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Pressemitteilung

29.09.2021

Charité gedenkt Otto Prokops zum 100. Geburtstag

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Feierstunde und Sonderausstellung in ehemaligem Institut

Feierstunde mit geladenen Gästen zum 100. Geburtstag. Foto: Wiebke Peitz/Charité
Feierstunde mit geladenen Gästen zum 100. Geburtstag. Foto: Wiebke Peitz/Charité
Schüler und Nachfolger als Institutsdirektor Prof. Dr. Gunther Geserick (rechts). Foto: Wiebke Peitz/Charité
Schüler und Nachfolger als Institutsdirektor Prof. Dr. Gunther Geserick (rechts). Foto: Wiebke Peitz/Charité
Prokop-Ausstellung im ehemaligen Institut für Gerichtsmedizin. Das Gebäude gehört inzwischen zur Humboldt-Universität und beherbergt das Institut für Katholische Theologie sowie das Berliner Institut für Islamische Theologie. Es wird derzeit aufwendig saniert. Foto: Wiebke Peitz/Charité
Prokop-Ausstellung im ehemaligen Institut für Gerichtsmedizin. Das Gebäude gehört inzwischen zur Humboldt-Universität und beherbergt das Institut für Katholische Theologie sowie das Berliner Institut für Islamische Theologie. Es wird derzeit aufwendig saniert. Foto: Wiebke Peitz/Charité
Das Institut für Gerichtsmedizin in der Hannoverschen Straße 6 in den 1980er Jahren. Foto: Archiv des Instituts für Rechtsmedizin der Charité.
Das Institut für Gerichtsmedizin in der Hannoverschen Straße 6 in den 1980er Jahren. Foto: Archiv des Instituts für Rechtsmedizin der Charité.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Otto Prokop hat die Charité heute  des international renommierten Rechtsmediziners und Direktors des Instituts für Gerichtliche Medizin gedacht. Im Rahmen der Feierstunde in seinem ehemaligen Institutsgebäude wurde dort zudem die Ausstellung „Sezierte Wahrheiten“ über den Gerichtsmediziner und sein Institut im geteilten Berlin eröffnet.  

Otto Prokop wurde am 29. September 1921 in St. Pölten geboren. Er prägte wie kein zweiter das Gesicht der Charité und gehört zu den herausragenden Gerichtsmedizinern des 20. Jahrhunderts. Als österreichischer Staatsbürger nahm er 1957 einen Ruf an das renommierte Universitätsklinikum in der Hauptstadt der DDR und auf den ältesten Lehrstuhl seines Faches in Deutschland an. Als Mitglied der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin verschaffte er der Berliner Gerichtsmedizin deutschlandweit und international große Anerkennung.   

Als engagierter Serologe und Blutgruppenforscher entwickelte Prokop eine Reihe forensischer Nachweismethoden zur Unterstützung polizeilicher Ermittlungen bei unklaren Todesumständen. Zudem eröffneten seine wissenschaftlichen Erkenntnisse auch neue Möglichkeiten bei allgemeinen Rechtsfragen, wie beispielsweise zur Klärung von Vaterschaften. Mit mehr als 1.000 Publikationen zur Blutgruppenserologie, zur forensischen Pathologie und zur Traumatologie hat Prokop eine herausragende Produktivität bewiesen und sein “Atlas der gerichtlichen Medizin” wurde zu einem Standardwerk. Otto Prokop erhielt für seine wissenschaftlichen Leistungen zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen und Ehrungen und war Mitglied der Leopoldina.  
 
„Seinen ‚Wiener Charme‘ und die österreichische Staatsbürgerschaft behält Otto Prokop zeitlebens. Er besitzt also zwei Pässe und kann auch nach dem Mauerbau relativ unproblematisch reisen. So hält er auch weiterhin enge Kontakte mit den wissenschaftlichen Kollegen – auch im sogenannten kapitalistischen Ausland“, erklärt Prof. Dr. Thomas Schnalke, Medizinhistoriker und Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité

Während seiner dreißigjährigen Amtszeit führte Otto Prokop mit seinem Team nahezu 34.000 forensische Sektionen durch, analysierte Todesursachen mit naturwissenschaftlichem Blick und protokollierte sie. Auch im Ruhestand blieb er der Charité eng verbunden und arbeitete noch viele Jahre im “Emeritus-Zimmer” des Instituts in der Hannoversche Straße 6. Nach der deutschen Wiedervereinigung war Prokops Expertenwissen weiterhin in Kommissionen und Ausschüssen des Landes Berlin gefragt. In den Mauerschützenprozessen wurden seine damaligen Obduktionsberichte herangezogen.  

