinische Untersuchungen (auch Neuro, Kinder/Neugeborene, Orthopädie), sowie steriles Arbeiten und Standardeingriffe wie LP, ZVK- oder transurethralen Blasenkatheter-Legen, Nähen, Port anstechen etc. sicher beherrscht werden sollten (wir mussten aber z.B. auch eine forensische Blutalkoholberechnung vornehmen)
  • Die Anzahl der Personen die an einer Aufgabe mitwirken können, kann variieren und war bei uns bei einer Aufgabe (Port-Anstechen) sogar freigestellt, macht euch also Gedanken über eine sinnvolle Aufteilung!

Es können bis zu sieben Teams bestehend aus je 5 Teilnehmer_innen gegeneinander antreten und die zugrunde liegenden Spielregeln sind einfach. Die Blickdiagnosen werden für alle Teams zeitgleich sichtbar eingeblendet. Das Team, welches am schnellsten „buzzert“ darf als erstes lösen. Die Klinischen Fälle werden in Form einer Fallvignette präsentiert, wobei die Diagnostik reihum angefordert wird.

Die MC-Fragen stehen den Teams nacheinander zur Auswahl, wobei nur das jeweilige Team lösen darf. Dabei wird aus einem der fünf Studienjahre eine Frage der Schwierigkeitsstufe zwischen 20 und 100 Punkten gewählt. Bei den praktischen Aufgaben wird jeweils nur ein Team in den Hörsaal gebeten und erhält dort die Aufgabenstellung.

Themenschwerpunkte

Das Schöne am Contest besteht unter anderem darin, dass er im besten Fall das gesamte Spektrum der Medizin abdeckt. Dabei liegt jedoch der Fokus der Krankheitsbilder nicht auf der klinischen Häufigkeit oder Relevanz, sondern auf der Spezifität. Je exakter oder spannender sich ein Krankheitsbild präsentiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dass Ihr diesem im Laufe des Contest begegnet.

Spielregeln

Um einen ausgeglichenen und fairen Wettkampf zu gewährleisten und für Freude auf Allen seiten zu sorgen, müssen die 5er Gruppen aus Studierenden aus Studienabschnitten vor dem PJ bestehen. Aber unabhängig davon, wie "früh" ihr dran seid, wenn ihr zu eurem Team etwas beitragen könnt, seid ihr ein Gewinn! Es gibt keine "Quoten" für Semester, Geschlechter etc., die Gruppenzusammensetzung ist frei wählbar!

Tipps zur Team-Zusammmensetzung

  • Die Fächer unter den Teammitgliedern aufteilen, selbst Rudolf wäre nicht in allen Bereichen führend.
  • Der Schwerpunkt sollte auf der Inneren Medizin liegen (inkl. Infektiologie, Endokrinologie), aber auch Neurologie oder Pädiatrie kommen gerne dran. Es bietet sich alles als Fall an, was systemischen Effekt hat und daher ein umfassendes, aber spezifisches Symptom-Potpourri hervorruft.

Zur Entstehung des Virchow-Contests

1998 wurde an der Freien Universität Berlin erstmals der Benjamin Franklin Contest durchgeführt. Federführend bei Organisation und Durchführung waren insbesondere Prof. Dr. Thomas Tolxdorff und Prof. Dr. Markus van der Giet – gemeinsam mit einem Team weiterer Ärztinnen und Ärzte. Dieser Wettbewerb, bei dem studentische Teams verschiedener Medizinischer Fakultäten gegeneinander antreten wurde auch nach der Fusion zur Charité – Universitätsmedizin Berlin weitergeführt.

Seit 2012 findet der Wettbewerb als Goethe-Contest am Universitätsklinikum Frankfurt/Main unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Schulze statt. 2014 hat sich ein Team Studierender aus dem Reformstudiengang Medizin der Charité angemeldet und den 3. Platz erreicht.

Im Dezember 2014 findet nun erstmals der Virchow-Contest an der Charité statt, bei dem fünf Teams Studierender unserer Fakultät verschiedene Aufgaben absolvieren müssen. Er ist zugleich eine Vorbereitung auf den nächsten Goethe-Contest im Juni 2015.