Pressemitteilung

21.12.2011

Ärzte brauchen mehr Zeit für die Forschung

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Charité-Wissenschaftler kritisieren Spaltung zwischen medizinischer Versorgung und Forschung

Mediziner und Grundlagenforscher der CharitéUniversitätsmedizin Berlin haben in einem Artikel des aktuellen Fachmagazins NatureBiotech* die Spaltung zwischen medizinisch forschenden Wissenschaftlern und praktizierenden Ärztinnen und Ärzten kritisch beleuchtet.

Die zunehmende Komplexität neuer therapeutischer Methoden und technischer Möglichkeiten stellt insbesondere Mediziner vor neue Anforderungen. Hinzu kommt das limitierte Zeitkontingent der Ärzte, die sich neben der Versorgung von Patienten auch um die Ausbildung von Studierenden kümmern: „Das Spektrum, das Ärzte heute abdecken müssen, ist enorm gewachsen. Durch Fortschritte in der biomedizinischen Forschung können wir beispielsweise nicht nur die Rollen einzelner Zellen, sondern verschiedener Proteine, Moleküle und sogar Gene identifizieren. Die Auswahl an neuen diagnostischen Verfahren hat ebenso zugenommen wie der Umfang von therapeutischen Optionen“, erklärt Dr. Philipp von Roth, Clinical Scientist an der Berlin-Brandenburg School for Regenerative Therapies (BSRT). Roth ist auch Orthopäde und Unfallchirurg an der Charité. Er durchläuft eine neue Ausbildung zum „Klinischen Wissenschaftler“, die an der DFG geförderten Graduiertenschule an der Charité entwickelt wurde. Zusammen mit seinen wissenschaftlichen Kollegen hat er den Artikel über die zunehmenden Probleme der Ärzte in der medizinischen Forschung verfasst und vier Lösungsansätze vorgestellt, die an namhaften Universitäten entwickelt wurden.

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Graduiertenschule der Charité bietet ein spezielles Ausbildungsprogramm für Mediziner an, bei dem sie ausreichend Zeit sowie finanzielle und wissenschaftliche Unterstützung für ihre medizinisch relevanten Forschungsvorhaben erhalten. In speziellen Kursen lernen Ärzte auch die Herausforderungen und Möglichkeiten anderer Disziplinen kennen und verstehen. „Das ist essentiell“, sagt der Koordinator der Graduiertenschule, Prof. Georg Duda. „Oft fehlt es an einer gemeinsamen Sprache, die man für fachübergreifende Projekte benötigt. Ingenieure, Biologen und Physiker müssen die Probleme von Ärzten verstehen. Umgekehrt sollten Mediziner die heutigen biologischen und technischen Analyseoptionen kennen. Nur so können gemeinsame Projekte entstehen und umgesetzt werden.“

Neben der Charité bieten auch die amerikanische Stanford University, die britische Oxford University und die australische Monash University erfolgreiche Programme für die Ausbildung von forschungsinteressierten Medizinern an. Diese werden vergleichend in dem Artikel gegenüber gestellt und diskutiert.

*Publikation: The challenges of modern interdisciplinary medical research. von Roth P, Canny BJ, Volk HD, Noble JA, Prober CG, Perka C, Duda GN. Nat Biotechnol. 2011 Dec 8;29(12):1145-8. doi: 10.1038/nbt.2062. No abstract available.

Kontakt

Stephanie Benusch
Julius Wolff Institut
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 652 096



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