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Pressemitteilung

10.06.2021

Universitätsmedizin übernimmt Verantwortung in Europa

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Charité-koordiniertes Pflegenetzwerk und weitere EUHA-Vorhaben auf dem Weg

Als akademische Einrichtungen haben Universitätsklinika besondere Bedürfnisse in der Krankenpflege, denn sie bieten in vielen Fällen eine hochspezialisierte Pflege an. Gleichzeitig sehen sie sich in der Pflicht, Ausbildung und Pflegeforschung zu stärken. © Charité l Elke Zaiss.
Als akademische Einrichtungen haben Universitätsklinika besondere Bedürfnisse in der Krankenpflege, denn sie bieten in vielen Fällen eine hochspezialisierte Pflege an. Gleichzeitig sehen sie sich in der Pflicht, Ausbildung und Pflegeforschung zu stärken. © Charité l Elke Zaiss.

Im fünften Jahr ihres Bestehens ist die European University Hospital Alliance (EUHA), deren Mitglied die Charité – Universitätsmedizin Berlin neben acht weiteren führenden europäischen Einrichtungen ist, eine internationale gemeinnützige Organisation geworden. Mit dem neuen Status verbunden sind beratende Aufgaben auf europäischer Ebene, wie auch neue Ziele. Getreu dem EUHA-Leitgedanken „Leading by Doing“ haben die Partnerinstitutionen bei ihrer achten Mitgliederversammlung weitere richtungweisende Vorhaben angestoßen: So soll ein europaweites Pflegenetzwerk, unter Koordination der Charité, zu einer stetigen Verbesserung der Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten führen. Auf Forschungsebene verständigten sich die Mitglieder auf einen gemeinsamen Wertekanon und unterzeichneten die internationale Sorbonne Declaration für einen freien Zugang zu Forschungsdaten und einhergehender Förderung von Innovation.

Das noch junge Netzwerk EUHA ist mit seiner offiziellen Registrierung als internationale Non-Profit-Organisation nun in der Lage, rechtswirksame Verträge zu schließen, gemeinsam EU-Förderungen einzuwerben und als eigenständige Organisation aufzutreten. Die CEOs der neun EUHA-Gründungsmitglieder haben sich heute zur Mitgliederversammlung digital zusammengefunden, ausgehend vom schwedischen Karolinska University Hospital, Stockholm. „Die Partnerschaft der EUHA-Universitätskliniken hat sich in den vergangenen Jahren als sehr wertvoll erwiesen. Gerade im Rahmen des Pandemiemanagements, war es unheimlich hilfreich, die Kolleginnen und Kollegen in anderen europäischen Ländern kurzfristig und vertrauensvoll kontaktieren zu können, sich auszutauschen und in der akuten Krisensituation kritische Informationen zu teilen“, sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité. Nicht nur untereinander profitierten die Einrichtungen vom gegenseitigen Wissensaustausch, auch die EU-Kommission hat den Verbund als Berater in der Pandemie herangezogen.

Beispielhaft vorangehen will die Allianz der europäischen Universitätsklinika auf dem Gebiet Forschung und Lehre. Hier bietet die Kooperation der EUHA-Partner großes Potenzial, betont Prof. Dr. Axel R. Pries, Dekan der Charité: „Gemeinsam wollen wir in den kommenden Jahren wichtige Zukunftsbereiche weiterentwickeln, beispielsweise auf dem Gebiet der Zell- und Gentherapie durch die Gründung eines europäischen Instituts für die Entwicklung von Zelltherapien, durch die Ausgestaltung einer Plattform für Gesundheitsdaten, den European Health Data Space, und die Förderung europäischer Referenznetzwerke für seltene Erkrankungen. In Planung sind ebenfalls gemeinsame Curricula und Weiterbildungsangebote mit den EUHA-Partnereinrichtungen.“

