Infektionen vorbeugen – Hygiene ernst nehmen

Spezielle Hygieneteams kümmern sich vor Ort – Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Hygiene im Klinikalltag ist eine Aufgabe, die sich auf allen Stationen und in allen Bereichen tagtäglich stellt. Zusätzlich zu den regelmäßigen Reinigungs- und Desinfektionsroutinen vor Ort gibt es bei der Charité ein eigenes Institut, das zentral für die Vorbeugung gegen mögliche Infektionen zuständig ist: das Institut für Hygiene und Umweltmedizin. »Wir sind zuständig für alle Standorte der Charité«, erklärt Institutsleiterin Prof. Dr. Petra Gastmeier. »Daneben gibt es an jedem Campus der Charité ein eigenes Hygieneteam, das jeweils aus einem zuständigen Oberarzt, Assistenzärzten und Hygienefachkräften besteht.

Nach der Berliner Hygieneverordnung müssen alle Mitarbeiter einmal pro Jahr zur Infektionsprävention fortgebildet werden. Darüber hinaus gibt es in den einzelnen Kliniken speziell ausgewählte Beschäftigte, die als hygienebeauftragte Pflegekräfte und Ärzte ein Bindeglied zwischen dem hauptamtlichen Hygienepersonal des Instituts und den Stationsmitarbeitern darstellen. »Die hygienebeauftragten Kolleginnen und Kollegen sind vor Ort ein wichtiger Anlaufpunkt, wenn es zu Hygienethemen Fragen oder konkreten Beratungsbedarf gibt«, ergänzt Prof. Dr. Petra Gastmeier. Das Institut für Hygiene verfügt auch über ein eigenes krankenhaushygienisches Labor, in dem beispielsweise pro Jahr fast 100.000 Screening-Untersuchungen auf multiresistente Erreger durchgeführt werden. »Auch in der Ausbildung der Medizinstudenten wirken wir mit, damit auch die Nachwuchsärzte mit den Standards vertraut gemacht werden«, so die Institutsleiterin. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu eingestellt werden, müssen sie ebenfalls beim Hygieneinstitut eine Einführungsveranstaltung mit den wichtigsten Prinzipien der Infektionsprävention durchlaufen.

Die meisten Infektionserreger im Krankenhaus werden durch die zehn Finger der Hände übertragen. Deshalb gelten für die Mitarbeiter die fünf Regeln zur Händedesinfektion, die die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2005 aufgestellt hat:

Wann müssen Pflegekräfte und Ärzte ihre Hände desinfizieren?

  • Vor jedem Patientenkontakt
  • Vor Tätigkeiten, die keimfrei, also aseptisch erfolgen müssen
  • Nach Kontakt mit möglicherweise infektiösen Materialien (z. B. Körperflüssigkeiten, Blut, Sekreten, Exkreten)
  • Nach jedem Patientenkontakt
  • Nach dem Verlassen der (unmittelbaren) Patientenumgebung

Das Händewaschen muss selbstverständlich immer dann erfolgen, wenn die Hände verschmutzt sind. Das reicht aber nicht aus. Hygienisch sauber werden die Hände nur durch eine sachgemäße Desinfektion. Das Tragen von Einweghandschuhen kann die Desinfektion der Hände nicht ersetzen. Handschuhe sollten hauptsächlich bei Kontakt mit potenziell infektiösen Materialien getragen werden. Auf allen Stationen der Charité wird seit 2007 regelmäßig der Händedesinfektionsmittelverbrauch pro Patient und Tag erfasst: Im Jahr 2014 lag der Mittelwert der Intensivstationen bei 194 ml, auf den Normalstationen bei 41 ml. An der Charité ist die nationale Kampagne „Aktion Saubere Hände“ angegliedert. 2013 wurde der Charité durch die WHO der Titel »Global Hand Hygiene Expert Centre« in Anerkennung für das Engagement bei der Verbesserung der Händehygiene verliehen.

Die meisten Infektionserreger fliegen nicht durch die Luft

Rund 90 Prozent aller Infektionserreger im Krankenhaus werden nicht über die Luft übertragen, sondern durch direkten oder indirekten Kontakt über Hände oder Gegenstände. Dazu gehören die Durchfallerreger aber auch fast alle multiresistenten Erreger. Aus diesem Grund ist die Desinfektion der Hände unverzichtbar.

Rund acht Prozent der Infektionserreger werden durch Husten oder Niesen betroffener Patienten verbreitet. Dazu gehören die meisten Atemweginfektionen (z. B. echte Grippe oder andere Virusinfektionen), aber auch viele Kinderkrankheiten (z. B. Röteln oder Mumps). Man schützt sich vor Übertragung, indem man am besten Abstand hält: Empfohlen ist mehr als ein Meter. Bei nahem Kontakt zum Patienten muss ein Mund-Nasen-Schutz zur Vermeidung von Ansteckung verwendet werden.

Nur etwa zwei Prozent der Infektionserreger können sich auch darüber hinaus in der Luft des Patientenzimmers ausbreiten (z. B. bei Tuberkulose, Masern oder Windpocken). Deshalb sollte man bei diesen Infektionskrankheiten als Schutzmaßnahme eine eng anliegende, spezielle Atemmaske tragen, sofern man nicht durch Impfen oder eigene Infektion gegen diese Krankheit immun ist. Patienten mit solchen Infektionskrankheiten müssen in einem Einzelzimmer untergebracht werden.

Woher kommen eigentlich Keime, Viren und Bakterien?

Jeder Patient ist bereits bei Aufnahme in das Krankenhaus mit Mikroorganismen besiedelt, die zu Infektionserregern werden können. Alle Mikroorganismen des Körpers werden auch als »Mikrobiom« bezeichnet. Auf der Haut und an den Schleimhäuten von uns Menschen finden sich viele Millionen von Bakterien und andere Mikroorganismen. Die meisten von ihnen sind im Darm zu finden. Dies kann bei einem Menschen eine Bakterienmasse von bis zu zwei Kilogramm ausmachen. Diese Bakterien sind wichtig und sehr nützlich für unsere Verdauung, den Stoffwechsel und das Immunsystem. Sie können aber gefährlich werden, wenn sie in Körperbereiche gelangen, die normalerweise keimfrei sind wie die Harnblase, die Lungen oder die Blutbahn. Dann können sie dort beispielsweise Harnweginfektionen, eine Lungenentzündung oder eine Blutvergiftung hervorrufen. Während eines Krankenhausaufenthalts benötigen viele Patienten eine Behandlung, bei der beispielsweise Harnwegkatheter oder Gefäßkatheter in den Körper eingeführt werden müssen. Bei derartigen invasiven Prozeduren besteht die Möglichkeit, dass körpereigene Bakterien in normalerweise keimfreie Körperbereiche gelangen und dort Infektionen verursachen. Auch Medikamente, die das Immunsystem schwächen, oder bestimmte Behandlungen wie eine Chemotherapie können das Eindringen von Bakterien in solche Körperbereiche befördern.

Je schwerer also ein Patient erkrankt ist, desto mehr steigt leider auch sein Infektionsrisiko im Krankenhaus. Erleidet der Patient im Krankenhaus eine entsprechende Infektion spricht man von einer nosokomialen Infektion. Um generell das Risiko von Infektionen so gering wie möglich zu halten, sind sämtliche Hygieneregeln streng einzuhalten. Händewaschen allein genügt nicht! Wer die geschilderten Desinfektionsregeln einhält, handelt verantwortungsvoll.

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