Pressemitteilung

23.12.2011

Trauma-Ambulanzen für Gewaltopfer

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Berliner und Berlinerinnen, die Gewalterfahrungen verarbeiten müssen, erhalten ab sofort psychotherapeutische Unterstützung an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin. Dies haben die Charité und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) jetzt vereinbart. Die Charité eröffnet zu Jahresbeginn eine Trauma-Ambulanz für Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrungen an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Erwachsene Gewaltopfer können sich an die Trauma-Ambulanz in der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig Krankenhaus wenden.

Charité und LAGeSo setzen damit Vorschriften des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) um. Ziel des Gesetzes ist es, die körperliche und seelische Gesundheit von Gewaltbetroffenen so weit wie möglich wiederherzustellen. „In den ersten Wochen nach einer Gewalttat kann man noch sehr viel tun, um psychische Spätfolgen bei den Opfern abzuwenden“, erklärt Prof. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Wir bieten Erstgespräche zur Krisenintervention und können in Absprache mit dem LAGeSo die Betroffenen auch an andere Einrichtungen vermitteln.“

Sinnvoll und wichtig sind solche Gespräche für Menschen, deren Gewalterfahrung erst wenige Tage oder Wochen zurückliegt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Opfer selbst Verletzungen davongetragen oder eine Gewalttat beobachtet hat. „Beides kann traumatische Folgen haben“, sagt Prof. Heinz. Das LAGeSo trägt zunächst die Kosten für bis zu fünf Termine, bei denen speziell ausgebildete Ärztinnen und Ärzte oder Psychologen den genauen Sachverhalt ermitteln und eine Diagnose stellen.  Danach wird über weitere Behandlungsmöglichkeiten entschieden.

Opfern von Gewalt fällt es häufig schwer, therapeutische Angebote zeitnah in Anspruch zu nehmen. Scham- und Schuldgefühle, tragen erheblich dazu bei, dass Patienten häufig erst dann in die Klinik kommen, wenn die Folgestörungen eines Traumas bereits chronisch sind. „Die neue Ambulanz bietet mit ihrem therapeutischen Konzept, schneller Terminvergabe und unkomplizierter Kostenübernahme ein auf diese Patientengruppe speziell zugeschnittenes Angebot“, sagt Dr. Olaf Schulte-Herbrüggen, der die Traumaambulanz der Erwachsenenpsychiatrie leitet.

Bei Kindern und Jugendlichen werden die Bezugspersonen ebenfalls in die Therapie integriert. „Das ist von zentraler Bedeutung“, erklärt die verantwortliche Fachärztin Dr. Sibylle Winter. „Wenn die Bezugspersonen unterstützt werden, können  auch Kinder traumatische Erlebnisse besser verarbeiten.“  Die Aufgabe der beiden Ambulanzen ist es, sich um Opfer oder Zeugen von Überfällen, Messerstechereien, aber auch häuslicher Gewalt und Kindesmisshandlung zu kümmern. Die Charité kooperiert schon seit geraumer Zeit mit Jugendämtern verschiedener Bezirke, um Kinder in solchen Grenzsituationen optimal unterstützen zu können. Die so genannte Kinderschutzgruppe hat als Aufgabe das Erkennen von Gefährdungen des Kindeswohls im Rahmen der medizinischen Arbeit. Dabei geht es um den Schutz der Kinder, aber auch um die kompetente Unterstützung der Familien „Die Trauma-Ambulanz ist ein weiterer Baustein in diesem Netzwerk“, erklärt Dr. Winter.

Seit Jahren engagiert sich die Charite für Opfer von Gewalt. In Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt werden Frauen, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, an allen drei Rettungsstellen von speziell geschultem Personal betreut. Dabei geht es auch um die gerichtsverwertbare Dokumentation des Verbrechens. Für Folteropfer hat die Charité im Rahmen einer Kooperation mit dem „Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer“ tagesklinische Plätze an der Psychiatrischen Universitätsklinik im St. Hedwig Krankenhaus eingerichtet. „Für all diese Projekte stellt die Charité jährlich einen sechsstelligen Betrag zur Verfügung, ohne dass die Kosten in jedem Fall erstattet werden“, erklärt Dr. Helmar Wauer, Kaufmännischer Leiter des Klinikums. „Aber das gehört zur gesellschaftlichen Verantwortung der Charité in Berlin.“

Eine Terminvereinbarung in beiden Ambulanzen ist ab dem 01.01.2012 zu folgenden Zeiten möglich:

Trauma-Ambulanz für Kinder und Jugendliche: (030) 450-566-229
Montag und Dienstag: 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr
Mittwoch: 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Donnerstag und Freitag: 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Trauma-Ambulanz für Erwachsene: (030) 23 11 - 18 80 
Montag bis Freitag: 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr

Kontakt

Claudia Peter
GB Unternehmenskommunikation
t: +49 30 450 570 503
    



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