Pressemitteilung

20.07.2009

Raucherberatung in der Rettungsstelle

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Charité präsentiert Studienergebnisse zur Tabakentwöhnung

Ein Forscherteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt in einer von der Deutschen Krebshilfe e.V., Bonn, geförderten Studie die Wirksamkeit einer Tabakentwöhnung im Umfeld einer Rettungsstelle am Campus Charité Mitte überprüft. Kann man Raucher durch eine Kurzberatung oder ein motivierendes Interview vor Ort in Kombination mit zusätzlichen Beratungen per Telefon dazu bewegen, mit dem Rauchen aufzuhören? Das war die Ausgangsfrage einer klinischen Studie, die von Prof. Claudia Spies, Direktorin des CharitéCentrums für Anästhesiologie, OP-Management und Intensivmedizin, betreut wurde. Erste Ergebnisse präsentiert ihr Team in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Tobacco Control*.

Insgesamt wurden 11.000 Patientinnen und Patienten in der Rettungsstelle hinsichtlich ihres Raucherstatus und der Eignung für die Studie befragt. Von 1.728 Rauchern nahmen 1.044, also etwa 60 Prozent, an der Studie teil. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe bekam während des Wartens vor Ort eine Kurzberatung oder ein motivierendes Interview. Sie erhielten zusätzlich bis zu vier telefonische Beratungen während der nächsten vier bis acht Wochen. Die zweite Gruppe, die so genannte Kontrollgruppe, erhielt weder eine Beratung in der Rettungsstelle noch telefonische Unterstützung. Alle Studienteilnehmer wurden insgesamt vier Mal während der nächsten zwölf Monate hinsichtlich ihres aktuellen Raucherstatus befragt.

Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 30 Jahre alt. „Viele waren noch nie von ihren Hausärzten auf das Rauchen angesprochen worden, da die gesundheitlichen Folgen des Rauchens in dieser Altersgruppe noch kein Thema sind“, erklärt Prof. Spies.

Mehr als die Hälfte nahmen an der Studie teil, obwohl sie von sich aus nicht für einen Rauchstopp motiviert waren. Je höher motiviert die Studienteilnehmer waren, rauchfrei zu leben, desto eher hörten sie auch auf und desto mehr profitierten sie von unserem Beratungsangebot“, sagt Prof. Spies. 33 Prozent der motivierten Raucher waren nach der rettungsstellenbasierten Tabakberatung nach zwölf Monaten rauchfrei. In der Kontrollgruppe betrug der Anteil 19 Prozent.

„Die Beratung in der Rettungsstelle war ein Auslöser, über das eigene Rauchverhalten nachzudenken – auch bei den Rauchern, die nach zwölf Monaten ihr Rauchen noch nicht beendet haben“, fügt Prof. Spies hinzu. Das Programm wird in der Routineversorgung, aber auch in der vorstationären Operationsvorbereitung fortgesetzt.

*Quelle: Bruno Neuner, Edith Weiss-Gerlach, Claudia Spies et al.: Emergency department-initiated tobacco control: a randomised controlled trial in an inner-city university hospital. Tob. Control, 2009; doi:10.1136/tc.2008.028753

Kontakt

PD Dr. Henning Krampe
CharitéCentrum für Anästhesiologie, OP-Management und Intensivmedizin
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Virchow-Klinikum
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 531 012



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