Pressemitteilung

20.04.2012

Nichtoffener Wettbewerb für Architekten

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Fassadengestaltung des Bettenhochhauses und des Neubaus für den Operations- und intensivmedizinischen Bereich der Charité Berlin Mitte entschieden

Der im Februar diesen Jahres von der CharitéUniversitätsmedizin Berlin in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ausgelobte nichtoffene Wettbewerb „Fassadengestaltung des Bettenhochhauses und des Neubaus für den Operations- und intensivmedizinischen Bereich der Charité“ wurde nach eintägiger Sitzung des Preisgerichts am 19. April 2012 entschieden.

Die CharitéUniversitätsmedizin Berlin beabsichtigt die Sanierung des 1982 in Betrieb genommenen Bettenhochhauses in der Luisenstraße 64, 10117 Berlin. Außerdem soll an Stelle des abzureißenden Lehrgebäudes östlich des Bettenhochhauses ein Neubau für den zentralen Operationsbereich, den zentralen intensivmedizinischen Bereich und die Rettungsdienststellen einschließlich einer Liegendkrankenanfahrt errichtet werden. Der Nutzungsbeginn für die Gebäude soll im ersten Quartal 2016 erfolgen, um den Einnahmeausfall im Krankenhausbetrieb zu minimieren. Um den wirtschaftlichen Zwängen auf der einen Seite, aber auch den gestalterischen Anforderungen an die Fassade auf der anderen Seite gerecht zu werden, wurden die Gesamtplanungsleistungen an einen Generalplaner vergeben, die Fassadenerneuerung des Bettenhochhauses sowie die Gestaltung der Fassade des OP-/ITS-Neubaus sind aber Gegenstand des Wettbewerbs.

Der Wettbewerbsumfang beinhaltet die Fassadenfläche des Bettenhochhauses von ca. 20.500 qm (Ebenen 1–21 und Dachaufbauten), die Fassadenfläche des OP-/ITS-Neubaus von ca. 5.300 qm sowie die Fassadenfläche des Verbindungsbaus von ca. 520 qm.

Die geplante Baumaßnahme stellt aufgrund der besonderen städtebaulichen Bedeutung hohe Anforderungen an die architektonische Qualität der Fassadengestaltung. Das Bettenhochhaus ist eine gut sichtbare Höhendominante im Bezirk Mitte, verortet die Charité im Stadtraum und wird zum Symbol für die Charité als Institution. Es sollte eine angemessene Fassadensprache im stadträumlichen Kontext gefunden werden, die sich mit der Architektur des Campus Charité auseinandersetzt.

Aus dem Gesamtbudget der Baumaßnahme von 185 Mio Euro stehen für die Fassadenarbeiten insgesamt 22 Mio. Euro zur Verfügung. Diese Kostenvorgabe sollte durch die Wettbewerbsteilnehmer zwingend eingehalten werden.

Zur Teilnahme am Wettbewerb wurden 20 Architekten aufgefordert, die in einem vorangegangenen europaweiten Auswahlverfahren aus insgesamt 85 Bewerbern ausgewählt wurden. 18 Architekturbüros haben abgegeben.

Die Preissumme beträgt 115.500 €.

Unter dem Vorsitz des Berliner Architekten Prof. Manfred Ortner entschied das Preisgericht nach ausführlicher Diskussion wie folgt:

1. Preis 32.000 €
Schweger & Partner Architekten, Hamburg

1. Preis 32.000 €
Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

3. Preis 18.000 €
Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

4. Preis 13.500 €
kister scheithauer gross architekten und stadtplaner GmbH, Leipzig

Anerkennung 10.000 €
BE Berlin GmbH, Berlin
Dietmar Eberle Gerd Jäger

Anerkennung 10.000 €
knerer und lang Architekten GmbH, Dresden

Die Jury empfahl die beiden mit dem 1. Preis ausgezeichneten Arbeiten  zur Überarbeitung mit dem Ziel, den vorgegebenen Kostenrahmen einzuhalten.

