Definitionen
Neuroendokriner Tumor (NET)
Die Bezeichnung "neuroendokriner Tumor" ergibt sich aus
den Eigenschaften der Tumorzellen, die Ähnlichkeiten mit Nervenzellen
(Neuronen) einerseits und hormonproduzierenden (endokrinen) Zellen andererseits
besitzen. In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Namen für
diese Art von Tumoren verwendet. So wurde ein neuroendokriner Tumor
auch als APUDom, oder Carcinoid bezeichnet. Man spricht heute (nach
der Klassifikation der Welt-Gesundheitsorganisation) allgemein von endokrinen
Tumoren.
Ein Teil der Tumore ist in der Lage, Hormone oder Neurotransmitter
zu bilden und auszuschütten. Das Krankheitsbild ist dann durch
die Wirkung des ausgeschütteten Hormons gekennzeichnet. Abhängig
von der jeweiligen Hormonproduktion werden diese Tumore als Insulinome,
Gastrinome usw. bezeichnet. In diesem Fall spricht man von Funktionellen
neuroendokrinen Tumoren.
Werden keine Hormone ausgeschüttet so spricht man von Nicht-funktionellen
Tumoren.
Ein weiteres wichtiges Charakteristikum des Tumors ist das Wachstumsverhalten.
Langsam wachsende, nicht invasive Tumore werden als hoch differenzierte
neuroendokrine Tumore bezeichnet und sind in der Regel gutartig. Zeigen
diese Tumore invasives Wachstum, so werden sie als hoch differenziertes
neuroendokrines Karzinom bezeichnet. Bei schnellem Wachstum sind diese
Tumore als niedrig differenzierte neuroendokrine Karzinome klassifiziert.
Hormone
Hormone sind Botenstoffe, die von Hormon bildenden (endokrinen) Drüsen auf spezifische Reize hin, strikt geregelt, in das Blut abgegeben werden. Hormone gelangen im Blut an ihren Wirkort und lösen dort spezifische Wirkungen aus.
- Beispiele
Insulin wird in den ß-Zellen der Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet. Steigt die Konzentration von Glukose im Blut an so wird Insulin aus den ß-Zellen in das Blut abgegeben und führt, an den Insulin-empfindlichen Organen zur Aufnahme von Glukose und damit zur Senkung des Blutzuckers.
Gastrin stammt aus den G-Zellen des Magens. Nahrungszufuhr führt zu vermehrter Bildung und Ausschüttung von Gastrin in das Blut. Gastrin wirkt an den Parietal-Zellen der Magenschleimhaut und stimuliert dort die Bildung und Ausschüttung der Magensäure.
- Neurotransmitter
Neurotransmitter sind Stoffe, die von Nervenzellen gebildet und auf spezifische Reize hin in den Kontaktbereich zur nächsten Nervenzelle (Synaptischer Spalt) ausgeschüttet werden. Sie werden von der nachfolgenden Nervenzelle erkannt und lösen dann bestimmte Signale aus. Siehe Abbildung: Synapse und Neurotransmitter
- Tumormarker
Vom Tumor gebildete Substanzen, die in einer bestimmten Konzentration im Blut auf das Vorhandensein von Tumorzellen hinweisen. Die Höhe der Tumormarkerkonzentration dient als Hinweis auf die Masse der vorhandenen Tumorzellen.
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Epidemiologie
Neuroendokrine Tumore (NET) des gastroenteropankreatischen (GEP)
Systems sind mit 0,5-1 Neuerkrankung pro 100 000 Einwohner und Jahr
selten. Fast die Hälfte aller Tumore sind nonfunktionell (symptomlos).
Tumore des Vorderdarms (vor allem Bauchspeicheldrüse,
Magen und Zwölffingerdarm) verursachen nur in der Hälfte
aller Fälle Symptome, z.B. Unterzuckerungen bei überschießender
Insulinproduktion, häufige Magen- und vor allem Dünndarmgeschwüre
(Zollinger-Ellison-Syndrom) bei vermehrter Gastrinproduktion und starke
Durchfälle beim VIPom.
