Pressemitteilung

22.10.2012

Charité unterhält spezielle Tagesklinik für Flüchtlinge

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Fünf Jahre erfolgreicher Kooperation mit Behandlungszentrum

Flüchtlinge, die aufgrund erlittener Folter oder nach Kriegs- und Fluchterlebnissen psychisch traumatisiert sind, brauchen ein speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes, kulturell angepasstes Behandlungsangebot. Aus dieser Leitidee des heute vor 20 Jahren in Berlin gegründeten Behandlungszentrums für Folteropfer (bzfo) entstand auch eine in Deutschland einmalige Kooperation mit der CharitéUniversitätsmedizin Berlin.

Seit dem Jahr 2008 unterhält die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte in Kooperation mit dem bzfo eine Tagesklinik mit sieben Plätzen in der Moabiter Turmstraße. Hier werden Patienten aufgenommen, bei denen die Schwere der psychischen Erkrankung die Möglichkeiten des ambulanten Behandlungszentrums übersteigt. „Viele dieser Patienten entwickeln Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung und ziehen sich oft völlig von ihrer Umgebung zurück“, erklärt der Direktor der Klinik, Prof. Andreas Heinz. Die Behandlung sei oft sehr langwierig und werde durch den vielfach fehlenden Kontakt zur Familie und ein Angst erzeugendes Asylverfahren noch zusätzlich erschwert. „Eine bis zwei Stunden Therapie pro Woche reichen da nicht mehr aus.“

Die Charité übernahm das Projekt von dem früheren Kooperationspartner des bzfo, der Schlosspark-Klinik, im Jahr 2008. „Die Tagesklinik ist ständig überbelegt“, berichtet der ärztliche Leiter Dr. Ferdinand Haenel. „Wir könnten die Zahl der Plätze gut und gerne verdoppeln.“ In den vergangenen Jahren wurden rund 200  Flüchtlinge therapiert. Sie kommen meist aus den Staaten des Kaukasus, dem Iran, der Türkei, dem Libanon und dem Balkan. Die Dauer der tagesklinischen Behandlung schwankt zwischen sechs Monaten und einem guten Jahr.  „Ein großes Problem ist die Nachsorge. Es gibt in Berlin wenig ambulante Behandlungsmöglichkeiten bei niedergelassenen Psychiatern. Hier hilft die gute Zusammenarbeit mit der psychiatrischen Institutsambulanz der Charité“, erklärt Dr. Haenel.

Aus Anlass des 20jährigen Bestehens veranstaltet das Behandlungszentrum für Folteropfer am Dienstag, den 23.10. einen Diskussionsabend unter der Moderation des ZDF-Nahostexperten Ulrich Kienzle. Themen sind unter anderem die Folter im 21. Jahrhundert und neue Tendenzen der Therapie. Der Abend beginnt um 18 Uhr und findet im Ludwig-Ehrhard-Haus der Industrie- und Handelskammer Berlin, Fasanenstr. 85, 10623 Berlin, statt. Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen.

Links

Spenden für das Behandlungszentrum sind online möglich unter Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.bzfo.de/spenden/helfen.html

Kontakt

Prof. Andreas Heinz
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 517 001



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