Pressemitteilung

09.11.2012

„Den ersten Schritt gemeinsam machen“

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Stadtteilmütter erfolgreich in der Begleitung von Familien

Der Einsatz von Stadtteilmüttern in sozial belasteten Quartieren schafft Zugänge zu Familien, die über andere Wege kaum erreicht werden und kann Veränderung in diesen Familien bewirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die unter der Leitung von Prof. Ulrike Maschewsky-Schneider an der Berlin School of Public Health der CharitéUniversitätsmedizin Berlin durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Auswertung wurden heute im Rahmen eines Pressegesprächs vorgestellt.

In Berlin-Kreuzberg werden seit 2008 Stadtteilmütter beim Projektträger tam des Diakonischen Werks Berlin-Stadtmitte zu Themen rund um Erziehung und Gesundheit geschult. Als Multiplikatorinnen sollen sie ihr neu erworbenes Wissen an Familien in der Region Südliche Friedrichstadt weitergeben und ihnen Zugang zum professionellen Förder- und Hilfesystem bahnen. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Evaluationsstudie begleitete das Projekt von 2008 bis 2011.

Im Ergebnis zeigt sich, dass 67 Frauen aus dem Quartier für die Schulung zur Stadtteilmutter gewonnen werden konnten. Es ist ihnen gelungen, 118 Familien über Hausbesuche und 191 Familien über Einzelkontakte zu erreichen. Dabei handelt es sich meist um stark belastete Familien, deren Situation durch weitgehende Abhängigkeit von Transferleistungen und oft durch krisenhafte Konstellationen wie Trennung oder Scheidung, drohenden Wohnungsverlust oder Überschuldung gekennzeichnet ist.

Bei den Hausbesuchen ist es den Stadtteilmüttern durch Empathie und vielfältige praktische Unterstützung gelungen, das Vertrauen der Frauen zu gewinnen. Dadurch konnten sie vielen Frauen Wissen vermitteln und sie erfolgreich an Angebote im Bereich Bildung, Freizeit und Sport, Beratung und Therapie ebenso wie an Leistungen des Jugendamts heranführen. „Wenn man behilflich ist und den ersten Schritt gemeinsam macht, dann gehen sie nachher auch alleine“, so eine Stadtteilmutter. In der Folge berichten 44 Frauen, die befragt werden konnten, über eigene positive Veränderungen. Den größten Erkenntnisgewinn verzeichnen sie bei den Themen Kindesentwicklung, Spielen, Erziehungsprobleme und Trennung/Scheidung. Sie berichten über eine verbesserte Erziehungskompetenz, die sich in mehr Zuwendung, aber auch mehr Konsequenz und in verbesserten Beziehungen zu ihren Kindern äußert.

Zusammenfassend stellt Prof. Maschewsky-Schneider fest: „Es hat sich gezeigt, dass es den Stadtteilmüttern gelingt, besonders belastete und als schwer erreichbar geltende Familien wirksam zu erreichen. Für die frühe Förderung von Kindern sind solche Ansätze unverzichtbar. Für ihre Nachhaltigkeit ist Kontinuität und ein gesicherter finanzieller Rahmen erforderlich.“

Kontakt

Regina Stolzenberg
Berlin School of Public Health
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 170 933 1617



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