Tumore des Mitteldarms (Jejunum, Ileum und Coecum)
sind selten funktionell. Eine übermäßige Freisetzung
(Hypersekretion) von v.a. Botenstoffen des Nervensystems (Neurotransmitter,
z.B. Serotonin) führt zum Karzinoidsyndrom. Bei Vorliegen eines
Karzinoid Syndroms ist der Tumor in der Regel metastasiert.
Hinterdarmtumore sind immer non-funktionell.
Die Häufigkeitsverteilung der Mitteldarmtumore ("midgut")
nimmt vom Zwölffingerdarm zum Enddarm hin deutlich zu. 50% der
NET finden sich im Blinddarm, gefolgt von 15% im letzten Teilstück
des Dünndarmes (Ileum) und nur 4% im oberen Zwölffingerdarm.
Im Enddarm (Hinterdarm) sind 25% der NET anzufinden.
Neuroendokriner Tumor
NET des Magens
Die Diagnose eines neuroendokrinen Tumors des Magens erfolgt meist zufällig. In der Regel ist es die pathologische Aufarbeitung einer Probeentnahme oder eines kleinen, endoskopisch abgetragenen Polypen, die den Befund "neuroendokriner Tumor" ergibt. Wesentlich ist dann die Zuordnung zu den 4 unterschiedlichen Typen der neuroendokrinen Tumore des Magens, sowie die pathologische Klassifikation (WHO Klassifikation). Diese Zuordnung bestimmt das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen. Siehe hierzu die Abbildung Neuroendokrine Tumore des Magens
NET der Bauchspeicheldrüse
Funktionelle NET der Bauchspeicheldrüse
Insulinom
Wenn die neuroendokrinen Tumorzellen vorwiegend Insulin ausschütten,
ein körpereigenes Hormon, das den Zuckerstoffwechsel reguliert,
spricht man vom Insulinom. Die Inzidenz (Erstdiagnose/100 000
Menschen/Jahr) ist etwa 0,1-0,4/ 100 000/Jahr. Männer und
Frauen sind gleichermaßen betroffen. Insulinome treten in
jedem Alter auf. Neunzig Prozent der Insulinome sind klein (<2
cm) und gutartig. Sie finden sich ausschließlich in der
Bauchspeicheldrüse. Sehr selten treten multiple, synchrone
oder metachrone Insulinome auf. In diesen Fällen sollte eine
multiple endokrine Neoplasie Typ 1 (MEN-1) ausgeschlossen werden.
Die typischen Beschwerden sind wiederkehrende Unterzuckerungen
und eventuell neurologische und psychiatrische Veränderungen.
Insulinome sind sehr kleine Tumore. Ihr Nachweis ist daher oft
schwierig. Da Insulinome ausschließlich in der Bauchspeicheldrüse
vorkommen, kann die Diagnose durch eine Endosonographie gestellt
werden. Die diagnostische Vorgehensweise ist in der Abbildung
Diagnostik des Insulinoms dargestellt.
Die Therapie ist in erster Linie operativ. Ist diese nicht möglich,
so dient die medikamentöse Therapie zur Unterdrückung
der Ausschüttung von Insulin: Dies ist möglich mit Tabletten
(z.B. Diazoxid) oder Spritzen (z.B. Somatostatinanaloga). Zur
Hemmung des Tumorwachstums wird die Chemotherapie eingesetzt.
Gastrinom
Ausgeprägte (90-95% aller Patienten) Geschwüre (Ulzerationen)
sind das Leitsymptom der Gastrinome. Insbesondere das Wiederauftreten
von Geschwüren nach operativer Magenteilentfernung, sowie
Komplikationen der Geschwürkrankheit wie Blutungen aus dem
Magen-Darm-Trakt und perforierten Geschwüren (Magendurchbruch)
weisen auf ein Gastrinom hin. Der vermehrt in die Speiseröhre
zurückfließende Magensaft führt zu Sodbrennen.
Zusätzlich können Durchfälle auftreten.
Die Inzidenz des Gastrinoms beträgt 1-5/1 Million/Jahr,
die Prävalenz wird mit 0,1 % aller Patienten mit Ulzera duodeni
angegeben. Der Manifestationszeitraum liegt zwischen dem 2.-5.
