Pressemitteilung

13.10.2011

Projekt „mybabywatch“ startet an der Neonatologie am Campus Mitte

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An der CharitéUniversitätsmedizin Berlin sind im vergangenen Jahr in der Klinik für Neonatologie 181 Frühgeborene zur Welt gekommen, die ein Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm aufwiesen. Dank Hochleistungsmedizin und speziell geschultem Personal haben auch Kinder eine Überlebenschance, die vor der 27. Schwangerschaftswoche geboren werden. 2010 überlebten sogar 50 Prozent der Frühgeborenen, die mit weniger als 500 Gramm auf die Welt kamen. Doch der medizinische Fortschritt ist hart erkämpft, und die stationäre Betreuung stellt für die Eltern und die Frühgeborenen eine Belastung dar. In der Neonatologie stehen den betroffenen Familien deshalb spezielle Kinderkrankenschwestern (Elternberatung) zur Seite. Ziel ist es, so früh wie möglich eine Eltern-Kind-Bindung aufzubauen und zu fördern. Stets muss die gesamte Familie in der Bewältigung der neuen Lebenssituation unterstützt werden.

In einem bundesweit einzigartigen Forschungsprojekt ist es nun möglich, dass Eltern und Familienmitglieder über das Internet via Computer den kleinen Nachwuchs beobachten können. Neben aktuellen Daten zur Entwicklung der Kleinsten, wie bspw. das Gewicht, kann das virtuelle Besuchssystem den Eltern einen Blick ins Bettchen auch zu Tag- und Nachtzeiten ermöglichen, zu denen die Eltern nicht persönlich anwesend sein können. Aber auch Geschwisterkinder oder Verwandte können so den neuen Nachwuchs bereits kurz nach dessen Geburt zumindest bildlich kennen lernen. Natürlich ersetzt der Livestream nicht die Besuche der Eltern, vielmehr dient es der Vertiefung der Eltern-Kind-Beziehung, die in den ersten Wochen mit entscheidend geprägt werden kann.

In dem Kooperationsprojekt „mybabywatch“ untersucht nun die Neonatologie der Charité am Campus Mitte gemeinsam mit der BARMER GEK und der Firma mybabywatch GmbH die praktische Anwendung der von der Firma mybabywatch eigens für das Projekt entwickelten Software, einer Weiterentwicklung der bisherigen „Sternchenstunde“. In Kooperation mit mybabywatch gelang eine technische Verbesserung und die Einbindung weiterer Funktionen.

Unter der ärztlichen Leitung von Dr. Hans Proquitté können betroffene Eltern ab sofort über verschlüsselte Zugangsdaten ihre Neu- und Frühgeborenen betrachten. „Wir wollen herausfinden, wie wir Eltern und Kind in dieser Extremsituation noch intensiver unterstützen können. Vielleicht können moderne Kommunikationsmittel dabei helfen,“ sagt Dr. Rolf-Ulrich Schlenker von der BARMER GEK. Mittels an dem Bettchen befestigter Webcams können die Eltern ihren Nachwuchs über das Internet besuchen.

Wissenschaftliches Ziel dieser Untersuchung ist es nachzuweisen, dass die Nutzung von visuellen Kontaktmöglichkeiten via Webcam die Eltern in ihrer Situation unterstützt und ihre psychische Belastung gesenkt werden kann. Elterliche Kontroll- und Kompetenzüberzeugungen sollen unterstützt und Frühgeborene noch im Krankenhaus besser in die Familie miteinbezogen werden.

Kontakt

Dr. Hans Proquitté
Klinik für Neonatologie
CharitéCentrum 17 für Frauen-, Kinder- und Jugendmedizin
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 616 103



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