Pressemitteilung

28.11.2019

Für zukunftsweisende Konzepte zur Krankenversorgung und Versorgungsforschung

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Innovationsfonds fördert sechs weitere Projekte an der Charité in zweistelliger Millionenhöhe

Die CharitéUniversitätsmedizin Berlin ist in der neuen Förderperiode des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) wiederholt stark vertreten. Vier Projekte im Bereich Neue Versorgungsformen und zwei Projekte im Bereich Versorgungsforschung werden über eine Laufzeit von drei bis vier Jahren an der Charité gefördert. Zudem ist die Berliner Universitätsmedizin als Konsortialpartnerin an sechs weiteren Vorhaben beteiligt. Ziel ist es, neue Konzepte für die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu entwickeln und Ansätze zu erproben. Die Projekte starten im Jahr 2020.

„Ich freue mich sehr, dass es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Charité erneut gelungen ist, eine Förderung des Innovationsfonds für innovative Versorgungsprojekte zu erhalten. Versorgungsforschung und die Entwicklung intelligenter Versorgungsformen sind der Schlüssel zur Zukunft des deutschen Gesundheitswesens“, konstatiert Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité.

Die Förderprojekte des Innovationsfonds befassen sich mit Fragestellungen zur verbesserten Versorgung von älteren und pflegebedürftigen Menschen, zur Versorgung im ländlichen Raum, zu großen Volkskrankheiten, aber auch zu seltenen Erkrankungen, psychischen Erkrankungen und zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Dabei gewinnen telemedizinische Ansätze und eHealth-Lösungen an Bedeutung, beispielsweise um beteiligte Einrichtungen zu koordinieren und Patienten besser zu einzubinden.

Der Charité sind mit den aktuell bewilligten Forschungsvorhaben seit Start des Innovationsfonds im Jahr 2016 insgesamt 21 Projekte mit Konsortialführung zugesprochen worden. Zehn Projekte widmen sich der Entwicklung neuer Versorgungsformen, elf Vorhaben sind im Bereich Versorgungsforschung angesiedelt. An weiteren 20 Forschungsprojekten ist die Charité beteiligt.

„Mit den neuen Projekten des Innovationsfonds erfährt die Versorgungsforschung an der Charité einen weiteren Zugewinn. Wir werden auch diesen Schwung nutzen, um das Wissenschaftsprofil der Charité zukünftig mit einem Leuchtturm Versorgungsforschung zu ergänzen“, sagt Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft und Sprecherin der „Plattform – Charité Versorgungsforschung“. Das Fördervolumen der neuen Förderperiode beläuft sich an der Charité auf rund 25 Millionen Euro, Mittel der Konsortialpartner eingeschlossen. Im Verlauf des Jahres 2020 werden die Forschungsvorhaben ihre Arbeiten aufnehmen.

APU Abdominal Pain Unit (Neue Versorgungsformen)
Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Versorgung von Patienten, die mit akuten Bauchschmerzen in eine Notaufnahme kommen, aber kein Trauma erlitten haben. Es handelt sich um etwa zehn Prozent aller Vorstellungen, rund fünf Prozent der Patienten mit diesem Leitsymptom versterben im Krankenhaus. Ein bereits entwickelter Versorgungspfad soll in Form einer App für den Einsatz in der Notaufnahme umgesetzt werden. Eine verbesserte Ressourcennutzung, schnellere Diagnostik und Therapie, Vermeidung von Schmerzen und letztlich eine höhere Patientenzufriedenheit sollen erreicht werden.
Projektleitung: Prof. Dr. Martin Möckel, Ärztlicher Leiter Notfall- und Akutmedizin, Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum

ConneCT CF (Neue Versorgungsformen)
Bei diesem Ansatz geht es darum, die Langzeitbehandlung von Patienten mit Mukoviszidose zu verbessern. Weniger Phasen akuter Verschlechterung, weniger Krankenhausaufenthalte und somit eine Verbesserung der Lebensqualität sind das Ziel. Es soll erreicht werden, indem Patienten ihre Therapie konsequenter verfolgen. Hierzu sollen sie telemedizinisch angebunden werden. Sie erhalten einerseits ein Coaching, andererseits soll die Lungenfunktion regelmäßig überwacht werden. Bei Verschlechterung kann der Arzt dann kurzfristig eingreifen.
Projektleitung: Prof. Dr. Marcus A. Mall, Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin, Campus Virchow-Klinikum