Lebensjahrzehnt. Das Intervall zwischen ersten Symptomen und Diagnosesicherung
beträgt 4-6 Jahre. 60 % der sporadischen Gastrinome sind
bösartige, jedoch gut differenzierte Tumore mit einer Wachstumsfraktion
<10 %. Schnell wachsende, bösartige Tumore finden sich
in 25 % der Gastrinome. Rund 25% aller Gastrinome sind Teil eines
MEN-1. Bei Diagnose sind bis zu 2/3 der Gastrinome bereits metastasiert.
Zwischen 30-50% der Gastrinome liegen außerhalb der Bauchspeicheldrüse.
Der Tumor ist dann meist in der Duodenalwand zu finden und oft
nur wenige mm groß.
Das diagnostische Vorgehen bei Gastrinomen ist in Abbildung
Diagnose des Gastrinoms dargestellt.
Primäre Therapie ist die Operation.
Bei Inoperabilität und progressiver Erkrankung ist die Chemotherapie
mit Streptozotocin und 5-FU oder Doxorubicin das Mittel der Wahl.
Rund 50% der Patienten erreichen damit eine Verbesserung der Überlebenszeit.
Die symptomatische Therapie erfolgt mit Protonen Pumpen Inhibitoren
(PPI). PPIs hemmen in nahezu allen Patienten erfolgreich die Säuresekretion
und damit die klinische Symptomatik des Gastrinoms.
Andere funktionelle neuroendokrine Tumore der Bauchspeicheldrüse
Andere funktionelle Tumore der Bauchspeicheldrüse sind
extrem selten. Ein Vipom bildet Vasoaktives Intestinales Polypeptid
und schüttet dieses Hormon ungeregelt aus. In der Folge kommt
es zu schweren Durchfällen. Beim Glukagonom wird Glukagon
ausgeschüttet. Leitsymptom ist ein schweres Exanthem (Exanthema
necrolytica migrans) und eine Erhöhung des Blutzuckers.
Nicht-Funktionelle Tumore der Bauchspeicheldrüse
35-50 % der neuroendokrinen Tumore der Bauchspeicheldrüse
sind nicht-funktionell. Sporadische Tumore werden zwischen dem
5.-6. Lebensjahrzehnt manifest, ohne Geschlechtspräferenz.
Nicht-funktionelle Tumore können, vor allem bei MEN-1, multipel
vorliegen und dann auch gleichzeitig mit funktionellen Pankreastumoren
auftreten. Bei fehlender Funktionalität erfolgt die Diagnose
relativ spät. Erste Symptome - abdominelle Schmerzen (35-55
%), ein tastbarer Tumor (10-40 %), Gewichtsverlust (30-45 %) -
sind durch das raumfordernde Tumorwachstum bedingt. Bis zu 25
% der Tumore werden zufällig als „Inzidentalom des
Pankreas“ diagnostiziert.
Für die Diagnose ist die Abgrenzung gegen ein Bauchspeicheldrüsen
Karzinom wichtig. Hierzu wird die Somatostatin Rezeptor Szintigraphie
eingesetzt. Die weitere Diagnostik wird entsprechend der Abbildung
Diagnose des Nicht-funktionellen neuroendokrinen Tumors der Bauchspeicheldrüse
durchgeführt. Erhöhte Serum Konzentrationen der Tumormarker
Chromogranin A oder pankreatisches Polypeptid können die
Diagnose „Neuroendokriner Tumor“ stützen.
Funktionelle und Nicht-funktionelle NET des Dünndarms
Bei nicht-funktionellen Dünndarmtumoren weisen Patienten
- auch bei großer Tumormasse - häufig nur wenig Symptome
auf. Das Gewicht bleibt konstant und selbst bei ausgedehnter Absiedlung
von Tumorzellen in die Leber (Metastasierung) ist die Leberfunktion
meist erhalten. Erst in einem sehr späten Stadium kommt es
zu weiteren Tumorabsiedlungen zum Beispiel in den Knochen.
Das häufigste Erstsymptom von Patienten mit nicht-funktionellen,
neuroendokrinen Tumoren des Dünndarms sind intermittierende
abdominelle Beschwerden im Sinne einer Stenosesymptomatik (Enge,
Passagehindernis) bis hin zum kompletten Darmverschluß, der
eine notfallmäßige Einweisung mit anschließender
Operation zur Folge hat. Untere gastrointestinale Blutungen sind
als Erstsymptom selten. Weitere allgemeine Symptome einer Tumorerkrankung
sind eine Gewichtsabnahme und eine Abnahme der allgemeinen Leistungsfähigkeit.
