Pressemitteilung

17.08.2010

Charité entwickelt Therapie gegen Erdnussallergie

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Neue Behandlung soll lebensbedrohlichen Reaktionen vorbeugen

Wissenschaftler der CharitéUniversitätsmedizin Berlin haben eine Möglichkeit gefunden, Erdnussallergiker unter strenger medizinischer Aufsicht zu desensibilisieren. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Allergy and Clinical Immunology“* berichtet die Forschergruppe unter der Leitung von Privatdozentin Dr. Kirsten Beyer von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie am Campus Virchow-Klinikum über die Ergebnisse ihrer Pilotstudie zur Oralen Immuntherapie bei Kindern mit Erdnussallergie.

Die Projektgruppe um Dr. Beyer und Dr. Katharina Blümchen behandelte insgesamt dreiundzwanzig Kinder. Unter strengster medizinischer Aufsicht unterzogen sich die Drei- bis Vierzehnjährigen der Oralen Immuntherapie. Sie erhielten über einen mehrmonatigen Zeitraum kleinste Mengen Erdnuss vermischt mit anderer Nahrung. Die erste Gabe in Höhe von zehn Milligramm und jede weitere Steigerung der Dosis wurden in der Allergologischen Ambulanz der Klinik im Beisein eines Arztes verabreicht. Wenn die Kinder nach zwei Stunden beschwerdefrei waren, konnten sie nach Hause gehen. Dort wurde die Dosis über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich unter Aufsicht einer Person mit Ausbildung in Erster Hilfe verabreicht, um bei auftretendem Allergieschock sofort handeln zu können. Wenn die Probanden die Dosis im Ganzen gut vertrugen, wurde diese weiter gesteigert. Ziel war es, fünfhundert Milligramm ohne Beschwerden zu sich nehmen zu können. Das entspricht etwa einer ganzen Erdnuss.

Nach sieben Monaten erreichten sechzig Prozent, also vierzehn der dreiundzwanzig Kinder, eine Toleranz gegenüber der angestrebten Dosis Erdnuss. Diese nehmen sie nun täglich zu sich. „Wenn Allergiker eine kleine Menge Erdnüsse tolerieren können, sind sie wesentlich besser vor einem allergischen Schock bei versehentlichem Genuss geschützt“, betont Dr. Blümchen. Vier Kinder beendeten die Studie aus persönlichen Gründen nicht. Ob die Desensibilisierung bei ihnen erfolgreich gewesen wäre, ist unklar. Ein Kind sprach auf die Therapie nur teilweise an, bei vier anderen musste die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen vorzeitig beendet werden.

Nahrungsmittelallergien sind bislang nicht behandelbar, die verantwortlichen Lebensmittel müssen strikt gemieden werden. Erdnussallergiker haben es aufgrund der Verbreitung von Erdnussspuren in verarbeiteter Nahrung besonders schwer. Die Nahrungsmittel sind oft ungenügend deklariert. So passiert es häufig, dass Allergiker diese Spuren ungewollt aufnehmen. Das kann zu schweren, sogar tödlichen Reaktionen führen.

Aufgrund der Schwere der Allergie darf die Orale Immuntherapie nur unter strengster ärztlicher Kontrolle durchgeführt und niemals allein ausprobiert werden. Nur ein erfahrener Arzt kann die Dosis individuell anpassen. Zudem benötigt man Präzisionswaagen, die wenige Milligramm abwiegen können. Letztendlich beeinflusst jede Immuntherapie das Immunsystem und es kann zu schweren Symptomen kommen. Dann muss schnell und kompetent reagiert werden.

„In derzeit laufenden Studien mit größeren Patientengruppen wollen wir das Nutzen-Risiko-Verhältnis noch umfassender klären“, verdeutlicht Dr. Blümchen. Des Weiteren soll erforscht werden, warum die Methode nicht bei allen Kindern wirkt. Ungeklärt ist gegenwärtig auch, ob die individuelle Höchstdosis ein Leben lang täglich eingenommen werden muss, um die erworbene Toleranz aufrecht zu erhalten.

*Katharina Blümchen, Kirsten Beyer et. al: Oral peanut immunotherapy in children with peanut anaphylaxis. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, Volume 126(1), July 2010, 83-91, doi: 10.1016/j.jaci.2010.04.030

Kontakt

Dr. Katharina Blümchen und PD Dr. Kirsten Beyer
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie
Campus Virchow-Klinikum
t: +49 30 450 566 037



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