Procalcitonin

Parameter

BezeichnungProcalcitonin
KürzelPCT         SE
MnemonicPCTSE
MaterialSerum (SE)
Einheitµg/l
MethodeZweiseitiger Lumineszenzimmunoassay mit Magnetpartikeln als Festphase
KategorienKlinische Chemie
   Proteine
Infektionsdiagnostik

Referenzwerte

bis 120 Jahr(e)< 0,50 µg/l

Beschreibung

Allgemein
PCT ist ein Protein, das bei schweren bakteriellen, pilzbedingten und parasitären Infektionen sowie bei Sepsis und Multiorganversagen in erhöhter Konzentration im Blutplasma auftritt. Bei viralen Infektionen, Autoimmun- und allergischen Erkrankungen tritt kein PCT-Anstieg auf.
Die PCT-Konzentration spiegelt die Aktivität der systemischen Entzündung wider.
Das Procalcitonin (PCT) ist ein 116 AS Polypeptid und ein Vorläufer des Hormons Calcitonin, das in die Regulation des Calciumstoffwechsels eingreift. PCT hat keine Calcium-regulierende Funktion.
PCT und andere Calcitonin-Vorläufer werden vom Calcitonin I Gene codiert und unter Normalbedingungen in neuroendokrinen Zellen der Schilddrüse produziert. Die Produktion von PCT außerhalb der neuroendokrinen Zellen der Schilddrüse ist normalerweise unterdrückt. PCT ist ein Polypeptid, es wird enzymatisch zu Calcitonin gespalten. Das reife Hormon Calcitonin wird in den neuroendokrinen Zellen prozessiert (modifiziert) und in den sekretoresche Granula gespeichert.
Bei Infektionen durch Bakterien, Pilzen und Protozoen wird in Leber, Niere, Fettgewebe und Muskel das Calcitonin-Gens exprimiert, PCT gebildet und anschließend ins Blut ausgeschüttet. Dabei kommt es zu einem raschen Anstieg der PCT-Konzentration im Blut. Dem gegenüber steigt Calcitonin bei infektionsbedingter Stimulation der PCT-Synthese in den parenchymatösen Organen nicht oder nur minimal an.

PCT kann zur Identifikation einer Infektion bzw. einer Sepsis verwendet werden.
Differentialdiagnostisch Hilft PCT inder Unterscheidung zwischen bakteriellen Entzündungen (hohe Konzentration) und viraler Infektion bzw. Erkrankung autoimmuner Genese (PCT nicht erhöht).

PCT selbst hat auch Wirkung, es steigert die Entzündungsreaktion. Antikörper gegen PCT konnten am septischen Hamster das Überleben steigern.
Calcitonin und Procalcitonin binden am Calcitoninrezeptor und einem ähnlichen Rezeptor (Calcitonin receptor like receptor). 3 Proteine (receptor activity-modifying- proteins) modulieren die intracelluläre Signalkaskade.

Indikation
Diagnose und Verlauf bakterieller Entzündungen
Differenzierung viraler von bakterieller Infektion
Risikoüberwachung nach OP und Transplantation
Verlaufsparameter bei Sepsis, SIRS und MODS

Abnahmebedingungen
Serum, andere Materialien wie Heparinplasma oder EDTA-Plasma sind möglich zu verwenden, bei Verlaufsuntersuchungen sollte die Matix konstant bleiben.
PCT ist in den entnommenen Blutproben sehr stabil.
Die PCT- Plasmakonzentration nimmt in 24 h nach der Entnahme nur um etwa 12 % bei Raumtemperatur, und um ca. 6 % bei 4 °C ab.
Bei längeren Lagerungs- oder Transportzeiten sollten die Proben bis zur Bestimmung gekühlt oder tiefgefroren werden.
Sowohl die Art der Antikoagulation als auch die Verwendung von Plasma oder Serum beeinflussen die PCT- Messung nur unwesentlich.

erhöhte Werte
Normalwert < 0.005ng Gesunde Individuen ( Alter > 3 Lebenstage;
Keine systemische Entzündungsreaktion
PCT < 0.5 ng/ml Messbare, aber geringe PCT- Reaktion
Geringe oder keine systemische Entzündungsreaktion
Lokale Entzündung und lokale Infektion möglich
PCT > 0.5- < 2.0 ng/ml Signifikante, aber mäßiggradige systemische Entzündungsreaktion. Eine Infektion ist möglich.
PCT > 2- < 10 ng/ml Schwere systemische Entzündungsreaktion, am
wahrscheinlichsten infolge einer Infektion ( Sepsis), Hohes Risiko für die Entwicklung einer
Organdysfunktion.
PCT > 10 ng/ml Ausgeprägte systemische Entzündungsreaktion,
nahezu ausschließlich infolge einer schweren
bakteriellen Sepsis oder eines septischen Schocks.
Häufig mit Organdysfunktion verbunden.
Hohes Risiko für einen letalen Verlauf.

Einflußfaktoren
Operatives Trauma, Polytrauma, Kardiogener Schock , extrakorporaler Zirkulation
Bei Behandlung der akuten Abstoßung von Transplantaten mit Anti-Lymphozytenglobulin oder mit OrthocloneŽ OKT3 können erhöhte PCT-Konzentrationen auftreten.
Bei Schwerstbrandverletzten kommt es innerhalb von 6 Stunden zur unspezifischen Induktion von PCT.
PCT wird freigesetzt bei kleinzelligem Bronchialkarzinom und medullärem C-Zell-Karzinom
Nach Hämodialyse zeigen 1/3 der Patienten leicht erhöhte PCT-Werte bis max. 1,5 ng/ml PCT.

Literatur

B.M. Tang et al., Accuracy of procalcitonin for sepsis diagnosis in critically ill patients: systematic review and meta-analysis.
Lancet Infect Dis. 7 , 210 (2007)
B. Uzzan et al., Procalcitonin as a diagnostic test for sepsis in critically ill adults and after surgery or trauma: a systematic review and meta-analysis.
Crit Care Med. 34 , 1996 (2006)
M.A. Verboon-Maciolek et al., Inflammatory mediators for the diagnosis and treatment of sepsis in early infancy.
Pediatr Res. 59 , 457 (2006)
R. Vazzalwar et al., Procalcitonin as a screening test for late-onset sepsis in preterm very low birth weight infants.
J Perinatol. 25 , 397 (2005)

Grumm   2011-08-02 17:51:13 Charité - Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie