Pressemitteilung

15.11.2016

Curt Meyer-Gedächtnispreis für Charité-Wissenschaftler

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Tumorimmunologe Matthias Leisegang ausgezeichnet

(v.l.n.r.) Prof. Dr. Clemens A. Schmitt (Vorstandsmitglied Berliner Krebsgesellschaft), Prof. Dr. Petra Feyer (Vorstandsvorsitzende Berliner Krebsgesellschaft), Dr. Matthias Leisegang (Charité), Dr. Kristina Zappel (Geschäftsführerin Berliner Krebsgesellschaft), © Konstantin Gastmann

Für seine Forschungsarbeiten zur Analyse von Krebsmutationen als Ziel der adoptiven T-Zelltherapie erhält Dr. Matthias Leisegang den diesjährigen Curt Meyer-Gedächtnispreis. Auf Grundlage seiner Arbeiten kann eine zelluläre Immuntherapie entwickelt werden, die auf den einzelnen Patienten zugeschnitten ist und mit hoher Spezifität Krebs bekämpft. Der mit 10.000 Euro dotierte Curt Meyer-Gedächtnispreis wird jährlich von der Berliner Krebsgesellschaft für exzellente Forschungsleistung auf dem Gebiet der Krebsforschung vergeben.

Prof. Dr. Clemens A. Schmitt, Vorstandsmitglied der Berliner Krebsgesellschaft und Direktor des Molekularen Krebsforschungszentrums der Charité – Universitätsmedizin Berlin sagte in seiner Laudatio: „Matthias Leisegang konnte am Tiermodell zeigen, dass therapeutische T-Zellen auf eine individuell ausgewählte Mutation ausgerichtet und mit einer enormen Treffsicherheit den Tumor zersetzen können.“ Er fügte hinzu: „Die neuartige Technologie der Gentherapie mit T-Zellrezeptoren ist weltweit führend und für den Forschungsstandort Berlin ein enormer Gewinn.“

Schon in seiner Diplom- und Doktorarbeit hat Matthias Leisegang nach Wegen zur Bekämpfung von Krebs mit Hilfe des Immunsystems gesucht. Seit 2005 beschäftigt er sich mit T-Zellen, einer Gruppe weißer Blutkörperchen, die für die Abwehr von Krankheitserregern verantwortlich sind. Ihre Fähigkeit, unter Milliarden von Molekülen mithilfe eines T-Zellrezeptors diejenigen zu identifizieren, die von Krankheitserregern und potentiell auch von Tumoren stammen, machen diese Zellen für die Krebsforschung so interessant. Gemeinsam mit seinen Kollegen arbeitet der Wissenschaftler deshalb an der Idee, T-Zellen gezielt auf Krebszellen auszurichten und ihr Potenzial für die Zerstörung von Tumoren zu nutzen.

Dr. Matthias Leisegang und der Tumorimmunologe Prof. Dr. Hans Schreiber, Einstein Visiting Fellow an der Charité und Leiter der Arbeitsgruppe, verfolgen dabei den Ansatz, die T-Zellen auf mutierte Proteine in Krebszellen auszurichten. Sie stützen sich auf den von Schreiber 1995 erbrachten Nachweis, dass aus somatischen Mutationen einzigartige Antigene hervorgehen, die nur in Tumoren zu finden sind. Aus dieser Erkenntnis folgerten die Forscher, dass Mutationsantigene als Zielstrukturen für eine Therapie mit genetisch modifizierten T-Zellen besonders geeignet sind. Den Beweis darüber erbrachte Leisegang 2015. Er unternahm erstmals den Versuch, menschliche Mutationen in einem Tiermodell als Angriffsziel anzusteuern.

„Unsere Versuche haben gezeigt, dass eine Krebsmutation ein geeignetes Angriffsziel für die T-Zelltherapie sein kann. Eine einzige Veränderung im genetischen Erbgut kann zur Achillesferse eines Tumors werden, wenn wir es schaffen, diese Erbgutänderung zu identifizieren und T-Zellen auf sie auszurichten. Allerdings eignet sich nicht jede Mutation für einen gezielten Angriff, das wissen wir nun auch. Es bleibt daher nach wie vor eine zentrale Aufgabe, gute Angriffsziele zu identifizieren”, erklärt Dr. Leisegang das Ergebnis. Bisher kann nur eine Analyse im Mausmodell verlässlich darüber Aufschluss geben, ob ein Antigen als Ziel für T-Zellen geeignet ist. In diesem Verfahren sieht Leisegang derzeit die überzeugendste Methode, um das Ergebnis einer klinischen Anwendung vorauszusagen. Zeitgleich arbeitet er an Testverfahren, die es ermöglichen sollen, die Tierexperimente durch aussagekräftige Versuche in der Zellkulturschale zu ersetzen.

Der Preisträger
Dr. Matthias Leisegang hat an der Humboldt Universität zu Berlin Biologie studiert. Dort promovierte er 2011 mit einer Arbeit zur „Herstellung und Spezifität von T-Zellrezeptor-modifizierten T-Zellen“. Er fertigte Teile der ausgezeichneten Arbeit am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) an und kooperierte dafür mit Kollegen von der CharitéUniversitätsmedizin Berlin, dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) und der Universität von Chicago.

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Charité Campus Buch
Charité – Universitätsmedizin Berlin



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