Bei einer Funktionalität neuroendokriner Tumore des Dünndarms
liegen Fernmetastasen vor. Die häufigsten Symptome sind hierbei
Durchfälle (70 %), einschießende Hitze und Rötung
im Gesicht (Flush, 65 %) und Asthma (8 %). Die Diagnose des Flush
kann schwierig sein. Wichtig ist, dass der Flush nur in der oberen
Körperhälfte, v. a. im Bereich des Gesichtes, Halses und
des oberen Brustbeins (dort V-Ausschnitt-ähnliche Verteilung)
beobachtet wird. Ein Flush korreliert mit dem Nachweis von Lebermetastasen
und einer krankhaften Erhöhung der 5- Hydroxy-Indol-Essigsäure
(5-HIES) Ausscheidung im Urin. Normalbefunde dieser beiden Parameter
schließen einen neuroendokrin-bedingten Flush aus.
Die Diagnostik erfolgt entsprechend Abbildung Diagnose des neuroendokrinen
Tumors des Mitteldarms
NET des Blinddarms
Neuroendokrine Tumore des Blinddarms sind die häufigsten Neuroendokrinen Tumore des Mitteldarms. Sie werden meist zufällig im Rahmen einer Appendektomie (Blinddarmentfernung) festgestellt. Weist der Tumor eine Grösse < 1 cm auf und wächst nur langsam, lässt sich darüber hinaus kein Einwachsen in die umgebenden Strukturen nachweisen, so sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Der Patient ist durch die Entfernung des Blinddarms geheilt. Treffen diese Kriterien nicht zu, so sollte eine Hemicolektomie, d.h. die Entfernung eines Teils des Dickdarms als zweite Operation durchgeführt werden. Neuroendokrine Tumore des Blinddarms sind meist Nicht-funktionelle Tumore.
NET des Hinterdarms
Hinterdarmtumore finden sich im Dickdarm, Rektum und Enddarm. Sie sind nie funktionell. Sie werden meist zufällig, im Rahmen einer Routineuntersuchung des Darms, oder bei Abklärung einer Blutung aus dem Darm diagnostiziert. Die Therapie ist abhängig von der Größe des Tumors, seiner Wachstumsgeschwindigkeit und der Tumorausdehnung bei Diagnose.
Diagnostische Methoden
Verschiedene bildgebende Verfahren werden eingesetzt, um den Tumor
oder die Tochtergeschwülste (Metastasen), sowie vergrößerte,
vom Tumor befallenen Lymphknoten darzustellen.
Als am wenigsten belastendes Verfahren steht die Oberbauchsonographie
(Ultraschall), und bei erfahrenen Untersuchern auch die Darmsonographie
zur Verfügung. Der erfahrene Untersucher kann mit dem Ultraschall
kleinere Strukturen darstellen als das Computertomogramm (CT). Das
CT kann in fortgeschrittenen Fällen den Primärtumor besonders
gut darstellen, auch ist hier der Einsatz von Kontrast-verstärkenden
Mitteln einfach möglich.
Der Nachweis der charakteristischerweise stark mit Gefäßen
versorgten Lebermetastasen im Computertomogramm oder Ultraschall legt
bereits aufgrund deren Struktur den Verdacht auf einen neuroendokrinen
Tumor nahe. Unterscheiden sich Metastasen in ihrer Struktur nicht
oder nur wenig vom umgebenden Gewebe, so kann eine MRT (Kernspintomographie)
als weitere diagnostische Maßnahme erforderlich sein. Verdächtige,
Darmwand-nahe Strukturen können mit einer Kombination von Ultraschall
und Endoskopie (Endosonographie) genau untersucht werden. Zusätzlich
kann, bei Vorhandensein von Somatostatin Rezeptoren (Oberflächenstrukturen
der Tumorzellen) ein nuklearmedizinisches Verfahren, die Somatostatin
Rezeptor Szintigraphie (SRS), zum Nachweis von Tochtergeschwülsten
oder einem bislang unbekannten Ursprungstumor eingesetzt werden.
Für eine genaue Beschreibung der einzelnen Untersuchungsverfahren
klicken Sie bitte die entsprechenden Links an.
