Calcium, ionisiert (akt.)

Parameter

BezeichnungCalcium, ionisiert (akt.)
KürzelCa-Ion     HB
MnemonicCa_IonHB
MaterialHeparin-Blut (HB)
Einheitmmol/l
MethodeDirekt messende ionenselektive Elektrode (Blutgasanalysator)
KategorienKlinische Chemie
   Elektrolyte

Beschreibung

Allgemein
Calcium liegt im Blut zu 45% an Eiweiß gebunden und zu 50% in ionisierter Form vor. Die Fraktion des ionisierten Calciums ist abhängig vom pH-Wert und steigt bei Azidose und fällt bei Alkalose. Die Resorption des Calciums erfolgt im Duodenum und Jejunum und wird durch Vitamin D gefördert und durch Calcitonin und Glucocorticoide gehemmt. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend über die Nieren. Die Referenzbereiche hängen von der Selektivität der verwendeten Elektrode und der Zusammensetzung der Kalibrationslösungen ab. Zwei verschiedene Messgrößen für ionisiertes Calcium haben sich eingebürgert: Cai (7,4), Cai (akt). Die folgenden Bereiche mögen als Richtwerte dienen:

Indikation
Bei höherer Spezifität und Sensitivität ist ionisiertes Calcium prinzipiell bei den gleichen Krankheiten erhöht oder erniedrigt wie das totale Calcium (s. unter Calcium). Zur Erfassung der wahren Calciumsituation ist die Bestimmung von ionisiertem Calcium in folgenden Fällen besonders wichtig: bei Neugeborenen und Frühgeborenen (häufig Azidose und / oder Hypoproteinämie), nach Massivtransfusionen (Calciumkomplexe durch Citrat), bei kardiopulmonalem Bypass, kardiale Zwischenfälle bei Hämodialyse, bei Gesamtproteinwerten unter 60 und über 85 g/l, leichte Grade von Hyperparathyreodismus werden gelegentlich nur durch wiederholte Bestimmungen von Cai erfasst.

Abnahmebedingungen
Luftblasenfrei, Probengefäß sofort verschließen, Transport eisgekühlt. Bei guter Hyperämisierung und guten Kreislaufverhältnissen ergibt die kapillare Punktion (Ohrläppchen, Fingerbeere, bei Säuglingen die seitlichen Bereiche der Ferse) vergleichbare Werte zur arteriellen Blutabnahme: heparinisierte Glas-Kapillare, Kapillare vollständig füllen, Drahtstifte zur späteren Durchmischung einführen, Kapillare beiderseits mit Kappen verschließen, Lagerung zwischen Kühlelementen, Analyse innerhalb 1h.

Störfaktoren
Heparin i.v., EDTA und andere Chelatbildner (Massivtransfusionen): erniedrigte Werte; Detergenzien und erhöhte Ethanolkonzentrationen: Interferenz an der Flüssigmembran; stark von der Norm abweichende Ionenstärke (Summe (Na + K) außerhalb 120 - 160 mmol/l) verändert den Aktivitätskoeffizienten des Ca2+: Kalibration mit entsprechend angepassten Standards.
Das Medikament Irenat (Perchlorat) interferiert und führt bei einer Perchloratkonzentration von 1,5 mmol/l Blut zu einer um 0,2 mmol/l verringerten Konzentration des ionisierten Calciums. Dies gilt für verschiedene Radiometergeräte (ABL505, ABL555, EML105, ABL700, ABL800Flex und Basic), für Analysatoren anderer Firmen in unterschiedlichem Ausmaß.

Einflußfaktoren
Physische Aktivität: Anstieg des Cai (entspannter Zustand vor Blutabnahme);temporär nach Nahrungsaufnahme und bei respiratorischer Alkalose: Abfall des Cai;zirkadiane Variation: 4 - 10 %; Schleifendiuretika: erniedrigte Werte; Thiazide und das Antiöstrogen Tamoxifen: erhöhte Werte

Literatur

L. Thomas. Calcium (Ca). In :L. Thomas (Hrsg) Labor und Diagnose, TH-Books 6. Aufl. (2005), S. 333 ff
I. Ramassamy, Recent advances in physiological calcium homeostasis.
Clin. Chem. Lab. Med. 44 , 237 (2006)
N.A. Younes et al., Laboratory screening for hyperparathyroidism.
Clin. Chim. Acta 353 , 1 (2005)
J.M. Lorenz,Assessing fluid and electrolyte status in the newborn. National Academy of Clinical Biochemistry.
Clin Chem. 43 , 205 (1997)

Grumm   2011-08-02 17:49:52 Charité - Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie