Charité koordiniert Netzwerk der deutschen Universitätsmedizin zur Erforschung von COVID-19

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Auf Initiative der CharitéUniversitätsmedizin Berlin fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 150 Millionen Euro den Aufbau eines Forschungsnetzwerks, um die Forschungsaktivitäten der deutschen Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie-Krise zu bündeln und zu stärken. Die Charité wird dieses Netzwerk koordinieren.

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 stellt Deutschland vor die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg. Es bedarf einer bundesweiten Abstimmung nicht nur zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus, sondern auch zur Gewährleistung einer bestmöglichen medizinischen Versorgung für die Patientinnen und Patienten. Dabei hat ein schneller Erkenntnisgewinn hohe Priorität. Es bedarf dazu einer sehr leistungsfähigen Unterstützungsstruktur.

Hier setzt das Forschungsnetzwerk – ein Verbund aus perspektivisch allen deutschen Universitätskliniken – an. Auf Initiative von Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, und Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte, stellt das Bundesforschungsministerium dafür 150 Millionen Euro bereit. Erstmals sollen in einem Krisenfall bundesweit alle Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien der Universitätskliniken und weiterer Akteure des Gesundheitswesens systematisch zusammengeführt werden.

Prof. Kroemer sagt: „Mit dieser Initiative hat der Bund zum ersten Mal explizit die gesamte Universitätsmedizin bei einem drängenden gesundheitlichen und gesellschaftlichen Problem angesprochen. Im Gegensatz zu der üblichen wettbewerblichen Förderung einzelner Universitätskliniken versucht man also, das staatliche Potenzial koordiniert zu nutzen, um mit dieser Krise fertig zu werden. Das hat es in dieser Form in Deutschland noch nie gegeben.“

Prof. Drosten ergänzt: „Bei diesem Netzwerk geht es jetzt darum, die Forschung dorthin zu lenken, wo die Patienten sind: in die Universitätskliniken. Jemand wie ich, der in einem Universitätsklinikum in der Forschung arbeitet, spricht sowohl mit den Klinikern, die die Patienten behandeln, als auch mit den Experten im eigenen Fach, die bestimmte Fähigkeiten in der Forschung haben, aber weit weg von den Patienten sind. Die Unikliniken in ganz Deutschland nehmen also eine Vermittlerfunktion ein, die wir jetzt nutzen wollen.“

Im Rahmen des Forschungsnetzwerks werden die Universitätskliniken und andere Krankenhäuser schnell, qualitätsgesichert und schlagkräftig agieren können. Gerade innovative Methoden, wie beispielsweise die telemedizinische Behandlung von Patientinnen und Patienten mit COVID-19, können so nach erfolgreicher Erprobung schnell großflächig eingesetzt werden. Außerdem werden die Forschenden die Behandlung der COVID-19-Patienten standardisiert erheben, verfolgen und analysieren. Auf dieser Basis können Behandlungsoptionen, zum Beispiel für bestimmte Patientengruppen mit Vorerkrankungen, entwickelt werden. Vorhandene und neue Erkenntnisse sollen schnell und flächendeckend kommuniziert werden. So können sie zügig in die Praxis einfließen und die bestmögliche Behandlungsqualität sicherstellen. Der breite Datensatz wird darüber hinaus neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, die für die Impfstoff- und Therapieentwicklung, aber auch für das Pandemiemanagement, von hohem Nutzen sind.

Dazu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek:

„Die Initiative von Professor Kroemer und Professor Drosten kann bei der Bewältigung der Pandemie und damit bei der Behandlung von vielen schwer Erkrankten eine ganz wichtige Schlüsselrolle einnehmen. Diese Initiative ist einmalig in dieser Ausnahmesituation für unsere Gesellschaft. Wir brauchen die wirksamsten Ideen und Konzepte, um die Patientinnen und Patienten bestmöglich zu versorgen und gleichzeitig das Personal zu schützen. Die deutschen Universitätskliniken stehen bei der Entwicklung dieser Ideen und Konzepte an herausragender Stelle. Diese Expertise wollen wir noch stärker nutzen. Die Charité wird dieses Netzwerk koordinieren.

Es ist Folgendes geplant: Über die Initiative sollen die Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien möglichst aller deutschen Universitätskliniken zusammengeführt und ausgewertet werden. Das Ziel: voneinander und miteinander zu lernen. Denn die Corona-Epidemie ist eine Herausforderung, wie wir sie bislang nicht kannten. Im Ergebnis sollen Strukturen und Prozesse in den Kliniken geschaffen werden, die eine möglichst optimale Versorgung der COVID-19-Erkrankten sicherstellen. Die Universitätskliniken und die anderen Krankenhäuser werden dann schnell, qualitätsgesichert und schlagkräftig agieren können.

An perspektivisch allen Universitätskliniken werden zudem die Daten der behandelten COVID-19-Patienten systematisch erfasst und in einer Datenbank gebündelt. So können die Krankengeschichten oder auch Daten zur Konstitution der Erkrankten zusammengeführt werden. Zu dieser Datensammlung können zusätzliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht in der medizinischen Forschung tätig sind, hinzugeholt werden. Sie werden mit ihrer Forschung die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte flankieren. Mit Hilfe des breiten Datensatzes werden gewiss valide und sehr nützliche Erkenntnisse gewonnen werden können. Diese helfen bei der individuellen Behandlung der Patienten, beim Pandemiemanagement, aber auch bei der Impfstoff- und Therapieentwicklung.

Mit als erstes wird auch eine Nationale Task Force eingerichtet. Die Bundesregierung wird sich hier aktiv beteiligen. Die Task Force dient der Steuerung und Abstimmung zwischen der Universitätsmedizin und der Politik. Auch verschiedene andere wissenschaftliche Netzwerke sollen einbezogen werden. Die gute Beziehung zwischen Wissenschaft und Politik wollen wir so noch enger gestalten. Ich bin überzeugt: Dieses einmalige wissenschaftliche Projekt, diese Bündelung der Kräfte wird uns in der Behandlung und Erforschung von COVID-19 einen großen Schritt voranbringen. Ich danke Professor Kroemer und Professor Drosten für Ihre Initiative und wünsche Ihnen viel Erfolg. Und ich bin sicher, dass ich damit für sehr viele Menschen in unserem Land spreche.“