Pressemitteilung

26.04.2012

Aya Ben Ron: A VOYAGE TO CYTHERA

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Neue Ausstellung im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité

Das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité zeigt in der Reihe Interventionen die Ausstellung A VOYAGE TO CYTHERA von Aya Ben Ron. Das Ausstellungsprojekt der 1967 in Haifa geborenen Künstlerin zielt auf eine radikale Intervention in die Sammlung des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité ab: Gefasst von einer Soundinstallation sowie Texten und Gedichten der Künstlerin wird eine Serie großformatiger Arbeiten und Videoinstallationen in die Dauerausstellung des Museums integriert. Darin setzt sich die Künstlerin im Speziellen mit Grenzerfahrungen von Patientinnen und Patienten im Krankenhaus, aber vor allem auch mit Status und Würde der im Museum ausgestellten Präparate auseinander.

Thema des nach dem Gedicht von Charles Baudelaire benannten Projekts sind Wahrnehmung und Darstellung des Körpers in Kunst und Medizin, wobei Ben Ron die kategorische Grenze zwischen den Disziplinen bewusst verwischt und überwindet. Das Pathologische wird in Ben Rons Werk dennoch nicht ästhetisiert, und auch einer emotionalen Deutung verweigern sich die graphisch reduzierten Arbeiten trotz der inhaltlichen Allgegenwärtigkeit von Tod und Schmerz. Mit emotionaler Distanz, aber auch mit einem wörtlich zu nehmenden Galgenhumor hinterfragt Aya Ben Ron den medizinischen Alltag in sozialgeschichtlichem Kontext.

Aya Ben Rons Werk nimmt den Betrachter mit auf eine Reise, die in Anlehnung an die Reise Baudelaires auf Darstellungen des menschlichen Körpers in der westlichen Kultur fokussiert ist, im Besonderen auf die Darstellung von Organen. Ben Ron verknüpft Körperdarstellungen in der Kunst mit der Wahrnehmung des menschlichen Körpers in der modernen Medizin. Aus wissenschaftlicher Perspektive ist der Körper eine biologische Maschine mit einem Gehirn als Betriebssystem und einem Herzen als Prozessor. Der in Baudelaires Gedicht erwähnte Galgen trennt den Körper vom Gehirn und befreit somit den Geist. Während Baudelaire, dem Weg der Schönheit folgend, zu einer Reise aufbricht, an deren Ende er den eigenen Tod erkennt, nimmt uns Ben Ron mit auf den entgegengesetzten Kurs: Sie wählt verschiedenste Exponate aus - eine Reihe von Forschungsobjekten, bestehend aus in Schaukästen des Museums eingeschlossenen Körperteilen. Es sind die Testamente jener Personen, die ein oder mehrere Organe verloren haben, die nun in Formaldehyd konserviert dem Museumspublikum präsentiert werden.

So bahnt Aya Ben Ron einen Weg durch die Sammlung des Museums, den ihr als Krankenschwester gekleidetes Abbild anführt. Die Route ist mit großer Sorgfalt entworfen: In Gedichtform vermittelt die Künstlerin die Geschichten der fein säuberlich in Gläsern, Schachteln und Rahmen aufbereiteten Ausstellungsstücke. Sie stellt damit jene Erinnerungen wieder her, die verloren gingen, als die Organe von ihren Körpern getrennt und im Museum ausgestellt wurden. In ihrer interdisziplinären Herangehensweise bedient sich Aya Ben Ron der unterschiedlichsten Medien: In Skulpturen, Videoarbeiten, Zeichnungen, Photographien, Texten und ortsspezifischen Installationen setzt sich die Künstlerin intensiv und höchst sensibel mit der modernen Medizin sowie ihren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und den Einzelnen auseinander.

Die Ausstellung A VOYAGE TO CYTHERA ist vom 29. April bis 9. September 2012 im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité am Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin zu sehen. Die Eröffnungsveranstaltung findet am Samstag, dem 28. April 2012 von 19 bis 21 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums statt.

Links

Weitere Informationen zur Ausstellung:
Öffnet externen Link im aktuellen Fensterhttp://www.bmm-charite.de/aya-ben-ron.html


Öffnet externen Link im aktuellen Fensterhttp://avoyagetocythera.com/

Kontakt

Prof. Thomas Schnalke
Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité
Campus Charité Mitte
t:+49 30 450 536 122



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