Pressemitteilung

24.08.2011

7. Sommeruni in Ravensbrück

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Charité-Expertin moderiert Tagungsprogramm in der Gedenkstätte Ravensbrück

Am 28. August startet die 7. Sommer-Universität in Ravensbrück, die auf das Thema „Geschlecht und Rasse in der NS-Medizin“ fokussiert ist. Eine Woche lang können Studentinnen und Studenten, angehende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Österreich, Polen und Großbritannien einem spannenden Tagungsprogramm in der Gedenkstätte folgen. Am historischen Ort werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv mit der Geschlechterfrage in der NS-Medizin auseinandersetzen. Bislang wurde diese besonders mit den Schlagworten Eugenik, Euthanasie und Menschenversuchen gleichgesetzt. Die neuere Geschichtsforschung hat zu einer genaueren Betrachtung des Verhältnisses von Politik und Medizin in dieser Zeit geführt. Die Kategorie „Geschlecht“ spielte jedoch in der Medizinhistorischenforschung keine herausragende Rolle. Erst mit dem Aufkommen der Frauen- und Geschlechterforschung erhielt das Thema Einzug in die Analysen der NS-Medizin. „Es hat sehr lange gedauert, bis eine geschlechterspezifische Betrachtung der NS-Vergangenheit die Forschung interessierte. Wir haben ein großes Defizit aufzuholen“, sagt Dr. Sabine Schleiermacher vom Institut der Geschichte der Medizin an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin.

Als Ideengeberin und Moderatorin ist Dr. Sabine Schleiermacher überzeugt, dass die Sommeruni in Ravensbrück ein großer Erfolg wird. Gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück wurde das Tagungsprogramm der Sommeruni entwickelt, die unter der Schirmherrschaft der Brandenburgischen Kulturministerin Prof. Dr. Sabine Kunst steht. Namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Basel, Wien und Warschau folgten der Einladung in die Gedenkstätte. Innerhalb von Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden bspw. zur „Eugenik als Geschlechter- und Rassenpolitik im 20. Jahrhundert“ werden sich Referentinnen und Referenten gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer vertiefende Einsichten in die NS-Biopolitik verschaffen.
„Für unseren wissenschaftlichen Nachwuchs ist die Auseinandersetzung mit der medizinischen Vergangenheit unerlässlich“, glaubt Schleiermacher, „denn nicht immer lässt sich die Charakteristik der NS-Medizin so klar von unserer heutigen Medizin abgrenzen“. Besonders in politischen Diskursen zur Patientenverfügung oder Präimplantationsdiagnostik kommen auch Ärztinnen und Ärzte an ihre ethischen Grenzen und Sinnfragen.

Die Sommeruniversität in Ravensbrück kann nicht Antworten auf aktuelle politische Fragen zu Möglichkeiten und Grenzen der Hochleistungsmedizin geben. Sie hilft aber, angehende Ärztinnen und Ärzte in heutigen Zeiten für ethische Probleme zu sensibilisieren.

Die Sommeruniversität beginnt am 28. August 2011 in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und endet am 2. September. Die Studienplätze wurden zuvor durch Stipendien finanziert.

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Kontakt

PD Dr. Sabine Schleiermacher
Forschungsschwerpunkt Zeitgeschichte
Institut der Geschichte der Medizin
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 529 257



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