Pressemitteilung

08.10.2012

Charité ehrt Ingeborg und Mitja Rapoport

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Festakt zum 100. Geburtstag

Mit einem akademischen Festakt zum 100. Geburtstag werden heute die Professoren Ingeborg (*1912) und Mitja Rapoport (1912 bis 2004) geehrt. Die gemeinsame Veranstaltung der CharitéUniversitätsmedizin Berlin und der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin würdigt die wissenschaftlichen Lebensleistungen des Ehepaars.

Die Kinderärztin Ingeborg Rapoport gilt als Begründerin der Neonatologie und hatte ab 1969 an der Charité den europaweit ersten Lehrstuhl für dieses Fachgebiet inne. Ingeborg Rapoport wurde 1912 in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun geboren und wuchs in Hamburg auf, wo sie auch Medizin studierte. Der Doktortitel wurde ihr infolge der Rassegesetze verweigert und sie musste 1938 emigrieren. In den USA arbeitete sie in verschiedenen Krankenhäusern und schloss ein Studium am Woman’s Medical College als Medical Doctor (MD) ab. Ingeborg Rapoport arbeitete am Johns Hopkins Children’s Hospital in Baltimore und wechselte 1944 an das Kinderkrankenhaus in Cincinnati. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Mitja Rapoport kennen. Mit dem in Galizien geborenen und in Wien aufgewachsenen Biochemiker und Mediziner bekam sie vier Kinder. 1943 entdeckte Mitja Rapoport das sogenannte ACD-Medium zur Stabilisierung von Blutkonserven. Für seine Leistungen erhielt er das Certificate of Merit, eine der höchsten Auszeichnungen der USA. Der überzeugte Kommunist geriet 1950 in das Visier des McCarthy-Untersuchungsausschusses. Die Rapoports flohen mit ihren Kindern nach Wien.

1952 nahm Mitja Rapoport den Ruf auf eine Professur für Physiologische Chemie an der Humboldt-Universität an und leitete das gleichnamige Institut. Rapoport wurde zum international bekanntesten Biochemiker der DDR. 1979 emeritiert, war er ab 1982 Vorsitzender des Komitees „Ärzte der DDR zur Verhütung eines Nuklearkrieges“. 1992 bis 1998 war er Präsident der Leibniz Sozietät und anschließend ihr Ehrenvorsitzender.

Ingeborg Rapoport arbeitete ab 1952 als Ärztin in Ostberlin und wurde 1959 habilitiert. Sie war ab 1964 zunächst Professorin für Pädiatrie und hatte ab 1969 den ersten europäischen Lehrstuhl für Neonatologie inne. An der Charité baute sie ab 1970 ein Perinatalzentrum auf. Zielstrebig entwickelte sie ihre Abteilung inhaltlich und strukturell mit dem Neuaufbau einer Station für Neugeborenen-Intensivtherapie und der Forschungsabteilung weiter. Zu ihren Verdiensten gehörte auch die Durchsetzung der translationalen Forschung in der Neonatologie und der Pädiatrie, das heißt, dass die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung möglichst schnell bei Patientinnen und Patienten angewendet werden sollen. Auch nach ihrer Emeritierung 1973 war Ingeborg Rapoport bis in die achtziger Jahre hinein wissenschaftlich tätig und engagierte sich in der Nachwuchsförderung. Für ihre Verdienste, die maßgeblich zur Senkung der Säuglingssterblichkeit in der DDR beigetragen haben, erhielt sie 1984 den Nationalpreis.

An dem akademischen Festakt sprechen neben Kindern, Freunden und Weggefährten auch Prof. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, und Prof. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität, sowie Prof. Dieter B. Herrmann, Altpräsident der Leibniz-Sozietät. In wissenschaftlichen Vorträgen geht es um die Schwerpunktthemen und die wissenschaftlichen Verdienste der beiden Spitzenwissenschaftler Ingeborg und Mitja Rapoport.

Kontakt

Stefanie Winde
Leiterin der Unternehmenskommunikation
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400



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