Kernspintomographie (MRT)
Die Kernspintomographie oder auch Magnetresonanz-Tomographie
(MRT) ist das neuste schnittbildgebende Verfahren in der medizinischen
Radiologie. Für die MRT liegt der Patient in einer engen
Röhre. Ein starkes Magnetfeld richtet Protonen des Körperwassers
entlang der Feldlinien aus. Mit Radiowellen im Kurzwellenbereich
wird die Ausrichtung der Protonen gestört und diese zu Schwingungen
angeregt. Diese Schwingungen erzeugen schwache Signale, die das
Gerät mit empfindlichen Antennen ortet. Verschiedene Gewebe
erzeugen charakteristische und unterschiedlich starke Signale.
Diese Signale werden in Grauwerte umgesetzt und in einem elektronischen
Bild eingetragen. So entstehen aus diesen Signalen Schnittbilder
des Körpers in jeder beliebigen Raum-Orientierung.
Vorteile gegenüber der CT bietet die Methode bei der Beurteilung
von Gehirn, Rückenmark, Bandscheiben und des Bewegungsapparates
(insbesondere der Gelenke), sowie in der allgemeinen Weichteildiagnostik,
wie z.B. bei der Leberdarstellung mit bestimmten Kontrastmitteln.
Die Kontrastmittel werden intravenös zur Beurteilung der
Durchblutung von Organen oder enteral (Kontrastmittel wird getrunken)
zur Beurteilung der Darmstrukturen eingesetzt. Auch ist eine detaillierte
Gefäßdarstellung mittels MRT möglich.
Bis heute konnten keine Schäden an Patienten durch die Magnetfelder
oder die zur Anregung der Protonen notwendigen Hochfrequenzfelder
bei MRT-Untersuchungen nachgewiesen werden. Interferenzen gibt
es aber mit Herzschrittmachern und implantierten Medikamenten-Dosiergeräten.
Patienten mit solchen Geräten dürfen in der Regel nicht
untersucht werden. Auch sollten Patienten mit Metall-Clips an
Gefäßen nach Operationen nicht untersucht werden (Gefahr
der Dislokation der Clips). Künstliche Herzklappen (auch
ältere Modelle) geben in der Regel keine Probleme, der Patient
muss während der Untersuchung aber genau beobachtet werden.
Zahnplomben, implantierte Gelenksprothesen sowie Metallimplantate
nach Frakturen führen zu lokalen Bildstörungen, die
Untersuchung kann aber in der Regel ohne Gefahr durchgeführt
werden. Metallsplitter in den Weichteilen (von Kriegsverletzungen
oder Arbeitsunfällen) erfahren im Magnetfeld zum Teil erhebliche
Kräfte und können so schmerzhaft werden, dass die Untersuchung
nicht durchgeführt werden kann.
Weitere Informationen zur Magnetresonanz-Tomographie (MRT) können
auf den Internet-Seiten von medicine worldwide oder von NetDoktor.de
gefunden werden.
Endosonographie
Die Endosonographie ist eine Kombination der Untersuchungsverfahren
Gastroskopie (Magenspiegelung) und Sonographie (Ultraschall).
Hierbei befindet sich an der Spitze des flexiblen Endoskops ein
Ultraschallkopf, der direkt auf die zu untersuchenden Strukturen
(z.B. Magenwand) aufgesetzt werden kann. Mit der Endosonographie
können Tumore im Bereich der Magenwand und der Wand des Zwölffingerdarms
(Duodenum) mit hoher Auflösung (bis zu wenigen Millimetern)
dargestellt werden. Die Sensitivität dieser Technik beträgt
für neuroendokrine Tumore des Pankreas 80-100 % und für
Tumore im Bereich der Duodenal- und Magenwand über 50-80%.
Mit dem endoskopischen Ultraschall ist neben der genauen Bestimmung
der Tumorgröße auch die Erfassung der Tumorausbreitung
in benachbarte Strukturen wie z. B. Lymphknoten oder auch Gefäße
möglich.
Endosonographisches Bild der Magenwand:
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Aufgrund der hohen lokalen Auflösung ist es möglich, die Wand des
Gastrointestinaltraktes in die Unterschichten Mukosa (Schleimhaut),
Submukosa (Bindegewebe unter der Schleimhaut) und Muscularis
(Muskulatur) aufzuteilen [siehe Abbildung], womit lokal
infiltrative Prozesse, z.B. maligne Tumore, in sehr frühen
Stadien sichtbar gemacht werden können.