PRO B – PROM (Neue Versorgungsformen)
Das Vorhaben setzt einen international bereits weit entwickelten wissenschaftlichen Trend zur webbasierten, strukturierten, direkten Abfrage und Dokumentation krankheitsbezogener Beschwerden von Patientinnen zur Therapieverbesserung in Deutschland um. Die Nutzung der erhobenen Daten soll zur Verbesserung der Lebensqualität der an metastasiertem Brustkrebs erkrankten Patientinnen durch eine zielgerichtete Therapieumstellung durch frühzeitiges Erkennen von Symptomen aufgrund des intensivierten Monitorings der Patient Reported Outcomes (PRO) führen. Dies wird durch zwei Studienarme mit unterschiedlichen Monitoring-Interventionen begleitend evaluiert.
Projektleitung: Dr. Maria Margarete Karsten, Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum der Charité, Campus Charité Mitte

Survivorship Clinic (Neue Versorgungsformen)
An der Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie am Campus Virchow-Klinikum wird die deutschlandweit erste Sprechstunde für Langzeitüberlebende mit und nach gynäkologischer Tumorerkrankung, darunter Eierstock-, Eileiter-, Bauchfell-, Gebärmutterhals- und Gebärmutterkörperkrebs, etabliert werden. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität und des Gesundheitszustandes durch möglichst frühzeitige Diagnostik und Therapie von Langzeitnebenwirkungen, beispielsweise Fatigue, sowie eine präventive Beratung zu Ernährung, Bewegung und Lebensstil.
Projektleitung: Dr. Hannah Woopen, Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie, Campus Virchow-Klinikum

SIMPATI (Versorgungsforschung)
Mit diesem Projekt soll die Erfassung, Übermittlung, Auswertung und Berichterstattung von Krankenhausinfektionen im Bereich der außerklinischen Intensivpflege, wie beispielsweise der Pflege von Heimbeatmungspatienten, eingeführt werden. Pflegedienste sollen somit in die Lage versetzt werden, ihre Situation hinsichtlich Problemkeimen und Infektionshäufigkeiten zu erkennen, mit anderen Pflegediensten zu vergleichen, und darauf aufbauend ein modernes Hygienemanagement aufzubauen.
Projektleitung: Prof. Dr. Christine Geffers, Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Campus Benjamin Franklin

MOVEBASE (Versorgungsforschung)
Patienten, die an neurologischen Bewegungsstörungen leiden, wie beispielsweise Morbus Parkinson, sollen über ein Handy sowohl wahrgenommene Symptome (PROs) eingeben, als auch Sensordaten. Damit sollen automatisiert Merkmale identifiziert werden, die für eine klinische Verschlechterung der Symptomatik sprechen. Die Studienteilnehmer sollen so deutlich bedarfsgerechter versorgt werden.
Projektleitung: Prof. Dr. Andrea A. Kühn, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation, Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum

Innovationsfonds
Die Bundesregierung hat zur qualitativen Weiterentwicklung der Krankenversorgung in Deutschland einen Innovationsfonds aufgelegt. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) legt die Schwerpunkte und Kriterien zur Vergabe der Mittel fest und entscheidet über die eingegangenen Anträge auf Förderung. Die zur Verfügung stehende Fördersumme beträgt in den Jahren 2016 bis 2019 jeweils 300 Millionen Euro. Davon sind 225 Millionen Euro für die Förderung neuer Versorgungsformen und 75 Millionen Euro für die Versorgungsforschung vorgesehen. Der Innovationsfonds soll mit einer Ausstattung von 200 Millionen Euro pro Jahr bis zum Jahr 2024 fortgeführt werden, bei einer Weiterentwicklung des Förderverfahrens. Zudem soll ein Verfahren zur Überführung erfolgreicher Ansätze aus Projekten in die Regelversorgung geschaffen werden. Die Mittel des Fonds werden von den gesetzlichen Krankenkassen und aus dem Gesundheitsfonds getragen.

Links

Projekte aus dem Innovationsfonds an der Charité

Innovationsfonds des G-BA

Kontakt

Manuela Zingl
Unternehmenssprecherin
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400



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