Pressemitteilung

10.10.2011

Wissenschaftlichem Fehlverhalten begegnen

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Am vergangenen Freitag, den 7. Oktober,  fand an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin ein internationales Symposium mit dem Titel: „Responsible conduct of research in academic medicine: From neglect to action Plan“ statt. Zu den teilnehmenden Gästen gehörten unter anderem Prof. Jens Reich, Mitglied des deutschen Ethikrats, Gretchen Brodnicki, Dekanin  Wissenschaftliche Integrität  der Harvard Medical School, USA, sowie John C. Galland, Direktor des Office of Research Integrity  beim US Bundesgesundheitsministerium.

Es wurde deutlich, dass zunehmend Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis aufgedeckt werden, sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene. Hierfür werden in erster Linie eine erhöhte Aufmerksamkeit von wissenschaftlichen Institutionen und Journalen, eine Verbesserung von entsprechender Software aber auch ein erhöhter Erfolgsdruck im Wissenschaftssystem verantwortlich gemacht. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass sich das öffentliche Vertrauen in die Wissenschaft durch die Zunahme an wissenschaftlichem Fehlverhalten in einer ernstzunehmenden Krise befindet.

Allgemeiner Konsens herrschte darüber, dass zwischen einem Wissenschaftsbetrug im engeren Sinn (Plagiate, Veränderung von Originaldaten, Erfindung von Daten) und Fehlern, die durch fehlende Anwendung von Standards des guten wissenschaftlichen Arbeitens entstehen, unterschieden werden muss.

Für alle Betrugsfälle müssen schnelle und vor allem transparente Prozesse und Sanktionen implementiert werden. Insbesondere in den USA haben Institutionen wie Harvard oder das NIH bereits seit längerer Zeit ständige Mitarbeiter in Geschäftsstellen und Büros installiert, die diese Prozesse durchführen. Eine in diesem Zusammenhang interessante Information war, dass die Kosten der Untersuchung  pro Betrugsfall mit mindestens $ 500 000 angesetzt werden. Insgesamt wurde deutlich, dass die USA gegenüber Deutschland einen mindestens 10-jährigen Vorsprung im Umgang mit wissenschaftlichem  Fehlverhalten sowie mit Maßnahmen zu dessen Verhinderung haben. Ein wesentlicher Unterschied ist beispielsweise, dass in den USA auf Bundesebene das 'Office of Research Integrity' existiert, welches eine zentrale Rolle bei der Verhinderung und Verfolgung von Fehlverhalten und der Schaffung einer Ethik von guter wissenschaftlicher Praxis spielt. Es wurde offensichtlich, dass auch Deutschland eine solche Institution braucht.

Insgesamt bestand Einigkeit darüber, dass noch wichtiger als die Aufdeckung und  Verfolgung von Betrugsfällen, die Prävention durch die Vermittlung der Standards guter wissenschaftlicher Praxis in allen Phasen der wissenschaftlichen Ausbildung ist. Die Charité ist die erste medizinische Fakultät, die eine ständige Geschäftsstelle eingerichtet hat und im Rahmen eines Aktionsplans die Vermittlung der guten wissenschaftlichen Praxis in allen Stadien der Ausbildung vom Medizinstudium bis zum Habilitationsverfahren verankern wird.

Kontakt

Dr. Volker Bähr
Geschäftsstelle Gute Wissenschaftliche Praxis
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 576 013



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