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Endoskop mit integrierter Ultraschallsonde:
Weitere Informationen zur Endosonographie erhalten Sie auch auf
den Seiten Zentrale Interdisziplinäre Endoskopie der Medizinischen
Klinik m. S. Hepatologie und Gastroenterologie der Charite,
CVK.
Somatostatin Rezeptor Szintigraphie
Grundlage für die Somatostatin Rezeptor Szintigraphie stellt das Vorhandensein von Bindungsstellen für Somatostatin dar. Mit dem Einsatz eines Radiopharmakon [111In-DTPA-D-Phe1]-Octreotide (111In-Pentetreotide), auch unter dem Handelsnamen Octreoscan® bekannt, lassen sich die, auf den Zellmembranen von neuroendokrinen Tumoren lokalisierten Somatostatin Rezeptoren nachweisen. Mit der Somatostatin Rezeptor Szintigraphie können zum Beispiel Gastrinome in mehr als 90 % der Fälle erfasst werden. Bei Insulinomen hat dieses Verfahren keinen Stellenwert. Der Vorteil der Somatostatin Rezeptor Szintigraphie ist die Darstellung des ganzen Körpers. So können durch diese Untersuchung Hinweise auf eine Krankheitsbeteiligung von Organen gewonnen werden für die in anderen schnittbildgebenden Verfahren noch kein Hinweis auf eine Krankheitsbeteiligung vorlag.
Computertomographie (CT)
Diese Technik wird seit Ende der 70er-Jahre eingesetzt. Der Patient
/ die Patientin liegt auf einem Tisch, der durch ein bogenähnliches
Gerät geschoben wird. Eine Röntgenquelle mit gegenüberliegendem
Detektorsystem umkreist den Patienten / die Patientin und misst
bei jedem Grad ein Abschwächungsprofil einer dünnen
Schicht des Körpers (1 - 10 mm dick). Aus den gemessenen
Abschwächungsprofilen eines vollen Kreises kann eine Schichtaufnahme
berechnet werden, die dann auf einem Bildschirm elektronisch angezeigt
wird. Die Schichten entsprechen dabei Querschnitten (axiale resp.
transversale Schichten) des Körpers. Die Messung einer Schicht
dauert ca. 1 - 3 Sekunden, danach wird der Tisch für die
Messung der nächsten Schicht verschoben. Die Computertomogramme
weisen im Vergleich zu den konventionellen Röntgenbildern
eine höhere Auflösung der Gewebedichte auf. Die Computertomografie
wird oft als Untersuchung vor und nach intravenöser Kontrastmittelgabe
durchgeführt, da die damit erfassbare Durchblutung der Organe
ein wesentliches Element der Diagnostik darstellt. Für Untersuchungen
des Bauchraumes muss der Patient / die Patientin zusätzlich
ein Kontrastmittel trinken. Die Kontrastmittel gefüllten
Därme können dann von anderen Strukturen unterschieden
werden. Bei neueren Geräten kann die Bewegung der Röntgenröhre
mit der Bewegung des Tisches gekoppelt werden, die Aufnahme der
Abschwächungsprofile erfolgt dann in Form einer spiraligen
Abtastung des Körpers. Auf diese Weise kann in 20 - 30 Sekunden
das ganze Volumen untersucht werden. Aus den Volumendaten lassen
sich auch Schichten berechnen, die nicht in der transversalen
Ebene liegen. In Kombination mit intravenöser Kontrastmittelgabe
erlaubt diese Technik auch die überlagerungsfreie Darstellung
von Gefäßen.
Weitere Informationen zur Computertomographie können auch
zum Beispiel auf den Internet-Seiten vom Krebsinformationsdienst
des deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg oder von NetDoktor.de
gefunden werden.
