Pressemitteilung

28.03.2008

Gefährliche Krankheitsgene gezielt entdecken

Zurück zur Übersicht

Neue Suchmaschine identifiziert krankmachende Gene

Forschern der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, das die Identifikation von Krankheitsgenen beschleunigt.

Forschern der CharitéUniversitätsmedizin Berlin ist es gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, das die Identifikation von Krankheitsgenen beschleunigt. Darüber berichten sie in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift The American Journal of Human Genetics*. Die Entdeckung dieser Gene ist entscheidend für das Verständnis und die Therapie von genetisch bedingten Krankheiten. Dazu gehören beispielsweise Mukoviszidose, bestimmte Krebsarten oder auch vererbbare Blindheit. Seit der ersten Entdeckung eines Krankheitsgens im Jahr 1988 wurden rund 2500 weitere identifiziert. Forscher vermuten, dass noch 3500 Krankheitsgene unbekannt sind.

„Bisher ist die Identifikation jedoch eine langwierige und deshalb teure Angelegenheit“, sagt Dr. Peter Robinson vom Institut für Medizinische Genetik am Campus Virchow-Klinikum. „Zuerst gilt es, den Abschnitt auf einem der 24 menschlichen Chromosome zu lokalisieren, auf dem das Krankheitsgen sitzt. Solche Bereiche enthalten jedoch in der Regel 100 bis 300 Gene, die alle einzeln überprüft werden müssen, wenn man nicht weiß, welches für die Auslösung der Krankheit verantwortlich ist.“ Die Untersuchung von so vielen Genen kann bis zu mehrere Jahre Zeit in Anspruch nehmen und Kosten im sechsstelligen Bereich verursachen.

Die neue Methode zielt nun darauf ab, schon im Vorfeld zu entscheiden, welches Gen als Auslöser der Krankheit in Frage kommt. Dafür analysierten die Wissenschaftler zunächst  die Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Genen. Derzeit liegen Daten über etwa 250.000 solcher chemischen Wechselwirkungen vor. Die Wissenschaftler haben beobachtet, dass Gene, die ähnliche Krankheitsbilder auslösen, untereinander chromosomenübergreifend besonders besonders eng vernetzt sind. Darauf baut nun die "Random-Walk"-Methode auf. Mit ihr „spazieren“ die Forscher die Verbindungen ab und schauen, welche Gene in dem verdächtigen Abschnitt besonders eng mit bekannten Krankheitsgenen in Kontakt stehen. Diese sind mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Krankheitsgene. Die Methode liefert sehr gute Ergebnisse. Oftmals war bereits das erste überprüfte Gen das gesuchte. „Mit der neuen Methode kostet die Analyse im Idealfall nur wenige tausend Euro und dauert nur kurze Zeit“, erklärt Dr. Robinson.

„Auch für die Patienten ist dies eine gute Nachricht“, sagt er. Zwar ist es nicht möglich, wenn das Krankheitsgen gefunden wurde, die Krankheit einfach abzustellen, aber den Betroffenen kann dann mit einer individuellen Therapie besser geholfen werden. „Jedes entdeckte Krankheitsgen ist ein weiteres Puzzleteil zum Verständnis von genetisch bedingten Krankheiten.“

* http://www.ajhg.org/images/latestarticles/kohler.pdf

Kontakt

 

Dr. Peter Robinson

CharitéUniversitätsmedizin Berlin
Institut für Molekulare Genetik

t: +49 30 450 569 124



Zurück zur Übersicht