Pressemitteilung

23.09.2013

Neurochirurgische Eingriffe mit einer App navigieren

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Mehr Sicherheit für Patienten durch eine neue Navigationstechnologie

Eine neue Smartphone-basierte Technologie unterstützt Chirurgen bei der Planung und Durchführung einer bestimmten neurochirurgischen Operation - dem Anlegen eines Katheters bei Patienten, die unter einem Wasserkopf (Hydrocephalus) leiden. Das neuartige Verfahren hat die CharitéUniversitätsmedizin Berlin gemeinsam mit einem Potsdamer Medizinproduktehersteller entwickelt. Erste klinische Studienergebnisse überzeugen, eine Metastudie befindet sich in Durchführung.

Hydrocephalus ist eine Erkrankung, bei der das Verhältnis zwischen Produktion und Abbau von Hirnwasser gestört ist. Dadurch kann im Kopfinnenraum ein zu hoher Druck entstehen. Behandelt wird die Krankheit durch die Implantation eines Ableitungssystems, welches das überschüssige Hirnwasser in den Bauchraum des Patienten umleitet. Über 23.000 solcher Operationen finden jährlich in Deutschland statt. Ein Routineeingriff für Neurochirurgen, bei dem der hirnwasseraufnehmende Katheter in der Regel freihändig in der Hirnkammer (Ventrikel) platziert wird. Dies erfolgt aber laut aktueller Fachliteratur nicht immer mit ausreichender Genauigkeit und kann Revisionsoperationen nach sich ziehen.

„Mit der Entwicklung eines Führungsinstruments, das mithilfe einer iPhone-App positioniert wird, ist es jetzt möglich, eine sehr viel höhere Genauigkeit bei der Platzierung des Katheters zu erzielen“, erklärt Privatdozent Dr. Ulrich Thomale vom Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie der Charité und Entwickler dieser neuen Methode. Der Chirurg sieht sich vor der Operation nicht mehr nur die MRT- und CT-Aufnahmen an, sondern plant mit Hilfe der App den Eingriff in wenigen Schritten. Im ersten Schritt wird die Aufnahme des Kopfes mit den Hirnwasserkammern in die App importiert. Danach kann der Operateur mit wenigen Fingertipps den Eintrittspunkt und die Lage der Katheterspitze festlegen. Die Software errechnet daraus den nötigen Winkel, der an dem Führungsinstrument eingestellt werden muss, so dass der Kathether zielgenau durch das Hirn zum Ventrikel geführt werden kann.

„Diese Entwicklung kann die Fehlerquote deutlich vermindern“, betont Privatdozent Dr. Thomale. „Und da die App kostenlos und im AppStore erhältlich ist, bleiben die Kosten für das Führungsinstrument in einem überschaubaren Rahmen und sollten keine Hürde darstellen, dieses leicht zu handhabende Navigations-Set auch bei vermeintlich einfachen Fällen im Sinne der Patienten zu nutzen“, fügt er hinzu.

Eine prospektive, randomisierte Multicenter-Studie läuft derzeit an zehn verschiedenen deutschen Kliniken, um die erfolgreiche Handhabung auf breiter Ebene zu testen. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.

Links

http://kinderneurochirurgie.charite.de/

Kontakt

PD Dr. Ulrich W. Thomale
Leitender Oberarzt
Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie
Campus Virchow-Klinikum
t: +49 30 450 560 213



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