Pressemitteilung

22.05.2017

Kann Schizophrenie eines Tages verhindert werden?

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Berliner Forscher belegen die grundsätzliche Möglichkeit im Tiermodell

Durch die Tiefe Hirnstimulation frontaler Regionen des Großhirns ist es Wissenschaftlern der CharitéUniversitätsmedizin Berlin gelungen, die Entwicklung Schizophrenie-assoziierter Verhaltensdefizite im Tiermodell aufzuhalten. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry* veröffentlicht.

Die Schizophrenie ist eine Entwicklungsstörung des Gehirns. Sie beginnt lange bevor Krankheitssymptome sichtbar werden, so dass eine Therapie zumeist erst begonnen wird, wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist und nur noch begrenzt behandelt werden kann. Die Früherkennung beginnender Psychosen und die Entwicklung präventiver Therapiestrategien sind deshalb von besonderer Bedeutung.

Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Christine Winter, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, haben in ihrer Studie wesentliche Aspekte schizophrener Psychosen in einem Tiermodell der Schizophrenie untersucht. Mit Hilfe unterschiedlicher Methoden konnten sie spezifische Regionen des Gehirns darstellen, die bereits vor dem Ausbruch der charakteristischen Verhaltensdefizite eine veränderte Aktivität und Funktionalität zeigten. Dazu gehörte auch der mediale präfrontale Kortex, ein bestimmter Bereich des Großhirns, dessen pathophysiologische Bedeutung im Rahmen der Schizophrenie bereits bekannt ist.

Im nächsten Schritt implantierten die Wissenschaftler Elektroden im medialen präfrontalen Kortex jugendlicher Ratten, die noch keine charakteristischen Krankheits-Symptome zeigten. Sie stimulierten das Zielgewebe kontinuierlich über zwölf Tage und manipulierten so die pathologische Entwicklung dieses Hirnbereichs. Spätere Untersuchungen in den erwachsenen Ratten ergaben, dass diese eine Reihe Schizophrenie-relevanter Verhaltensdefizite gar nicht erst ausbildeten.

„Unsere Daten zeigen zudem, dass die Tiefe Hirnstimulation des medialen präfrontalen Kortex auch die Entwicklung weiterer neurochemischer und hirnstruktureller Veränderungen aufhalten konnte, allen voran die Vergrößerung der lateralen Ventrikel, die üblicherweise mit der Krankheit einhergehen“, erklärt Prof. Dr. Christine Winter. Somit liefert die Studie wichtige Einsichten in die Neuropathologie der Schizophrenie und beschreibt den medialen präfrontalen Kortex als hoffnungsvolles Zielgebiet für gezielte präventiv-therapeutische Interventionen.

Die Studie ist Teil des von der Europäischen Kommission geförderten Verbundprojektes EraNet NEURON http://www.neuron-eranet.eu/.

*Hadar, R., Bikovski, L., Soto-Montenegro, M.L., Schimke, J., Maier, P., Ewing, S., Voget, M., Wieske, F., Gotz, T., Desco, M., Hamani, C., Pascau, J., Weiner, I., Winter, C., 2017. Early neuromodulation prevents the development of brain and behavioral abnormalities in a rodent model of schizophrenia. Molecular Psychiatry. Doi: 10.1038/mp.2017.52

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Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

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Kontakt

Prof. Dr. Christine Winter
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 517 310



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