Regula Lüscher, als Senatsbaudirektorin Mitglied der Jury:

„Trotz des unangemessen knappen Kostenrahmens haben sowohl die Teilnehmenden Büros als auch die Jury um eine adäquaten Architektur für die Sanierung des weit herum sichtbaren Wahrzeichens der Charité gerungen.
Die zwei sehr unterschiedlichen aber markanten Entwürfe die je mit einem 1. Preis ausgezeichnet wurden, zeigen großes Potential für die Einlösung der hohen architektonischen Erwartungen an diese Sanierungsaufgabe. Da auch diese zwei Arbeiten wie alle andern leider den  Kostenrahmen nicht einhalten konnten, soll die Überarbeitung zeigen, welcher der beiden Entwürfe die Qualität trotz der erforderlichen Einsparung sichern kann.“

Prof. Karl Max Einhäupl, als Vorstandsvorsitzender der Charité Mitglied der Charité:

„Wir danken den Preisrichtern, die in einer großen Anstrengung darum gerungen haben, zwei Entwürfe zu prämieren, die sowohl der städtebaulichen Bedeutung des Gebäudes als auch der Bedeutung der Charité angemessen ist. Die 18 eingereichten Arbeiten repräsentieren eine Vielzahl möglicher architektonischer Haltungen. Die technische Machbarkeit, die Einhaltung des Kostenrahmens und die zeitliche Umsetzbarkeint sind unverzichtbare Voraussetzungen, die deshalb in kürzester Zeit für beide Entwürfe nachgewiesen werden müssen.“

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf von Schweger & Partner Architekten, Hamburg teilt das Volumen in einen robusten Sockel und einen gegliederten Aufbau. Hierdurch verliert das Gebäude an optischer Höhe was durch eine Betonung der Vertikalen durch feine Linsen kompensiert wird.

Auch die Funktionsbauten entwickeln sich aus dem Thema des Sockels und werden aus rigide gerastertem Backstein erstellt.

Das Thema des Entwurfs ist das Raster, es entsteht ein Fassadenbild, das ein neues Gesicht entwickelt, dessen ursprüngliche Form aber durch das neue Kleid spürbar bleibt.

Die Materialität der Fassade ist im Rahmen der Möglichkeiten klug gewählt da der Sockel aus Backstein eine robuste Gebrauchstüchtigkeit verspricht, wohingegen die elementierte Faserzementfassade auf die Entfernung eine fein gegliederte Erscheinung verspricht.

Im ganzen kann so ein Bild einer neuen \ alten Charité entstehen die auch weiterhin eine  Signalwirkung als großer Stadtbaustein hat.

Das Konzept des Entwurfes von Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin vermittelt glaubwürdig die Idee, wie sich der großmaßstäbliche Baukörper der Charité in der Stadt und über die Stadtsilhouette hinaus markant darstellt. Dazu greifen die Verfasser geschickt zu dem Mittel der Faltung, mit der sich die kleinteiligen Elemente zu einem großen Gesamten zusammenfügen.  Das gibt dem gesamten Projekt eine einheitliche Wirkung ohne schematisch zu sein.

Das Thema der bestehenden Linsen wird in dem vorliegenden Konzept neu interpretiert. Die starke vertikale Strukturierung, die vom Boden bis zum oberen Gebäudeabschluss reicht, gibt dem eher gedrungenen Bestandsgebäude eine vertikale Streckung. Dies führt im Ergebnis zu einem kraftvollen Baukörper und gleichzeitig zu einer Eleganz und Feingliedrigkeit.

Das Gebäude funktioniert in seiner haptischen Wirkung auch in der Nahsicht: Die Faltungen und Rundungen lassen je nach Sonnenstand unterschiedliche Schattenwirkungen entstehen, die im überzeugenden Kontrast zur reflektierenden Wirkung der Oberfläche stehen. Die Idee eines Vorhangs entspricht auch der Nutzung als Bettenhaus: die Anmutung des Ausblicks aus den Bettenzimmern in die Stadt hinein.

Insgesamt zeigt sich das Projekt als eine robuste und starke Idee, bei der man sich gut vorstellen kann, dass unerwartete Hindernisse bei der Detaillierung und Realisierung behoben werden können.


Ausstellung
Die Wettbewerbsarbeiten werden in einer 2-wöchigen Ausstellung zu besichtigen sein.

Ort und Zeitraum der Ausstellung werden rechzeitig bekannt gegeben.

Kontakt

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