Universitätskliniken schaffen neue Basis für Forschung zu Covid-19

Start für Nationales Pandemie Kohorten Netz (NAPKON)

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Die deutschen Universitätskliniken schaffen gemeinsam mit Partnern aus verschiedenen Gesundheitssektoren eine hochqualitative übergreifende Arbeitsgrundlage für die Covid-19-Forschung. Ziel ist es, die Erkrankung möglichst detailgenau zu erfassen. Es soll eine weltweit herausragende Patientenkohorte von an Covid-19 Erkrankten entstehen, die dazu beiträgt, noch besser zu verstehen, was das Virus im Körper macht und wie Medikamente und Impfungen wirken. Aktuell werden erste Patientinnen und Patienten an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin und am Universitätsklinikum Frankfurt registriert. Patienten an weiteren Universitätskliniken, an nichtuniversitären Krankenhäusern und in der ambulanten Versorgung werden folgen.

Die Pandemie schreitet weiter voran, gleichzeitig sind in der Forschung noch viele Fragen offen. Wer erkrankt schwer und warum? Wer ist von Folgeerkrankungen betroffen und welche sind das? Welche Therapiestrategien können abgeleitet werden? Antworten finden sich in den individuellen Krankengeschichten der vielen tausend Infizierten.

Universitätskliniken bundesweit und zahlreiche weitere Partner wollen deshalb rund 8000 Infizierte und Erkrankte über den gesamten Krankheitsverlauf intensiv beobachten, spezielle Blutuntersuchungen ermöglichen und jede Besonderheit erfassen. Sie engagieren sich dafür im Nationalen Pandemie Kohorten Netz (NAPKON), einem der zentralen Projekte des von der Bundesregierung mit 150 Millionen Euro geförderten Netzwerks Universitätsmedizin. Die übergreifende Dateninfrastruktur für das Projekt stellt das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) zur Verfügung.

Jedes Detail kann wichtig sein

„Wir betrachten die Erkrankten wie unter einem Mikroskop, jede Kleinigkeit kann wichtig sein“, sagt der Infektiologe Prof. Dr. Janne Vehreschild, Sprecher von NAPKON und Leiter einer standortübergreifenden Arbeitsgruppe an den Universitätskliniken Frankfurt und Köln sowie dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. Mit der Unterstützung zahlreicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen wurden hierfür einheitliche elektronische Fragebögen und Prozeduren zur Datenerhebung sowie Abnahme von Bioproben entwickelt.

Ein Teil der Patientinnen und Patienten wird zusätzlich umfassend mit Blick auf die allgemeine Gesundheit und auf die Gesundheit potenziell betroffener Organe untersucht, zum Beispiel mittels Ultraschall und Magnetresonanztomographie. „Unsere Untersuchungen werden es erlauben, endlich auch Antworten auf drängende Fragen zur Gesundheit nach einer überstandenen Erkrankung zu finden“, erklärt Prof. Dr. Martin Witzenrath, stellvertretender Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie an der Charité, der mit der sogenannten Hochauflösenden Kohortenplattform das detailreichste Untersuchungsprogramm innerhalb von NAPKON koordiniert.

Der Patient im Mittelpunkt

Daten und Proben werden nur erfasst, wenn die Betroffenen vorher ausführlich informiert wurden und eingewilligt haben. Das Studienpersonal erhebt sorgfältig klassische klinische Untersuchungsparameter, Daten von bildgebenden Verfahren sowie Arzt- und Pflegeberichte und gibt alle Informationen in eine deutschlandweite Datenbank ein. Viele weitere Parameter kommen hinzu, beispielsweise Angaben zur Lebensqualität, wie schnell sich die Erkrankten erholen, ob sie psychische Probleme haben, wann sie wieder arbeitsfähig sind oder ob sie Folgeerkrankungen entwickeln. Ein zentraler Bestandteil von NAPKON ist ein einheitliches Bioprobenset, das von allen Teilnehmern hochstandardisiert erhoben wird und – verknüpft mit den anderen Daten – wichtige Erkenntnisse für die Biomarker-, Impfstoff- und Medikamentenforschung liefern soll.

Personeller und technischer Kraftakt

Etwa 2000 Merkmale wird das Studienpersonal bei den teilnehmenden Patientinnen und Patienten in mehreren Visiten wiederholt erheben, ein personeller und datentechnischer Kraftakt. Fünf Universitätskliniken – neben Frankfurt am Main und der Charité auch Hannover, Kiel und Würzburg – koordinieren NAPKON, an dem sich alle Universitätskliniken und bis zu 200 weitere Einrichtungen beteiligen sollen, darunter auch Arztpraxen und Gesundheitsämter. Fast 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler engagieren sich bereits in fach- und organspezifischen Arbeitsgruppen, sie gestalten die Studie und präzisieren Fragestellungen. Bei der Analyse der Daten sollen Methoden der modernen Datenwissenschaften und Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. „Eine wissenschaftliche Zusammenarbeit dieser Größenordnung, in dieser Kürze der Zeit ist herausragend – ich bin unglaublich dankbar, mit welch gewaltigem Einsatz und welcher Selbstverständlichkeit sich so viele hinter das gemeinsame Ziel stellen“, sagt Prof. Vehreschild.

Wie funktioniert das Netzwerk?

Um zügig starten zu können, greift NAPKON in der Anfangsphase auf eine Forschungsinfrastruktur zurück, die sich in der Praxis bereits bewährt hat: Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung führt seit vielen Jahren klinische Studien mit einem Zentren übergreifenden Ansatz durch und hat sein System für Covid-19 erweitert. Es arbeitet nach Vorgaben der Guten klinischen Praxis und der Europäischen Datenschutzgrundverordnung unter strengstem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Patientinnen und Patienten.

Die Forschungsdateninfrastruktur ist langfristig angelegt und wird nach einer Übergangsphase durch die Medizininformatik-Initiative weitergeführt und ausgebaut, wobei sie auch Daten von Apps und solche aus der Routineversorgung einfließen lassen will.

Das Netzwerk Universitätsmedizin, die Medizininformatik-Initiative wie auch die beteiligten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung werden durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.


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