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Das Bild zeigt Hanna Zimmermann, aufgestützt auf eine Lesetest-Tafel

#WomenInScience: Interview mit Hanna Zimmermann

15.12.2021

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"Wir arbeiten daran, die Netzhaut des Auges als Fenster zu Körper und Gehirn zu nutzen."

Das Bild zeigt Hanna Zimmermann, sitzend an einem Gerät
© Charité | René Krempin

Erzählen Sie uns etwas über sich in fünf Sätzen, das Sie fachlich wie auch menschlich beschreibt.

Momentan bin ich ziemlich genau zwei Dinge: Mutter und klinische Forscherin. In meiner Vergangenheit habe ich in Kenia in einem Waisenhaus und meiner eigenen Saftbar gearbeitet und als Ingenieurin während meines Studiums viel Zeit in Werkstätten und Laserlabors verbracht. Mit meinen beiden Söhnen (5 und 1) lebe ich in Friedrichshain. Ich bin PostDoc am Experimental and Clinical Research Center und leite ein kleines Team an den Campi Mitte und Buch. 

Seit wann sind Sie an der Charité und was ist Ihr Arbeits- oder Studienschwerpunkt?

Für mein Alter schon richtig lang, nämlich seit 2009! Als studentische Hilfskraft habe ich bei Netzhautuntersuchungen bei Personen mit Multipler Sklerose geholfen – ich habe mich sofort in die Methode verliebt! Wir arbeiten daran, die Netzhaut des Auges als Fenster zu Körper und Gehirn zu nutzen.

Können Sie etwas genauer auf Ihr Forschungsgebiet eingehen?

Die Netzhaut ist Teil des zentralen Nervensystems und hat viele Zellen, die auch im Gehirn vorkommen. Aber anders als das Gehirn ist die Netzhaut nicht von einem Knochen umschlossen, weswegen wir sie viel leichter und hochauflösend untersuchen können. Auch die Blutgefäße kann man hier gut erkennen. Eine Netzhautuntersuchung kann bei der Diagnose und zur Wirksamkeitsprüfung von Medikamenten bei Nervenerkrankungen und systemischen Krankheiten wie Diabetes genutzt werden. Wir etablieren neue Methoden und entwickeln sie auch selbst weiter, zum Beispiel mit Analysen auf Basis künstlicher Intelligenz.

Warum haben Sie sich für die Charité entschieden?

Tatsächlich bin ich zunächst durch Zufall über einen Studierendenjob an der Charité gelandet. Aufgrund der tollen Möglichkeiten, mich beruflich zu entfalten und an einem superrelevanten Forschungsgebiet mitzuarbeiten, bin ich geblieben.

Was hat den Ausschlag gegeben, sich für eine Karriere in der Medizin zu entscheiden?

Tatsächlich habe ich aus Angst vor dem hohen Druck in der Wissenschaft, während meiner Promotion noch geplant, früher oder später ins Forschungsmanagement zu wechseln. Aber dann rückte die Netzhaut mehr und mehr in das Interesse von Forscherinnen und Forschern aus den verschiedensten Disziplinen. Ich merkte wie viel ich hier beitragen kann und dass ich wahrscheinlich für keinen anderen Job so brennen würde.

Gab es besondere Herausforderungen oder Hürden in Ihrer (bisherigen) Karriere?

Die Sorgearbeit für meine Kinder, die ich über alles liebe, mit der Karriere zu vereinbaren will ich keine Hürde, aber doch eine tägliche Herausforderung nennen. Wissenschaftlich-strukturell will ich den finanziellen Druck nennen: Man ist ständig auf der Jagd nach neuen Drittmitteln, um Projekte und Team weiterzufinanzieren. Ganz individuell ist für mich eine Herausforderung, dass, obwohl ich seit zwölf Jahren an der Netzhaut forsche, meiner Meinung immer wieder nicht vertraut wird, weil ich keine Augenärztin bin.

Haben Sie im Laufe Ihrer Karriere Hilfe von Mentor:innen oder Förderprogrammen erhalten?

Während meiner Promotion hatte ich Mentor:innenprogramme leider gar nicht auf dem Schirm. Zum Glück haben mich meine beiden Doktorväter haben mich immer sehr unterstützt und gefördert. In den letzten Jahren habe ich an einigen Workshops des Equal Opportunity Programms des Berlin Institute of Health teilgenommen, wo ich sehr viel gelernt habe, vor allem über Leadership. Ich plane, mich nächstes Jahr für das „Mentoring für Wissenschaftlerinnen“-Programm des Charité Mentoring Competence Centers zu bewerben.

Was raten Sie Frauen, die eine Karriere in der Medizin anstreben?

Hier kann ich nur für die Forschung sprechen: Lasst euch nicht von den Herausforderungen abschrecken. Wenn es wirklich das ist, was ihr machen wollt, lohnt es sich auf jeden Fall und es findet sich fast immer für alles eine Lösung. Es kann aber nicht schaden, sich eine gewisse Resilienz anzutrainieren, um sich für den nicht zu vermeidenden Stress zu wappnen.

Was muss sich ändern, damit mehr Frauen in Führungspositionen vertreten sind?

Es sollte selbstverständlich sein, dass Kommissionen und auch Vorstände paritätisch – und übrigens auch divers – besetzt sind. Auch Quoten können ein Mittel sein, denn die qualifizierten Frauen sind da. Darüber hinaus müssen die Bedingungen für Mütter und natürlich auch Väter verbessert werden, auch hier muss generell ein Umdenken stattfinden und auf familiäre Verantwortung mehr Rücksicht genommen werden.

Wo sehen Sie sich in (beruflicher) Zukunft?

Ich hoffe bald die Möglichkeit zu haben, im Rahmen einer Professur unser visuelles Labor zu einem interdisziplinären Hub für Forschung am visuellen System auszubauen. Ich würde gerne mit Forscherinnen und Forschern an der ganzen Charité und ihrem Netzwerk zusammenarbeiten, um mit der Netzhautbildgebung nachhaltig einen Beitrag zur besseren Versorgung der Patientinnen und Patienten zu leisten.