Pressemitteilung

28.10.2013

Schützen Allergien den Menschen vor Vergiftungen?

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Wissenschaftler betrachten Immunsystem in ganz neuem Licht

Für Allergiker ist das Gift einer Biene unter Umständen lebensbedrohlich – es kann einen anaphylaktischen Schock verursachen bis hin zu einem tödlichem Kreislaufversagen. Jüngste Forschungsergebnisse legen die Vermutung nahe, dass eine solche Reaktion die überschießende Antwort des Immunsystems ist, welches eigentlich den Organismus vor der Wirkung des Giftes schützten will. Die Studie, die von Wissenschaftlern der CharitéUniversitätsmedizin Berlin in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Stanford University School of Medicine durchgeführt wurde, ist in der aktuellen Ausgabe des medizinischen Fachjournals Immunity* veröffentlicht.

"Jeder Mensch, der einmal Opfer oder Zeuge einer anaphylaktischen Reaktion auf einen Bienenstich war, wird sich fragen, warum die Evolution eine solch potentiell tödliche Immunantwort nicht abgeschafft hat", sagt Prof. Dr. Martin Metz, Facharzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité und einer der beiden Leiter der Studie. "Wir konnten jedoch an Mäusen zeigen, dass die Entwicklung von bestimmten Botenstoffen des Immunsystems, den lgE-Antikörpern, in Reaktion auf Bienen- und Schlangengift die Mäuse bis zu einem gewissen Grad vor eben diesen Giften schützt."

In ihren Untersuchungen injizierten die Wissenschaftler Mäusen Bienengift in einer kleinen, nicht lebensbedrohlichen Dosis. Einer Kontrollgruppe von Mäusen wurde indessen eine Salzlösung verabreicht. Im weiteren Verlauf des Versuchs wurde den Mäusen eine höhere Dosis an Bienengift – fünf Bienenstichen entsprechend – injiziert. Während von den Kontrollmäusen viele starben, waren die anderen offenbar durch die erste, schwächere Dosis des Gifts immunisiert, ähnlich dem Wirkprinzip einer Impfung. Des Weiteren zeigten die Wissenschaftler, dass die Immunantwort über die lgE-Antikörper und die sogenannten Mastzellen, ebenfalls spezielle Zellen der körpereigenen Abwehr, vermittelt wird. Denn Mäuse, bei denen diese Zellen gentechnisch ausgeschaltet waren, entwickelten keinen Schutz vor dem Bienengift.

"Unsere Daten unterstützen die Hypothese, dass sich Allergien letztendlich entwickelt haben könnten, um uns vor giftigen Substanzen der Umwelt zu schützen. Durch Niesen, Husten, Erbrechen und eine laufende Nase entledigt sich der Körper letztendlich der schädlichen Substanzen", kommentiert Prof. Metz die Ergebnisse. "Möglicherweise besitzen Menschen, die eine sehr schwere Reaktion der lgE-Antikörper bis hin zu einem anaphylaktischen Schock ausbilden, eine besondere genetische Veranlagerung."

*Thomas Marichal, Philipp Starkl, Laurent L. Reber, Janet Kalesnikoff, Hans C. Oettgen, Mindy Tsai, Martin Metz and Stephen J. Galli. A Beneficial Role for Immunoglobulin E in Host Defense against Honeybee Venom, Immunity (2013). http://dx.doi.org/10.1016/j.immuni.2013.10.005.

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Kontakt

Prof. Dr. Martin Metz
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 518 419



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