Auch der Berufsstand der Pflegenden vernetzt sich im Rahmen der EUHA, ganz im Sinne des verbindenden Leitgedankens: „Leading by Doing“ – mit gutem Beispiel voran gehen. Als europäisches Netzwerk mit Fokus auf die besonderen Anforderungen der Universitätsmedizin haben die neun Partnereinrichtungen heute das EUHA Nursing Network ins Leben gerufen. Koordiniert wird dieses an der Charité. Führungskräfte des Pflegeberufs der EUHA-Krankenhäuser werden sich künftig regelmäßig austauschen und kommen zusammen, um die Entwicklung der Profession nachhaltig voranzubringen. Neben Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung spielt interkulturelle Kompetenzentwicklung eine wichtige Rolle. „Dieser Austausch ist extrem hilfreich und wichtig, denn wir stehen alle vor den gleichen Herausforderungen. Wir können viel von unseren europäischen Partnern lernen, unter anderem im Bereich der Qualifizierungswege, der Akademisierung in der Pflege und der Entwicklung von Strategien, um das Berufsbild attraktiver zu gestalten“, sagt Judith Heepe, Koordinatorin des EUHA Nursing Network und Pflegedirektorin der Charité. Europaweit ist der demografische Wandel und damit verbunden der Fachkräftemangel ein drängendes Thema. „Die Pandemie hat noch einmal verdeutlicht, dass wir in den Unikliniken alle Berufsgruppen benötigen, um die Klinik am Laufen zu halten“, sagt Prof. Kroemer. „An der Charité streben wir eine interprofessionelle Arbeit an, und die Pflegenden spielen dabei eine entscheidende Rolle.“ Personalaustauschprogramme und Pflegeforschung sollen weiterhin dazu beitragen, die Pflegesituation europaweit auf ein stabiles Fundament zu stellen.

Weiterer wegweisender Beschluss der heutigen EUHA-Zusammenkunft ist die Unterzeichnung der internationalen Sorbonne Declaration – ein Bekenntnis zu freiem Zugang zu Forschungsdaten mit dem Ziel, eine Kultur verantwortungsvoller Forschung und Innovation zu schaffen. Vor etwa einem Jahr war die Sorbonne-Erklärung ins Leben gerufen worden. Auf Initiative der Charité und der EUHA Forschungsdekane schließt sich nun die Allianz den inzwischen neun Hochschulnetzwerken an, unter ihnen die Association of American Universities, die League of European Research Universities und die German U15. Insgesamt bekennen sich rund 200 forschungsstarke Universitäten weltweit dazu, Forschungsdaten zum Zwecke des Erkenntnisgewinns – soweit möglich – auszutauschen, sodass gewonnenes Wissen der gesamten Gesellschaft zugutekommen kann. „Die gemeinsame Nutzung von Forschungsdaten, die auf einer strukturierten Verwaltung dieser Daten basiert, hat eine hohe Bedeutung für Transparenz und Vertrauenswürdigkeit, und sie hat einen enormen Wert für die Wiederverwendung und Wissensgenerierung. Dies gilt insbesondere in der medizinischen Forschung, in der viele Fragen, beispielsweise zu seltenen Erkrankungen und in der personalisierten Medizin, nur durch die Zusammenführung von Daten zwischen Institutionen angegangen werden können“, sagt Prof. Dr. Ulrich Dirnagl, Co-Leiter der entsprechenden EUHA-Arbeitsgruppe, Gründer des QUEST Center am Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité und Leiter der Abteilung Experimentelle Neurologie der Charité.

Bislang ist es in den meisten Bereichen der medizinischen Forschung unüblich, die den Forschungspublikationen zugrunde liegenden Datensätze breit verfügbar zu machen. Durch den Beitritt zur Erklärung verpflichten sich die EUHA-Unikliniken, den Datenaustausch auf politischer und institutioneller Ebene zu vertreten und bei ihrer Unternehmensentwicklung zu berücksichtigen. Mit diesem Schritt wollen sich die Institutionen auf ein zunehmend digitales, kooperatives und transparentes Forschungsumfeld vorbereiten, wie es in Großprojekten wie der European Open Science Cloud und der Züricher Open-Science-Kommission bereits besteht. Auf nationaler Ebene orientiert sich die Initiative zudem an den Zielen der Medizininformatik-Initiative des Bundes (MII) und der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).