Ultraschalluntersuchung (auch Sonografie oder Echografie genannt)
Seit Anfang der 70er-Jahre können Bilder des menschlichen
Körpers mit Ultraschall aufgenommen werden. Dabei werden
Ultraschallwellen im Frequenzbereich von 2 bis 15 Megahertz eingesetzt,
die bei der verwendeten Intensität für normale Gewebe
unschädlich sind. Piezo-Kristalle im Schallkopf des Untersuchungsgerätes,
der auf der Haut aufliegt, erzeugen unhörbare Schwingungen,
die von den Grenzflächen der Organe im Innern des Körpers
reflektiert werden. Aus der Laufzeit der Wellen zwischen Aussenden
und Empfangen kann, bei bekannter Schallleitgeschwindigkeit, die
Distanz zur reflektierenden Struktur berechnet werden. Durch extrem
schnelle Auswertung der Vielzahl von reflektierten Echos (daher
auch der Name Echografie) und durch rasches Repetieren der Schallerzeugung
kann ein dynamisches Schnittbild des Körpers berechnet werden,
das auch Bewegungen der Organe beurteilen lässt. Die Ultraschalluntersuchung
wird heute hauptsächlich zur Beurteilung der Bauch- und Beckenorgane,
der oberflächlichen Weichteile aller Körperregionen,
der Muskulatur sowie der Sehnen und der Gelenkskapseln eingesetzt.
Mit Spezialsonden kann auch die Herzdynamik beurteilt werden.
Beim Doppler-Ultraschall wird die Frequenzverschiebung der von
Blutkörperchen im fließenden Blut reflektierten Echos
ausgewertet. Die Frequenzverschiebung ist proportional zur Fliessgeschwindigkeit
des Blutes und erlaubt eine Beurteilung des pulsatilen Verhaltens
der Blutströmung in Venen und Arterien. Neuere Geräte
erlauben eine Darstellung der Blutströmung auf einem dynamischen
Ultraschall-Schnittbild als farbige Strukturen, wobei die Farbe
die Strömungsrichtung und die Farbintensität die Geschwindigkeit
des fließenden Blutes anzeigen (Farb-Doppler). Auf diese
Weise können auch Turbulenzen in Gefäßen in der
Nähe von arteriosklerotischen Wandauflagerungen nachgewiesen
werden.
Weitere Informationen zum Ultraschallverfahren können zum
Beispiel auf den Internet-Seiten von NetDoktor.de gefunden werden.
Sekretin Test
Zur Diagnose des Gastrinoms wird die Konzentration des Gastrins
im Blut gemessen. Bei massiv erhöhten Werten ist die Diagnose
nahezu eindeutig. Ergänzend kann bei mittlerer Erhöhung
des Gastrins (zwischen 150-1000 pg/ml (71-475 pMol/L)) noch ein
Stimulationstest (Sekretin-Test) durchgeführt werden. Eine
weitere Möglichkeit besteht im Nachweis der massiv gesteigerten
Magensäureproduktion.
Die Kombination eines Nüchtern-Gastrinwertes > 1000 pg/ml
(475 pMol/L) mit einem intragastralen pH < 2,5 ist beweisend
für ein Gastrinom. Bei der Bestimmung des Gastrins muss beachtet
werden, dass Medikamente, die die Säureproduktion hemmen
mindestens 24 Stunden (H2-Rezeptor Antagonisten; z.B. Ranitidin)
bzw. 5 Tage (Protonen Pumpen Inhibitor (PPI); z.B. Antra) vor
der Untersuchung abgesetzt werden müssen.
Therapiemöglichkeiten
Oberstes Behandlungsziel bei neuroendokrinen Tumoren ist die komplette
Entfernung des Tumors. Da die NET häufig sehr langsam wachsen,
ist zumindest bei kleineren Tumoren die Aussicht auf eine komplette
Heilung durch Operation gegeben.
Ist eine Totalentfernung nicht mehr möglich, so kann eine Operation
zur Verringerung der Tumormenge durchgeführt werden. Auch einzelne
Lebermetastasen können operativ entfernt werden.
Lassen sich in der Leber mehrere Metastasen nachweisen, kommt eine
Therapie durch Embolisation oder Chemoembolisation der Metastasen in
Frage. Hierbei werden die Gefäße, die den Tumor oder die
Metastase versorgen mit kleinen "Kügelchen" "verstopft".
Bei der Chemoembolisation wird zusätzlich ein Chemotherapeutikum
eingebracht, welches an der Stelle der Metastase seine Wirkung entwickelt.
