Neurowissenschaften

In der Erforschung und Behandlung von neurologischen Erkrankungen gehört die Charité zu den führenden Universitätsklinika. Dabei kennzeichnet die Berliner Universitätsmedizin eine translationale und transdisziplinäre Ausrichtung: Zahlreiche exzellente neurowissenschaftliche Projekte verzahnen patientenorientierte Forschung und Grundlagenforschung miteinander.

Der transdisziplinäre Ansatz zeigt sich in der erfolgreichen Zusammenarbeit von Neurowissenschaftlern mit Experten aus Kardiologie und Immunologie bei der Erforschung komplexer Erkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer, Herzinsuffizienz oder Parkinson.

NeuroCure – Das Nervensystem verstehen

Eine herausragende Einrichtung im Bereich Neurowissenschaften der CharitéUniversitätsmedizin Berlin ist das Exzellenzcluster NeuroCure. Es wird im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert. Schwerpunkt der Tätigkeit von NeuroCure ist die Übertragung von Erkenntnissen der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und zurück ins Labor. Dabei konzentrieren sich die Forscher auf neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Epilepsie und andere Entwicklungsstörungen des Gehirns. Zusätzlich beschäftigen sie sich intensiv mit psychiatrischen Krankheitsbildern von Autismus über Depression bis hin zur Schizophrenie. In über 45 Arbeitsgruppen untersuchen die Wissenschaftler von NeuroCure die Funktionsweisen des Nervensystems. Dabei teilen sich im Sinne des translationalen Ansatzes jeweils ein Grundlagenforscher und ein praktizierender Mediziner die Verantwortung für ein jeweiliges Forschungsgebiet. Zur möglichst schnellen Umsetzung der Erkenntnisse hat die Charité das NeuroCure Klinische Forschungszentrum (NeuroCure Clinical Research Center, NCRC) eingerichtet. Im NCRC haben Patienten Zugang zu neuen Therapien und diagnostischen Methoden. Dies geschieht durch klinische Studien, die von NeuroCure-Forscherinnen und -Forschern wie auch seitens der Industrie initiiert werden.

NeuroCure ist ein Gemeinschaftsprojekt der Charité mit ihren Universitäten – der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin – sowie drei hochkarätigen außeruniversitären Einrichtungen. Dazu gehören das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch (MDC), das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ). Gemeinsam wirken sie auf eine Vernetzung laufender neurowissenschaftlicher Forschungsaktivitäten hin und forcieren einen stetigen Ausbau des neurowissenschaftlichen Standorts, beispielsweise durch die Einrichtung und Unterstützung von Professuren und Nachwuchsgruppen sowie durch eine hochmoderne infrastrukturelle Ausstattung.

Ausgezeichnete Schlaganfallforschung

Zu den neurowissenschaftlichen Institutionen der Charité gehört das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB). Die Einrichtung ist 2005 von Charité und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) gegründet worden, mit dem Ziel, die Häufigkeit und Sterblichkeit bei Schlafanfällen zu senken. Jährlich erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Hirnschlag. Seit 2008 wird das CSB vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum gefördert. Das ermöglicht eine hohe Qualität der patientenorientierten und klinischen Erforschung von Schlaganfallerkrankungen. Mediziner und Wissenschaftler arbeiten an den Themenkomplexen: Gehirn schützen, Komplikationen verhindern und Wiederherstellen von Funktionen. Dabei sind sie auf der stetigen Suche nach neuen Behandlungskonzepten oder der Weiterentwicklung dieser.

Zur Verbesserung der Forschungsbedingungen hat das CSB eigene Strukturen geschaffen. Ein Beispiel ist das Trial Team, oder auch Studienteam. Es unterstützt bei der Planung und Durchführung von Schlaganfallstudien. Seine Expertise setzt das Trial Team vor allem im Bereich klinischer Studien ein, die sie für Wissenschaftler und Industriepartner koordiniert. In unmittelbarer Nähe zur Stroke Unit – der Schlaganfalleinheit, in der Patienten akut behandelt werden – befindet sich der hochmoderne 3-Tesla Magnetresonanz-Tomograph (MRT), der eine wichtige Rolle für auf Schlaganfall bezogene Studien spielt. Das Großgerät ermöglicht eine genaue Messung der Gehirndurchblutung bei Menschen mit Schlaganfallsymptomen. Im Modul Health Care engagiert sich das CSB in der Berliner Schlaganfall-Allianz (BSA). Der von der Charité initiierte Zusammenschluss wirkt erfolgreich darauf hin, die Behandlung von Schlaganfällen zu verbessern, indem er den Austausch der verschiedenen am Versorgungsprozess beteiligten Akteure erleichtert. Seit Beginn des Jahres 2015 ist die BSA als gemeinnütziger Verein eingetragen.