ATP7B (Morbus Wilson) - Gen

Parameter

BezeichnungATP7B (Morbus Wilson) - Gen
KürzelATP7B
MnemonicATP7B_b
MaterialEDTA-Blut (EB)
Einheit---
MethodeSeqenzierung
KategorienMolekulare Risikodiagnostik
   Sonstige

Beschreibung

Allgemein
Der Morbus Wilson (Synonyme: hepatolentikuläre Degeneration, Pseudosklerose Westphal) ist eine autosomal-rezessive Störung des hepatischen Kupferstoffwechsels, die zu einer gestörten biliären Kupferexkretion und einem verminderten Einbau von Kupfer in Coeruloplasmin führt (1). Die molekulare Grundlage der Wilsonschen Krankheit sind Defekte im Kupfer transportierenden Enzym P-Typ-ATPase (ATP7B). Heterozygote Merkmalsträger erkranken nicht. Betroffen sind homozygote und compound heterozygote Merkmalsträger. Die Inzidenz der manifest Erkrankten beträgt 1:30.000, die Häufigkeit der heterozygoten Merkmalsträger ca. 1:90. Infolge toxischer Kupferakkumulation, vorrangig in Leber und Gehirn, geht die Erkrankung mit einer hepatischen und/oder extrapyramidalen Symptomatik einher und verläuft unbehandelt tödlich (2).
50-80% der an M. Wilson erkrankten Patienten in Mitteleuropa sind Träger für die H1069Q Punktmutation im Exon 14 (3). Allerdings sind bis heute über 370 Mutationen im ATP7B Gen beschrieben, so dass bei Nicht-Nachweis der H1069Q Mutation eine Komplettsequenzierung des ATP7B Gens erfolgt.
Bei Feststellung einer Mutation im ATP7B Gen des Patienten sollte eine Familienuntersuchung durchgeführt werden, um Träger des Gendefekts aufzuspüren.

Indikation
Patienten mit folgenden Vorbefunden
- unklarer Leberfunktionsstörung
- erniedrigtem Coeruloplasmin im Serum (<20 mg/dl)
- Kayser-Fleischer-Kornealring
- neurologischen / psychiatrischen Auffälligkeiten
- erhöhte Leberenzyme und erhöhte INR
- familiärer Häufung von Morbus Wilson
- erhöhtem Kupfer im 24h-Sammelurin (>70 g/Tag, bis zu >400 g/Tag)
- stark erhöhtem Kupfer im 24h-Sammelurin nach Gabe von D-Penicillamin

Abnahmebedingungen
Probenmaterial: EDTA-Blut (Sondermaterial nach Rücksprache)
Analysenfrequenz: wöchentlich
Befundübermittlung: innerhalb 1 Woche (in dringenden Fällen nach Rücksprache)
Anforderungsformular: Konsiliarbeleg

Störfaktoren
Keine

Literatur

(1) K. Petrukhin et al.,
Mapping, clonin and genetic characterization of the region containing the Wilson disease gene.
Nature Genetics 5: 338 ff. (1993)
(2) AWMF Leitlinie online zu Morbus Wilson
http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/030-091.htm
(3) P. Ferenci,
Regional distribution of mutations of the ATP7B gene in patients with Wilson disease: impact on genetic testing.
Hum Genet 120: 151ff. (2006)

Grumm   2011-08-02 17:49:44 Charité - Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie