Pressemitteilung

01.04.2011

Neue Chancen für beatmete Patienten

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Einrichtung an der Charité soll Entwöhnung vorantreiben

Berlins erstes geprüftes Zentrum für die Entwöhnung langzeitbeatmeter Patientinnen und Patienten steht an der Charité. Nach einem einjährigen Verfahren hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) dem so genannten Weaningzentrum an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie die Akkreditierung erteilt. „Damit können wir jetzt umfassend Intensivpatienten mit kompliziertem Entwöhnungsprozess, aber auch viele ambulante Patienten in ein selbständiges Leben zurückführen“, erklärt Dr. Simone Rosseau, Oberärztin der Klinik und Leiterin des Weaningzentrums.

Mit dem englischen Ausdruck „Weaning“ ist normalerweise das Abstillen eines Säuglings gemeint. Genauso kann man aber Menschen von der künstlichen Beatmung „entwöhnen“, auch noch nach längerer Zeit. „Bei 80-85 Prozent der Patientinnen und Patienten ist das einfach und dauert im günstigsten Fall nur wenige Tage“, erklärt Frau Dr. Rosseau. „Bei 15-20 Prozent ergeben sich jedoch erhebliche Probleme. Für diese Menschen ist unser Expertenzentrum eine zusätzliche Möglichkeit doch noch eine Beatmungsentwöhnung zu erzielen.“

Dem Zentrum stehen derzeit 10 Betten zur Beatmungsentwöhnung zur Verfügung, die in eine spezialisierte Intensivstation mit insgesamt 18 Betten integriert sind. Die Weaningpatienten werden in der Regel von anderen Intensivstationen der Charité, aber auch aus anderen Kliniken und aus Beatmungspflegeeinrichtungen überwiesen. Die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: „Uns gelingt es, 70 Prozent der Patienten zu entwöhnen, bei denen andere Kliniken aufgegeben haben“, sagt Dr. Rosseau. „Das bedeutet für diese Menschen, dass sie nach Monaten im Krankenhaus wieder ein selbständiges Leben führen können.

Viele Grunderkrankungen können dazu führen, dass Patientinnen und Patienten nach einer intensivmedizinischen Behandlung nur sehr schwer von der invasiven Beatmung zu entwöhnen sind. Dazu gehören chronische Lungenerkrankungen, aber auch Herz- oder Nierenschwäche, neurologische Erkrankungen und Krebs. Häufig werden diese Menschen von den Intensivstationen in Beatmungspflegeheime oder - mit einem eigenen Beatmungspflegedienst - nach Hause entlassen. Das ist teuer: mindestens 250.000 Euro veranschlagen Krankenkassen für die ambulante Betreuung eines Beatmungspatienten – pro Jahr. Hinzu kommt, dass bei Komplikationen im Pflegeheim oder zu Hause oft nur der Weg zurück auf die Intensivstationen der Krankenhäuser bleibt. „Doch dort ist die Bettenkapazität im Rahmen der Behandlung schwerkranker oder gerade operierter Patienten nahezu ausgeschöpft. Spezialisierte Weaningzentren wie das an der Charité entlasten daher auch Intensivstationen“, berichtet Dr. Rosseau.

Das neue Weaningzentrum soll auch für diese Fälle eine Lösung bringen. „Wir möchten ambulante Pflegedienste und Pflegeheime beraten, um Patienten zu identifizieren, die Chancen auf eine Entwöhnung haben“, erläutert die Ärztin. Für diese Patienten schlägt das Charité Zentrum für Außerklinische Beatmung und Sauerstofftherapie (CABS) mit einer spezialisierten Hochschulambulanz eine Brücke in den ambulanten Bereich „Unser Ziel ist es, allen Patienten mit Weaningpotential auch die Möglichkeit zur erfolgreichen Beatmungsentwöhnung zu geben.

Kontakt

Dr. Simone Rosseau
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t.: +49 30 450 653365



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