Pressemitteilung

21.07.2015

Mehr Zeit am Krankenbett

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Tablet-Computer statt klassischer Patientenakte

Befunde mobil am Krankenbett, Foto: CharitéUniversitätsmedizin Berlin, Wiebke Peitz

Per Fingertipp auf aktuelle Befunde, Röntgenbilder oder Blutwerte zugreifen. Oder dem Patienten direkt am Krankenbett Diagnosen aus bildgebenden Verfahren erklären. Durch den Einsatz von Tablet-Computern werden Arbeitsprozesse vereinfacht und bei der Visite bleibt so mehr Zeit für das Patientengespräch. Den Einsatz der elektronischen Patientenakte auf mobilen Tablets haben Forscher an der Klinik für Neurologie der CharitéUniversitätsmedizin Berlin untersucht. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin Journal of Neurology* veröffentlicht.

Zeit ist in Krankenhäusern ein knappes Gut. Gerade die Neurologie, als interdisziplinär vernetzte Disziplin, ist auf komplexe Diagnoseverfahren und zeitaufwendige Datenbearbeitung angewiesen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Klinik für Neurologie der Charité sind Ärzte, die regelmäßig an Rundgängen zur Visite teilnehmen, in die Arbeit mit elektronischen Patientenakten auf Tablet-Computern eingewiesen worden. Ziel der Studie war es, den möglichen Nutzen der mobilen Akten für die Verbesserung von Arbeitsabläufen zu evaluieren. So wurden unter anderem die Vor- und Nachbereitungszeiten der Visite sowie die Dauer der Visite selbst erhoben. Ebenso Zeiten, die ein Arzt direkt am Krankenbett verbringt und Zeiten, die er zum Nachschlagen medizinischer Daten benötigt.

Die Auswertung zeigt, dass sich Ergebnisse medizinischer Untersuchungen schneller unter der Verwendung von Tablets prüfen lassen. Durchschnittlich 40 Sekunden spart ein Arzt beim Nachschauen von medizinischen Befunden in der elektronischen Patientenakte gegenüber dem Befragen der Akte aus Papier. Damit haben Mediziner am Krankenbett effektiv mehr Zeit für den Patienten. Statt etwa vier Minuten in der konventionellen Visite verbrachten sie in der mobilen Visite im Durchschnitt eineinhalb Minuten mehr Zeit mit dem Patienten. Zudem konstatieren die Wissenschaftler um bis zu 20 Minuten kürzere Vor- und Nachbereitungszeiten der Visite – Zeit, die dem Patienten im direkten Gespräch zugute kommt.

Ein weiterer Vorteil, wenn Behandlungsdaten auf mobilen Endgeräten vorliegen: Mediziner können an unterschiedlichen Orten der Klinik gleichzeitig auf dieselbe Akte zugreifen, Laborwerte und andere Befunde aktualisieren oder abrufen. „Die Unterlagen sind immer dort einsehbar, wo wir gerade arbeiten“, sagt Prof. Dr. Stephan Brandt, Stellvertretender Direktor der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie. „Mit dem Tablet haben wir außerdem die Möglichkeit, einem Patienten Aufnahmen einer Computertomografie oder andere Bilder zu zeigen und Befunde direkt am Krankenbett zu besprechen.“ Das Pilotprojekt an der Neurologischen Klinik zeigt, wie sich Prozesse, insbesondere beim Arbeiten mit elektronisch vorliegenden Daten und Bildern, erleichtern und qualitativ verbessern lassen. Auch andere medizinische Disziplinen könnten vom mobilen Datenzugang profitieren. Auf die Sicherheit der sensiblen Patientendaten wird von Beginn an großen Wert gelegt. Datenschutz und Ethikkommission haben das Vorhaben geprüft und der Studie zugestimmt. Die Deutsche Telekom AG hat die Untersuchung als Industriepartner unterstützt.

*Robert Fleischmann, Julian Duhm, Hagen Hupperts, Stephan A. Brandt. Tablet computers with mobile electronic medical records enhance clinical routine and promote bedside time: a controlled prospective crossover study. Journal of Neurology, Dez. 2014. doi: 10.1007/s00415-014-7581-7

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Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie

Kontakt

Prof. Dr. Stephan A. Brandt
Stellvertretender Direktor der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 560 111



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