Pressemitteilung

06.03.2008

Charité leitet EU-weites Schlaganfallnetzwerk ARISE

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Gezielte Kühlung des Gehirns mindert die Schädigung

Die Charité - Universitätsmedizin Berlin übernimmt ab sofort die Leitung des länderübergreifenden Konsortiums zur Schlaganfallforschung „Affording Recovery in Stroke“ (ARISE). Es ist neben „Eustroke“ in Mannheim eines von zwei Großprojekten, die die Europäische Union mit insgesamt 22 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren fördert.

Die Charité - Universitätsmedizin Berlin übernimmt ab sofort die Leitung des länderübergreifenden Konsortiums zur Schlaganfallforschung „Affording Recovery in Stroke“ (ARISE). Es ist neben „Eustroke“ in Mannheim eines von zwei Großprojekten, die die Europäische Union mit insgesamt 22 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren fördert. Gemeinsam bilden sie im „European Stroke Network“ das bislang größte Forschungsnetzwerk Europas. An ARISE beteiligen sich Kliniken, Institute und Unternehmen aus zehn europäischen Ländern, darunter Finnland, Schweden und Polen. „Die länderübergreifende Zusammenarbeit bietet ganz entscheidende Vorteile“, berichtet Prof. Ulrich Dirnagl von der Abteilung für Experimentelle Neurologie. „So können wir Studien an verschiedenen Standorten durchführen und ausschließen, dass etwa bestimmte ortsgebundene Faktoren die Ergebnisse beeinflussen.“ Auch Betroffenenverbände sind integriert: Sie können so neueste Erkenntnisse direkt weiterleiten, aber auch auf eigene Bedürfnisse hinweisen.

Ein Beispiel für die Schlagkraft der Kooperation ist eine neue Akutbehandlungsmethode bei Schlaganfall, die in Kürze an der Charité getestet wird: Dabei geht es um ein Verfahren, bei dem das Gehirn um zwei Grad abgekühlt wird. Das bewirkt, dass sich der geschädigte Bereich im Hirn nach einem Schlaganfall möglichst wenig ausbreitet. Derzeit wird noch der gesamte Körper heruntergekühlt, was für den Patienten ohne Narkose nicht zu ertragen ist. Bei der neuen Methode wird über einen dünnen Schlauch, der durch die Nase eingeführt wird, und durch den eiskalte Flüssigkeit fließt, ausschließlich die Temperatur im Kopfbereich gesenkt. Eine Anästhesie bleibt dem Patienten erspart. Um die exakte Temperaturmessung im Gehirn ohne Eingriff vorzunehmen, bedarf es des Einsatzes eines besonderen Hochfeldmagnet-Tomographen. „Die Charité ist in Deutschland der einzige Standort, bei dem es so ein Gerät in der Stroke Unit gibt“, sagt Prof. Dirnagl. „Unsere Ergebnisse stellen wir jedoch allen Partner zur Verfügung. Diese können die Methode dann anwenden, ohne selbst über die Technologie verfügen zu müssen.“

Die Bandbreite der Forschungen vom Netzwerk ARISE reicht von der Grundlagenforschung über die Akutbehandlung bis hin zur Nachversorgung und Regeneration. So wird etwa untersucht werden, wie körpereigene Stoffe vom Menschen – aber zum Beispiel auch von Fledermäusen – das Gehirn schützen können: Im Speichel der Blutsauger gibt es ein Eiweiß, das Blutgerinnsel auflöst. Dieser Stoff könnte die Grundlage für ein neues Medikament sein. Es soll aber nicht nur der Schaden verhindert werden, der durch die Unterbrechung der Blutzufuhr des Gehirnes entsteht. Es geht auch um neue Ansätze, eine Wiederherstellung verlorener Hirnfunktion zu erreichen.

Vom 9. bis 10. März 2008 findet eine Kickoff-Veranstaltung statt, bei der alle Beteiligten zusammenkommen und die nächsten Schritte planen. Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen. Informationen zum Ablauf erteilt Prof. Dirnagl.

Kontakt

Prof. Ulrich Dirnagl

Charité - Universitätsmedizin Berlin

Abteilung für Experimentelle Neurologie

t: +49 30 450 560 134



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