Pressemitteilung

28.09.2016

Risikomarker für die Entwicklung von Übergewicht

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Charité-Wissenschaftler entschlüsseln epigenetische Variante

Wissenschaftler an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin konnten in einer Studie zeigen, dass nicht nur genetische Faktoren das Risiko für Erkrankungen, in diesem Fall Fettleibigkeit, beeinflussen. Auch Veränderungen im Umfeld des Erbguts, sogenannte epigenetische Varianten, können zum Entstehen von Krankheiten beitragen. Demnach führt eine epigenetische Variante auf dem Proopiomelanocortin-Gen (POMC-Gen), das eine besondere Rolle bei der Regulation des Körpergewichtes spielt, zu einem erhöhten individuellen Risiko, im Laufe des Lebens übergewichtig zu werden. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im aktuellen Fachjournal Cell Metabolism* veröffentlicht.

Studien mit eineiigen Zwillingen weisen darauf hin, dass an der Regulation des Körpergewichtes ein hoher genetischer Anteil beteiligt ist. Die bislang gefundenen genetischen Varianten erklären allerdings nur einen kleinen Teil davon. „Daher sind wir der Frage nachgegangen, ob abgesehen von genetischen auch epigenetische Veränderungen eine Rolle bei der Regulation des Körpergewichtes spielen könnten“, erklärt Dr. Peter Kühnen, Wissenschaftler am Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie. Epigenetik bezieht sich hierbei auf Varianten, die die Funktion eines Gens regulieren können, ohne dass die betreffende Sequenz selbst verändert ist. Die vermutlich stabilste epigenetische Veränderung ist die sogenannte DNA-Methylierung, die Kopplung einer chemischen Verbindung, einer Methylgruppe, an die Erbsubstanz.

„Unsere Studie hat gezeigt, dass adipöse Kinder und Erwachsene zu einem signifikanten Anteil an einer bestimmten Stelle des POMC-Gens eine höhere Methylierungsintensität aufwiesen als normalgewichtige Personen“, sagt Dr. Kühnen. Er ergänzt: „Dieselbe Methylierungsvariante konnten wir in POMC-Neuronen im Gehirn verstorbener, übergewichtiger Personen ebenfalls nachweisen.“ Das Team um den Endokrinologen konnte diese Veränderung nach der Geburt in Blutzellen nachweisen, im Verlauf der ersten Lebensjahre blieb sie unverändert. Zusätzlich konnten die Wissenschaftler einen Einfluss von väterlicher Seite auf diese POMC-DNA-Methylierung beim Kind beobachten. Die Veränderung auf dem für die Regulation des Körpergewichtes bedeutsamem Gen scheint dazu zu führen, dass das Risiko zur Entwicklung von Übergewicht erhöht ist.

Die untersuchten Veränderungen sind jedoch nicht die Hauptursache für die Entstehung von Fettleibigkeit, sondern nur ein potenzieller Faktor von vielen. In den nächsten Schritten versuchen die Wissenschaftler zu verstehen, wie diese epigenetische Variante des Gens entsteht und wie sich beispielsweise der Einfluss des Vaters auf den Grad der DNA-Methylierung des Kindes erklären lässt.

*Kühnen P, Handke D, Waterland RA, Hennig BJ, Silver M, Fulford AJ, Dominguez-Salas P, Moore SE, Prentice AM, Spranger J, Hinney A, Hebebrand J, Heppner FL, Walzer L, Grötzinger C, Gromoll J, Wiegand S, Grüters A, Krude H. Interindividual Variation in DNA Methylation at a Putative POMC Metastable Epiallele Is Associated with Obesity. Cell Metabolism, 2016 Sep 13; 24(3):502-9. doi: 10.1016/j.cmet.2016.08.001.

Links

Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie

Kontakt

Dr. Peter Kühnen
Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 666 839



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