Regenerative Therapien

Diese vergleichsweise junge Disziplin beschäftigt sich mit der Heilung von Krankheiten durch die Verstärkung körpereigener Regenerationskräfte. Im Falle irreversibler Schäden geht es um den gezielten Ersatz von Zellen, Geweben oder auch ganzen Organen. Die zentralen Fragen sind: Wie unterstützen biologisch aktive Faktoren, Zellen und Biomaterialien die individuelle Regenerationsfähigkeit? Wie lassen sich diese Effekte therapeutisch nutzbar machen? Und wie gelingt es darüber hinaus, funktionelle Organoide mithilfe moderner Stammzelltechniken für Ersatzstrategien zu generieren?

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Gemeinsam für die Medizin von morgen

An der Charité arbeiten Experten aus Medizin, Biologie und Ingenieurwissenschaften daran, Regenerative Therapien schnellstmöglich für Patienten verfügbar zu machen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung natürlicher Heilungsprozesse. Ziel ist es, die Regeneration von Zellen und Geweben nach Verletzungen des Bewegungsapparates oder akuten und chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie des Immunsystems zu fördern. Dies gilt insbesondere in Situationen, in denen nur wenige Therapiealternativen bestehen. Zielsetzung ist somit auch, einem Konzeptwechsel von der „Therapie“ zur tatsächlichen „Heilung“ von Erkrankungen näher zu kommen.

In Teams arbeiten Kliniker und Forscher an der Entwicklung innovativer Therapien und Medizinprodukte, mit deren Hilfe körpereigene Regenerationsprozesse initiiert und gesteuert werden können. Dazu gehören Immun- und adulte Stammzelltherapien, Biomaterialien und die Stimulation durch biologisch aktive Faktoren oder deren Kombinationen. Ergänzt werden diese durch Ansätze der Gentherapie oder biotechnologische Gewebezubereitungen, bei denen beispielsweise induzierte Stammzellen zur Geweberegeneration eingesetzt werden. Personalisierte und damit für den individuellen Patienten passende Diagnose- und Therapieformen sollen nach ihrer Entwicklung zügig in der klinischen Praxis zur Anwendung kommen.

Der Forschungsschwerpunkt Regenerative Therapien ruht auf drei Säulen:

  • Das Berlin-Brandenburg Centrum für Regenerative Therapien (BCRT) ist ein internationales und interdisziplinäres Forschungszentrum mit dem Ziel, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung effektiv in die medizinische Praxis zu überführen.
  • Die Berlin-Brandenburg Schule für Regenerative Therapien (BSRT) bietet Nachwuchswissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen und forschenden Klinikern eine strukturierte Ausbildung, die es ihnen ermöglicht, effektiv in diesem interdisziplinären Feld zu forschen und eine weiterführende Karriere aufzubauen.
  • Das Einstein Center für Regenerative Therapien (ECRT) stellt eine besondere Art der Ideenschmiede dar. Es ist ein Forum insbesondere für junge Forscherinnen und Forscher, um gemeinsam neue und kreative Ansätze zu entwickeln.

Die Einrichtungen BCRT, BSRT und ECRT befinden sich unter einem Dach im Institutsgebäude Süd auf dem Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK). Ebenfalls hier angesiedelt sind das Institut für Medizinische Immunologie, das Julius Wolff Institut, das Institut für Medizinische Genetik und Humangenetik sowie die Forschungsabteilung für Nephrologie und Transplantation in einer engen, räumlichen Nachbarschaft zu den Partnerkliniken am CVK. Diese lokale Konzentration fördert Zusammenarbeit und Effizienz der Arbeiten im Forschungsfeld Regenerative Therapien. Zusätzlich besteht eine enge Vernetzungen mit dem Brandenburger Teil des BCRT in Teltow. Weiterhin eingebunden sind die Institutionen in ein dichtes Netzwerk universitärer und außeruniversitärer Einrichtungen in der Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg, wie auch europa- und weltweit.

