Pressemitteilung

28.10.2011

„Klassiker des Gelben Kaisers“ der Chinesischen Medizin erstmals wissenschaftlich übersetzt

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Ein dreiköpfiges deutsch-chinesisches Team von Sinologen und Medizinhistorikern um Prof. Paul U. Unschuld, Direktor des Horst-Görtz-Stiftungsinstituts für Theorie, Geschichte und Ethik chinesischer Lebenswissenschaften der CharitéUniversitätsmedizin Berlin, hat erstmals das Huang Di Nei Jing Su Wen unter Anwendung europäischer philologischer Methodik vollständig ins Englische übersetzt.
Das Huang Di Nei Jing Su Wen ist das älteste Textkorpus der auf säkulare Naturgesetze begründeten chinesischen Medizin. Es ist im Westen unter der nicht ganz korrekten Bezeichnung „Klassiker des Gelben Kaisers“ bekannt und in seiner Bedeutung für die chinesische Medizin vergleichbar mit der des Corpus Hippocraticum  für die westliche Medizin. Die Ursprünge des umfangreichen Schriftwerks liegen im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus; über die folgenden 1000 Jahre erfuhr der Text zahlreiche Veränderungen und Ergänzungen, bis schließlich im 12. Jahrhundert eine Version zustande kam, die seitdem unverändert tradiert und kommentiert wird.
Das der Veröffentlichung vorausgehende Forschungsprojekt wurde seit 1988 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Volkswagenstiftung, der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur und der Horst-Görtz-Stiftung finanziell gefördert. Um den komplexen Anforderungen der Übertragung aus dem antiken Chinesisch in eine heutige westliche Sprache gerecht zu werden und die gesamte relevante bisher erschienene Forschungsliteratur einzubeziehen, war die Auswertung von mehr als 600 chinesischen und japanischen Monographien der vergangenen 1600 Jahre und von fast 3000 Aufsätzen chinesischer Autoren des 20. Jahrhunderts erforderlich.
Das Ergebnis der Übersetzung, einschließlich einer kommentierten Bibliographie der gesamten Sekundärliteratur, wurde von dem renommierten US-Verlag University of California Press publiziert und  liegt nun in vier Bänden mit insgesamt 2900 Seiten vor. Damit wird dieses zentrale Werk antiker chinesischer Lebenswissenschaften erstmals einem weiten Kreis von Interessentinnen und Interessenten auch außerhalb Chinas und Japans zugänglich. Es eröffnet nie dagewesene Möglichkeiten beispielsweise im Vergleich der antiken Ursprünge europäischer und chinesischer Lebenswissenschaften, sowie zur Einschätzung der historischen Bezüge der jüngsten Weiterentwicklungen der so genannten Traditionellen Chinesischen Medizin.

Kontakt

Prof. Paul Unschuld
Institut Horst-Görtz-Stiftung
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 529 351



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