Pressemitteilung

06.05.2017

Stellungnahme der Charité

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Laufende Studie zu Atemwegsbeschwerden und Spurenelemente-Belastungen bei Schießübungen der Berliner Polizei

Bei einigen Dienstkräften der Berliner Polizei wurden in 2016 Atemwegsbeschwerden und erhöhte Blutwerte von Spurenelementen festgestellt, deren Ursache unklar blieb. Es wurde der Verdacht geäußert, dass diese auf die Exposition dieser Dienstkräfte in baulich veralteten Schießstätten mit zum Beispiel unzureichenden Lüftungsanlagen, zurückgeführt werden könnten. Es wurde weiterhin vermutet, dass bei einigen Dienstkräften Erkrankungen auf die Ablagerung dieser Spurenelemente im Körper zurückgeführt werden könnten. Zwischenzeitlich findet das Schießtraining nur noch in nach aktuellen Standards abgenommenen Anlagen statt.

Zur Klärung des Sachverhaltes beauftragte die Senatsverwaltung für Inneres und Sport die Charité mit der Durchführung einer Studie, die prüfen soll, ob bei langjähriger Exposition eingeatmete Schadstoffe zu Atemwegsbeschwerden und zu einer Anreicherung von Spurenelementen im Körper führen könnten. Die Studie hat nach umfangreichen Vorarbeiten im März 2017 begonnen. Es sollen insgesamt 300 Dienstkräfte in drei Gruppen (hohe, geringe, keine Exposition) untersucht werden.

Der Aufruf zur Teilnahme an der Studie hat bei einigen Beamtinnen und Beamten aus zwei Gründen zu einer Verunsicherung hinsichtlich der Durchführung der Studie und der zu erwartenden Ergebnisse geführt. Folgende Kritikpunkte wurden geäußert:

1.    Die Studie werde nicht unter den alten Schießbedingungen mit hoher Schadstoffbelastung, sondern auf den aktuell genutzten Schießständen durchgeführt. Dadurch würden die Ergebnisse verfälscht in Richtung geringerer Belastungen.
2.    Dienstkräfte mit einer Erkrankung würden aus der Studie ausgeschlossen. Damit würde man die Ergebnisse beschönigen, da gerade diese einer besonders hohen Kontamination ausgesetzt gewesen wären.

Dazu gibt die Charité folgende Stellungnahme ab:

Zu 1.) Ziel der Studie ist die Untersuchung von Polizistinnen und Polizisten, die unter bestimmten Bedingungen geschossen haben. Dies gilt gerade auch für die Bedingungen in der Vergangenheit. Um die Exposition in den alten Schießanlagen zu berücksichtigen, werden der Zeitraum und der Umfang des absolvierten Schießtrainings durch eine Befragung für jeden Teilnehmer erfasst. Zudem müssen die Personen der Gruppe der Exponierten das Schießtraining seit mindestens drei Jahren absolviert haben.

Eine Durchführung der Studie unter den früher vorhandenen Expositionsbedingungen (u.a. unzureichende Klärung der Luft) wäre zudem ethisch unvertretbar. Keine Ethikkommission würde einer Studie zustimmen, in der Polizeibeamte einer Situation ausgesetzt werden, die im Verdacht steht, Gesundheitsschäden hervorzurufen, in der sie sozusagen als „Versuchspersonen“ verwendet werden.

Zu 2.) Der Ausschluss von Dienstkräften mit bestimmten Erkrankungen ist unumgänglich, um die in der Studie gestellte Frage (ob die langjährige Exposition gegenüber Schießpulverdampf in Schießanlagen zu einer Anreichung von Spurenelementen im Körper bzw. zu anhaltenden Atemwegsbeschwerden führt), möglichst zweifelsfrei beantworten zu können. Hier ist zu berücksichtigen, dass erhöhte Werte von Spurenelementen (sofern sie vorhanden sind) auch aus anderen Quellen stammen und Atemwegsbeschwerden andere Ursachen haben können. So könnten die Ergebnisse der Studie durch die Einbeziehung von Personen mit bestimmten Erkrankungen verfälscht werden und die Studie wäre angreifbar.

Alle Polizistinnen und Polizisten, die keine Nieren- oder Leberkrankheit sowie keine dauerhaft behandlungsbedürftige Lungenkrankheit haben und keine Raucher sind, können in die Studie mit aufgenommen werden. Damit kann nach jetziger Übersicht ein erheblicher Teil der Betroffenen an der Studie teilnehmen.

Darüber hinaus werden aktive und pensionierte Dienstkräfte, die über Beschwerden und Erkrankungen im Zusammenhang mit Schießübungen klagen bzw. aufgrund ihrer Erkrankung von der unmittelbaren Teilnahme an der Studie ausgeschlossen sind, in der Charité getrennt von der Studie betreut und ggf. erneut untersucht. Diese Ergebnisse werden bei ihrem Einverständnis mit den Studienergebnissen verglichen.

Die genannte Studie wurde in der Charité gemeinsam mit dem Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, WHO Collaborating Centre for Occupational Health, Klinikum der Universität München und dem Koordinierungszentrum für Klinische Studien (KKS) der Charité entwickelt. Weder die Senatsverwaltung für Inneres und Sport noch die Polizeiführung Berlins noch die betroffenen Beamtinnen und Beamten haben inhaltlich Einfluss auf das Studiendesign genommen.

Wir bitten nochmals alle Beamten, insbesondere jene mit hoher Exposition, sich an der Studie zu beteiligen, sofern sie die Einschlusskriterien erfüllen (pneumologie(at)charite.de).

Kontakt

Uwe Dolderer
Leiter der Unternehmenskommunikation und Pressesprecher
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400



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