Ausgewählte Verbundprojekte

Translation – Edukation – Inspiration

Translation (BCRT)

Bild: BCRT, Charité

Das BCRT wurde 2006 als Allianz der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Helmholtz-Gemeinschaft gegründet. Mehr als 250 Mitarbeiter, vorwiegend Ärzte, Naturwissenschaftler, Translationsexperten, Ingenieure, Doktoranden und technisches Personal, forschen und arbeiten an den beiden Standorten des BCRT: am Institutsgebäude Süd des Campus Virchow-Klinikums der Charité und am Campus Teltow des Instituts für Biomaterialforschung der Helmholtz-Zentrum Geesthacht GmbH. Das BCRT ist ein interdisziplinär ausgerichtetes Forschungszentrum von internationalem Ruf mit dem Ziel, die körpereigenen Heilungsprozesse besser zu verstehen und darauf aufbauend neue Therapien und Diagnostika zu entwickeln. Schwerpunkte sind Erkrankungen des Immunsystems, des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems.

Die einzelnen Forschungsbereiche sind in eine innovative Translationsstruktur eingebunden: Von der Geschäftsentwicklung über regulatorische Fragen bis hin zur Gesundheitsökonomie beraten BCRT-Mitarbeiter die Forschungsgruppen frühzeitig und begleiten sie kontinuierlich. Somit ist gewährleistet, dass die Forschungsergebnisse schnell in die klinische Anwendung überführt werden. Alle Projekte unterliegen einem regelmäßigen Monitoring hinsichtlich Fortschritt, internationalem Maßstab, medizinischem Bedarf, Einhaltung von Zulassungsvoraussetzungen sowie gesundheitsökonomischen Fragen.

  • 250 Forscher und unterstützendes Personal aus 30 Nationen
  • 24 aktive Patente
  • 1700 Publikationen seit 2006
  • 21 Klinische Studien, 33 Biomarker
  • 3 Spin-Offs
  • 4 Produkte im Markt
  • 30 Industriepartnerschaften.

Edukation (BSRT)

Bild: BSRT, Charité

Die BSRT ist eine Graduiertenschule der DFG-Exzellenzinitiative und bietet herausragenden Nachwuchswissenschaftlern aus dem In- und Ausland Ausbildungs- und Forschungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin. Wesentliches Ziel ist es, Doktoranden und Postdoktoranden darin zu schulen, in diesem interdisziplinären Forschungsfeld effektiv miteinander zu arbeiten und sie auf dem Weg ihrer noch jungen Karriere zu begleiten. Die BSRT bietet ein umfangreiches Angebot an wissenschaftlichen Kursen, die relevant für Regenerative Therapien sind. In Zusammenarbeit mit den Dachorganisationen Humboldt Graduate School (HGS) und Dahlem Research School (DRS) haben die jungen Forscher Zugang zu einem breiten Angebot an Workshops, die sich mit Karriereentwicklung, wissenschaftlicher Kommunikation, Projektmanagement und vielem mehr beschäftigen.


Inspiration (ECRT)

Bild: ECRT, Charité

Das ECRT ist 2017 gegründet worden und will den Ideenpool der Berliner Forscher bündeln, die sich mit den unterschiedlichsten Aspekten von Regenerationsmechanismen und der Heilung von Krankheiten durch die Verstärkung körpereigener Regenerationskräfte befassen. In einem Wettbewerb um die besten Ansätze werden zunächst sogenannte Einstein Kick-Boxen vergeben, um insbesondere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Gelegenheit zu geben, eigene Forschungsideen zu entwickeln. In einem kompetitiven Prozess gehen die besten Ansätze in eine Vollförderung über. Die interdisziplinären Teams werden während ihrer Ideenentwicklung durch den Ansatz des BioThinking begleitet. BioThinking nutzt Design Thinking, welches ein innovativer Ansatz zur Lösung von Problemen durch Teams ist, in der Biomedizinischen Forschung.