Pressemitteilung

24.06.2010

Charité gibt Startschuss für Modellstudiengang

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Praxisnähe und Wissenschaftlichkeit stehen im Mittelpunkt

Zum Wintersemester 2010/11 beginnt an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin der neue Modellstudiengang Medizin. Er wird den Berliner Studierenden der Humanmedizin eine Symbiose zwischen Praxisnähe und Wissenschaftlichkeit bieten. Die Aufteilung des Lehrstoffs in herkömmliche medizinische Fachgebiete wird aufgelöst zugunsten eines patientenorientierten integrativen Konzepts. In vierwöchigen fächerübergreifenden Abschnitten, Module genannt, lernen die Studierenden von Beginn an im Kontakt mit Patienten Krankheiten kennen, geordnet nach Organsystemen, übergeordneten Entstehungsmechanismen und Lebensabschnitten, in denen sie auftreten. Die Medizinstudierenden sollen aber nicht nur vom frühen Patientenkontakt profitieren, sondern auch schon zu Beginn ihrer Ausbildung an die Forschung herangeführt werden. Der Einstieg in die Forschung erfolgt bereits ab dem zweiten Semester durch Wissenschaftsmodule und Forschungspraktika. „Eine frühe Weichenstellung für die spätere Wissenschaftskarriere ist uns sehr wichtig“, erklärt die Dekanin der Charité, Prof. Annette Grüters-Kieslich.

Wer den Modellstudiengang Medizin an der Charité absolviert, lernt die Techniken der ärztlichen Gesprächsführung von der Pike auf kennen. Soziale und kommunikative Kompetenzen sind vom ersten bis zum letzten Semester Teil des Lehrplans. So sollen die Studierenden befähigt werden, professionelle Fertigkeiten und Haltungen für das ärztliche Berufsleben zu entwickeln. Prof. Manfred Gross, Prodekan für Studium und Lehre, sieht in der innovativen Struktur des Curriculums „eine wegweisende Neuausrichtung des Medizinstudiums in Deutschland“. „Wir vermitteln von Anfang an klinische Inhalte, während die Grundlagenfächer wie Anatomie und Physiologie die Studierenden bis zum letzten Examen begleiten.“ Damit gehören die viersemestrige „Paukphase“ und das sogenannte Physikum der Vergangenheit an, die Studierende bislang durchlaufen müssen, ehe sie zum ersten Mal einen Patienten sehen.

An der Entwicklung des Modellstudiengangs war die gesamte Fakultät der Charité beteiligt. Die Studierenden agierten als aktive Mitgestalter der Reform. „Die Fakultät hat unsere Vorschläge während des ganzen Prozesses aufgenommen und integriert“, erklärt Oliver Wendt, Medizinstudent der Charité. Das Konzept fußt auf den Erfahrungen des „Reformstudiengangs Medizin“, den die Charité 1999 als erste Medizinische Fakultät in Deutschland ins Leben rief. Der damalige Dekan Prof. Dieter Scheffner, geistiger Vater der Studienreform an der Charité, griff die weit verbreitete Kritik an der Stofffülle und Theorielastigkeit des Studiums auf. Er legte im Reformstudiengang Wert auf praktische Fertigkeiten und die Kunst der ärztlichen Gesprächsführung. Aufgrund des Modellcharakters wurden jedoch nur 63 Studierende pro Jahr eingeschrieben.

Diese Regelung gehört nun der Vergangenheit an. Ab dem Wintersemester studieren alle Erstsemester im Modellstudiengang. Damit werden der traditionelle Regelstudiengang und der Reformstudiengang schrittweise auslaufen. „Wir übernehmen aber die positiven Elemente beider Ausbildungswege“, betont Prof. Gross. Zu diesen Errungenschaften zählen der im Regelstudiengang praktizierte Unterricht am Krankenbett in kleinen Gruppen oder die Kurse „Kommunikation, Interaktion & Teamarbeit“ aus dem Reformstudiengang.

Die Charité wird den neuen Studiengang von Beginn an auch wissenschaftlich begleiten. Das dafür von der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung ausgezeichnete Fachzentrum für medizinische Hochschullehre und evidenzbasierte Ausbildungsforschung trägt den Namen des im vergangenen Jahr verstorbenen Reformpioniers Dieter Scheffner. Die Dekanin Prof. Grüters-Kieslich ist überzeugt, dass alle Medizinischen Fakultäten in Deutschland von der Arbeit dieses Zentrums profitieren können. „Die Wissenschaftler dort evaluieren die praxisnahen Lehrkonzepte, die unserer Ansicht nach das Medizinstudium in den nächsten Jahrzehnten prägen werden.“

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Kontakt

Prof. Manfred Gross
Prodekan für Studium und Lehre
Charité Campus Mitte
t: +49 30 450 555 401



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