„Im Spannungsfeld des Kalten Kriegs hatten er und sein Team auch mehrere ‚Mauertote‘ seziert, was ihn beruflich in die Nähe zur Staatsgewalt brachte. Politisch hielt Prokop Distanz, trug aber loyal die gesellschaftlichen Verhältnisse mit. Haltlose Anschuldigungen nach der Wiedervereinigung, er hätte Falsch- oder Gefälligkeitsgutachten erstellt, trafen ihn, der gutachterliche und politische Unabhängigkeit als Maxime lebte, am Ende persönlich schwer“, betont Privatdozent Dr. Sven Hartwig, Leiter der Abteilung Forensische Toxikologie des Instituts für Rechtsmedizin der Charité.

Ausstellung „Sezierte Wahrheiten. Otto Prokop und sein Institut für Gerichtliche Medizin im geteilten Berlin“ 
Die Sonderausstellung knüpft an die dritte Staffel der historischen ARD-Serie „Charité“ an und zeichnet ein breit angelegtes Persönlichkeitsprofil. In fünf Kapiteln folgt sie dem ungewöhnlichen Lebensweg des Forensikers, Blutgruppenforschers und Serologen. Erinnert wird an wichtige Fälle aus seiner gerichtsmedizinischen Praxis, die belegen, wie entscheidend für Prokop gut dokumentierte Befunde vom Tatort, rationale Beobachtungen am Leichnam und sorgfältig ermittelte Ergebnisse aus dem Labor waren. Vor den jeweiligen zeithistorischen Hintergründen leuchtet die Ausstellung gleichzeitig sein berufliches Umfeld aus. Als Forscher und Wissenschaftsorganisator sowie Gutachter und Autor war Prokop ein international gefragter Experte. Darüber hinaus bezog der charismatische Redner in seinen gut besuchten Sonntagsvorlesungen Position gegen medizinische Paraphänomene und Okkultismus. 
Die Ausstellung wurde vom Institut für Rechtsmedizin, vom Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin und dem Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité konzipiert und umgesetzt.

Online-Einblicke in die Ausstellung und digitaler Katalog
Die Ausstellung ist derzeit coronabedingt nur sehr eingeschränkt zugänglich – alternativ erhalten Sie auf der Charité-Themenseite einige digitale Einblicke. https://www.charite.de/die_charite/themen/otto_prokop_und_sein_institut_fuer_gerichtliche_medizin_im_geteilten_berlin/

Katalog zur Ausstellung
Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen: Sven Hartwig, Rainer Herrn, Sandra Kny und Thomas Schnalke: Sezierte Wahrheiten. Otto Prokop und sein Institut für Gerichtliche Medizin im geteilten Berlin (Schutzgebühr inkl. Versandkosten 6 Euro, zu beziehen über das Berliner Medizinhistorische Museum unter bmm(at)charite.de).


Kurzlebenslauf
* 29. September 1921 in St. Pölten;   † 20. Januar 2009 in Ottendorf (bei Kiel)
Otto Prokop wurde 1921 in St. Pölten/Österreich geboren und studierte nach der Maturaprüfung Medizin in Salzburg, Wien und Bonn. Dort folgten 1948 die Promotion und 1953 die Habilitation für Gerichtliche Medizin. Während zahlreiche Mediziner zu Beginn der 1950er Jahre die DDR gen Westen verließen, folgte Prokop als Österreicher 1956 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Gerichtliche Medizin der Humboldt-Universität zu Berlin und war zugleich bis 1987 Direktor des Instituts für Gerichtliche Medizin der Charité. Otto Prokop war verheiratet und hatte zwei Kinder. Am 20. Januar 2009 starb der Gerichtsmediziner im Alter von 87 Jahren. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin und ist seit 2018 als Ehrengrab der Stadt Berlin ausgewiesen.

Downloads

Links

Charité-Themenseiten zur Ausstellung
https://www.charite.de/die_charite/themen/sonderausstellung_zu_otto_prokop_und_sein_institut_fuer_gerichtliche_medizin_im_geteilten_berlin/

https://www.charite.de/die_charite/themen/otto_prokop_und_sein_institut_fuer_gerichtliche_medizin_im_geteilten_berlin/

Weiterführende Informationen:
Dritte Staffel der ARD-Serie „Charité“ 
Alle sechs Folgen sind noch bis 16. Februar 2022 in der ARD-Mediathek zu sehen. 

Themenseite der Charité zur ARD-Serie

Die MDR-Doku „Der Tod war sein Leben: DDR-Gerichtsmediziner Otto Prokop“ ist noch bis 14. Januar 2022 in der ARD-Mediathek abrufbar.

Kontakt

Privatdozent Dr. Sven Hartwig
Leiter der Abteilung Forensische Toxikologie 
Institut für Rechtsmedizin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 525 388


Prof. Dr. Thomas Schnalke
Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 536 077
  



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