Mit Abschluss des heutigen Treffens ist die Präsidentschaft der EUHA vom Karolinska University Hospital, Stockholm, an das spanische Vall d’Hebron Barcelona Hospital übergegangen. Im halbjährlichen Rhythmus wechselt die Leitung des Netzwerkes unter den beteiligten Universitätsklinika.

Sorbonne Declaration und ihre Grundsätze, Januar 2020
Die forschenden Hochschulnetzwerke verpflichten sich unter anderem dazu, ihre Forschenden dabei zu unterstützen, ihre Daten auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar zu machen (FAIR). Sie fördern Datenpflege und -freigabe sowie die Entwicklung von Datenmanagementplänen als Standardbestandteil des Forschungsprozesses.
•    Aus der Forschung gewonnenes Wissen kommt der Gesellschaft zugute.
•    Der Wert von Forschungsdaten liegt in ihrer Integrität, auf der das öffentliche Vertrauen in neues Wissen gründet.
•    Die Bereitstellung des Zugangs zu und der offene Austausch von Daten ermöglicht die Entwicklung neuen Wissens, beschleunigt Entdeckungen zum Nutzen der Gesellschaft und der wirtschaftlichen Entwicklung.
•    Forschungsdaten sollten - so weit wie möglich - offen geteilt und wiederverwendet werden, ohne die nationale Sicherheit, institutionelle Autonomie, Privatsphäre, indigene Rechte und den Schutz des geistigen Eigentums zu beeinträchtigen.
•    Die akademische Gemeinschaft ist ein wesentlicher Bestandteil zur Ermittlung der komplexen Bedingungen für das Teilen und Wiederverwenden von Daten.
Weitere Informationen: Sorbonne Declaration

Über die European University Hospital Alliance (EUHA)
Die Allianz besteht aus neun führenden europäischen Universitätskliniken mit nachgewiesener Exzellenz in Gesundheitsversorgung, Bildung und Forschung: AP-HP, Assistance Publique – Hôpitaux de Paris, Frankreich; Charité - Universitätsmedizin Berlin, Deutschland; Erasmus MC, Rotterdam, Niederlande; Ospedale San Raffaele, Mailand, Italien; Universitätsklinik Karolinska, Stockholm, Schweden; King’s Health Partners, London, Vereinigtes Königreich; UZ Leuven, Löwen, Belgien; AKH Wien & MedUni Wien, Wien, Österreich; Krankenhaus Campus Vall d’Hebron Barcelona, ​​Barcelona, ​​Spanien. Die Institutionen arbeiten zusammen, um die Ergebnisse für die Patienten von heute und morgen zu verbessern. Jedes der neun Mitglieder ist eines der führenden Universitätskliniken seines Landes, alle sind Exzellenzzentren in der Forschung und nationale Referenzzentren. Jedes der Häuser hat eine Kapazität von mehr als 1.000 Betten und deckt alle bestehenden europäischen Referenznetzwerke (ERNs) ab. Das Motto „Leading by Doing“ steht für die Absicht, einflussreicher Berater auf europäischer Ebene zu sein und innovative Lösungen für die wichtigsten Herausforderungen im europäischen Gesundheits- und Gesundheitswesen zu entwickeln.

Downloads

Links

European University Hospital Alliance (EUHA)
EUHA an der Charité
BIH Charité QUEST Center
Pressemitteilung Karolinska University Hospital, Stockholm, anlässlich der 8. Mitgliederversammlung 

Kontakt

Manuela Zingl
Unternehmenssprecherin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400



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