Bei ausgebreiteterer Erkrankung kommt eine systemische Chemotherapie
in Frage. Hierzu werden, je nach Beschaffenheit der Tumorzellen, verschiedene
Medikamente über die Vene gegeben. In der Regel wird die Behandlung
an mehreren aufeinander folgenden Tagen durchgeführt und nach einer
behandlungsfreien Pause wiederholt.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei fortgeschrittenen Tumoren
ist eine Art "innere Bestrahlung" die sogenannte Radio Rezeptor
Therapie. Hierbei wird ein strahlendes Medikament (Radiopharmakon) an
ein Somatostatinanalogon gekoppelt. Nach Injektion in die Vene, wirkt
das Medikament nur an den Tumorzellen, die über Bindungsstellen
(Rezeptoren) für das Somatostatinanalogon verfügen. Diese
Therapie ist zur Zeit nur im Rahmen von klinischen Studien verfügbar.
Bei symptomatischen, funktionellen Tumoren kommt die Biotherapie zum
Einsatz. Sie hemmt die überschießende Ausschüttung von
Hormonen (Somatostatin und seine verwandten Stoffe Octreotid und Lanreotid
oder Interferon-A).
Somatostatin ist ein körpereigner Botenstoff (Neurotransmitter)
mit einer hemmenden Wirkung auf die Hormonfreisetzungen und auf die
Freisetzung von Magen- und Bauchspeicheldrüsensäften. Octreotid
ist ein künstliches Produkt, das sich durch eine längere Wirkdauer
auszeichnet. Es wird üblicherweise ein- bis dreimal täglich
in die Bauchdecke gespritzt. Neuerdings gibt es eine Zubereitung, die
nur noch einmal pro Monat in den Muskel gespritzt wird.
Unter dieser Medikation ist es möglich die typischen Symptome
wie "Flush" und Durchfälle zum Verschwinden zu bringen.
Zusätzlich scheint es so zu sein, dass das Medikament das Tumorwachstum
hemmt.
Interferon-alpha wird ebenfalls zur Hemmung des Wachstums und der Symptome
der NET, entweder als Einzeltherapie, oder in Kombination mit den Somatostatinanaloga,
eingesetzt. Üblicherweise wird Interferon 3x wöchentlich in
die Bauchdecke injiziert. Die Dosierung wird anhand der Zahl der weißen
Blutkörperchen, die unter der Therapie abfallen können eingestellt.
Bei den Gastrinomen wird als spezielle Therapie zusätzlich eine
Blockade der Säureproduktion mit sogenannten Protonenpumpenhemmern
(z.B. Omeprazol) durchgeführt.
Alternative Therapien
Echte Alternativen zu den oben genannten Therapien sind leider nicht vorhanden. Als begleitende Maßnahmen können das Immunsystem stärkende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Misteltherapie oder Homöopathie, genannt werden. Allerdings gibt es keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über den wahren Nutzen einer solchen Behandlung.
Begleitend
- Misteltherapie
- Homöopathie
Externe Links
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Bild A Feingewebliches Präparat eines
neuroendokrinen Tumors des Dünndarms |
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| Bild B Ultraschalldarstellung eines neuroendokrinen
Tumors (T) des Dünndarms (Ileum) und einer Metastase (M) |
P = Primarius, Tumor des Mitteldarms
M = Metastase des Tumors, ebenfalls im Darm gelegen
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| Bild C Synapse mit Neurotransmitter |
Endokrinologie Berlin
Die Endokrinologie im Interdisziplinären Stoffwechsel-Centrum deckt das gesamte Spektrum der Endokrinologie ab. Arbeitsschwerpunkte bilden Tumorerkrankungen des endokrinen Systems wie z.B. Hypophysen Tumore, Endokrine Tumore des Gastrointestinaltrakts, Multiple Endokrine Neoplasie, Schilddrüsen Tumore, Tumore der Nebenschilddrüse, Tumore der Nebenniere.
In dieser Rubrik finden Sie Einen allgemeinen Überblick über die Hypophyse, Informationen über Hypophysentumore, Einen allgemeinen Überblick über Neuroendokrine Tumore, Wissenswertes über die Schilddrüse, Informationen über die Nebenschilddrüse
Endokrinologie Berlin:
Phenylketonurie (PKU)
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