Pressemitteilung

17.07.2008

Mechanismus der Stammzellenregulation entschlüsselt

Zurück zur Übersicht

microRNA könnte auch an der Entstehung von Krebs beteiligt sein

Ein Team der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt einen Mechanismus aufgeklärt, der eine entscheidende Rolle bei der Reifung von Stammzellen spielt.

Ein Team der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt einen Mechanismus aufgeklärt, der eine entscheidende Rolle bei der Reifung von Stammzellen spielt. „Unsere Erkenntnisse belegen, dass mikroRNAs wie let-7, eine neu entdeckte und bisher wenig erforschte Gruppe kleiner Ribonukleinsäure-Moleküle, eine Schlüsselrolle im Bereich der Stammzellenregulation spielen“, sagt Studienleiter Dr. F. Gregory Wulczyn vom Institut für Zell- und Neurobiologie am Campus Mitte. 

Undifferenzierte embryonale Stammzellen sind ein großer Hoffnungsträger der Medizin, da sie pluripotent sind: Aus ihnen können sich mehrere Arten von Zellen oder Gewebe zur Behandlung von Krankheiten entwickeln. Während der Stammzellreifung werden die Zellen immer weiter in ihrer Entwicklungsfähigkeit eingeschränkt. Adulte, also erwachsene Stammzellen können somit nur noch eine begrenzte Anzahl von Zelltypen erzeugen. Aktuell wird erforscht, ob sich adulte Stammzellen oder sogar einfach zu gewinnende Gewebezellen wie zum Beispiel aus der Haut umprogrammieren lassen. Die Stammzellregulation steht daher im Brennpunkt der Wissenschaft.

Für die im Fachblatt Nature Cell Biology* veröffentlichte Studie der Charité wurden embryonale Stammzellen und Hirnstammzellen von Mäusen untersucht und verglichen. Die beiden Zelltypen unterschieden sich in zwei Molekülen, dem so genannten Lin-28 Protein, und einer mikroRNA mit dem Namen let-7. Interessant war die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Molekülen. Die Autoren konnten zeigen, dass in embryonalen Stammzellen das Lin-28 Protein vorhanden ist und die Bildung von let-7 mikroRNA hemmt. Dagegen ist in den Hirnstammzellen die let-7 mikroRNA vorhanden und hemmt die Produktion des Lin-28 Proteins. Hierbei handelt es sich um ein sensibles Gleichgewicht – sobald einer der beiden Moleküle in der Überzahl vorhanden ist, kippt das System auf die eine oder andere Seite. Da let-7 ein Schlüssel-Gen für die Regulation einer Vielzahl von Stammzell-Genen ist, ist das Zusammenspiel zwischen Lin-28 und let-7 entscheidend für die Reifung und Ausbildungsfähigkeit der Stammzellen.

„Mit Lin-28 haben wir das erste Beispiel dafür, dass zelluläre Proteine gezielt die Aktivität von mikroRNAs steuern. Um Stammzellen manipulieren zu können, ist es unerlässlich, dieses molekulare Zusammenwirken noch besser kennen zu lernen“, erklärt Wulczyn. Die Forscher erkannten auch einen möglichen Zusammenhang dieses Mechanismus mit der Entstehung von Krankheiten: Zum Beispiel kann der Verlust von let-7 in verschiedenen Geweben die Krebsentstehung fördern. Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob Lin-28 aktiv an der Krebsentstehung beteiligt ist und damit ein Ansatzpunkt für neue Therapien sein könnte.

 

Links

undefinedOnline-Publikation in Nature Cell Biology


Kontakt

Dr. F. Gregory Wulczyn
Institut für Zell- und Neurobiologie CCM
Charité - Universitätsmedizin Berlin

t: +49 30 450 528 459



Zurück zur Übersicht