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Pressemitteilung

18.09.2020

Perspektiven für die Zoonosenforschung in Deutschland – Schubladendenken überwinden

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Podiumsdiskussion zur zukünftigen Ausrichtung der Forschung

Prof. Dr. Christian Drosten, Gründungsmitglied der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen. Foto: Peitz/ Charitè.
Prof. Dr. Christian Drosten, Gründungsmitglied der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen. Foto: Peitz/ Charitè.
Im Gespräch zur interdisziplinären Zoonosenforschung. Foto: Peitz/ Charitè.
Im Gespräch zur interdisziplinären Zoonosenforschung. Foto: Peitz/ Charitè.

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Universität Münster und des Friedrich-Loeffler-Instituts

Rund 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen haben ihren Ursprung im Tierreich*. Die aktuelle Coronavirus-Pandemie zeigt auf eindrückliche Art und Weise die Konsequenzen für die Gesellschaft, wenn ein Erreger aus dem Tierreich auf den Menschen übergeht. Eine gezielte Investition in die Erforschung von Zoonosen erscheint vor diesem Hintergrund folgerichtig, um für die Prävention und die Bekämpfung von Zoonosen bestmöglich aufgestellt zu sein.

Vor diesem Hintergrund hat die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen, kurz Zoonosenplattform, zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, um die zukünftige Ausrichtung der Forschung in Deutschland zu diskutieren. Die wissenschaftliche Expertise brachte Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologe der Charité – Universitätsmedizin Berlin, in die Runde ein. Er erklärte, auf Nachfrage von Prof. Dr. Karl Lauterbach, dass die zunehmende Vernetzung in unserer Welt und die anwachsende Populationsdichte das pandemische Gefahrenpotential einer Zoonose erhöht.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte den Zusammenhang der menschlichen Gesundheit mit der Umwelt, was durch die Corona-Pandemie in der Gesellschaft nun offensichtlich besser verstanden würde. Der Erhalt der Biodiversität und naturbelassener Rückzugsräume seien wichtige Komponenten, die es in Hinblick auf Zoonosenprävention zu beachten gelte. Um dieser komplexen Problematik begegnen zu können, bedürfe es interdisziplinärer Zoonosenforschung und einer nachhaltigen Förderung junger Forschender, bekräftigte Sybille Benning, stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages. Prof. Dr. Veronika von Messling, Abteilungsleiterin der Abteilung 6 „Lebenswissenschaften“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), verdeutlichte, dass Investitionen in die Forschung immer eine Investition in die Zukunft seien. Geschützte Räume wie die Zoonosenplattform böten die Möglichkeit, interdisziplinäre Ansätze zu erforschen, für die es sonst keine Förderquelle gebe. Eine starke Forschungsgemeinschaft und Strukturen wie die Zoonosenplattform hätten in Deutschland die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass man in der Forschung schnell, durch rasche Bereitstellung von Mitteln, auf die Krise reagieren konnte. Dr. Kirsten Tackmann, Agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, appellierte daran, das Denken in Schubladen in der Forschung zu überwinden und warb für mehr Kooperation statt Wettbewerb in der Wissenschaft. Zudem müsse man zurück zur präventiven Forschung, statt erst dann zu handeln, wenn es zu spät sei. Eine institutionalisierte Zusammenarbeit sei hier wichtige Voraussetzung, um die notwendigen Räume für interdisziplinäre Forschung zu schaffen.

Die Diskussionsrunde bestärkte die Bedeutung interdisziplinärer Zoonosenforschung, um die komplexen Zusammenhänge der menschlichen Gesundheit erfassen zu können. Dies kann nur mit einer Vernetzung der beteiligten Disziplinen und starker Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erreicht werden. Im internationalen Vergleich habe sich in der aktuellen Coronavirus-Pandemie gezeigt, dass Deutschland mit seinen bestehenden Strukturen bereits sehr gut aufgestellt ist. Diese Strukturen müssen in Zukunft erhalten und weiter ausgebaut werden, damit durch sie der Dialog zwischen Forschungsdisziplinen, Öffentlichem Gesundheitsdienst und Politik gestärkt und ausgeweitet wird. Nur so könne man zukünftig präventiv agieren und nicht, wie bisher erst „aus dem Schmerz heraus lernen“, wie Dr. Tackmann es formulierte.

*Taylor LH, Latham SM, Woolhouse ME. Risk factors for human disease emergence. Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci. 2001;356(1411):983-989.

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen
Ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Virologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, des Instituts für neue und neuartige Tierseuchenerreger, Friedrich-Loeffler-Institut, Insel Riems und des Instituts für Virologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin für eine vernetzte, interdisziplinäre Zoonosenforschung in Deutschland. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Weiterführende Informationen: www.zoonosen.net | Kontakt: info(at)zoonosen.net

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Links

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen
Aufzeichnung der Veranstaltung

Kontakt

Manuela Zingl
Unternehmenssprecherin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400
 



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