
Etwa jede 10. Frau erkrankt in ihrem Leben an einem Mammakarzinom. Wenn
auch ausgesprochen selten, kann Brustkrebs auch bei Männern auftreten.
Neben der Operation, der Hormontherapie und der Chemotherapie erhalten die
meisten Patientinnen (und Patienten) eine Bestrahlung der Brust.
Die optimale Therapie des Mammakarzinoms ist von vielerlei Faktoren abhängig und
einem steten Wandel unterworfen. Tumorzentren, wie
das interdisziplinäre
Brustzentrum der Charité oder anderer Kliniken haben den Anspruch
Innovation und Qualität zu vereinen und das individuell abgestimmte
Therapiekonzept in interdisziplinären Konferenzen im Beisein von
Fachvertretern aller beteiligten Disziplinen zu besprechen und festzulegen.
Prinzipiell kann eine Bestrahlung vor der Operation (präoperativ, neoadjuvant), während der Operation (intraoperativ) oder nach der Operation (postoperativ, adjuvant) durchgeführt werden. Während die ersten beiden Möglichkeiten zumeist noch in Studien untersucht werden gilt die adjuvante Strahlentherapie als Standardbehandlung nach brusterhaltender Therapie (BET) jeglichen Tumorstadiums und nach Mastektomie bei lokal fortgeschrittenen Tumoren.
Die Strahlentherapie reduziert um den Faktor 3 das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors in der Brust (Lokalrezidiv). Dies basiert auf der nachhaltigen Schädigung möglicherweise verbliebener Krebszellen im Brustgewebe.
Das Bestrahlungsvolumen umfasst daher die gesamte Brust. Eine unmittelbar
im Anschluss an die Gesamtbrustbestrahlung durchgeführte Aufsättigung
des Tumorbettes führt zusätzlich zu einer Reduktion der
Lokalrezidivrate. Eine alleinige Teilbrustbestrahlung ist daher
außerhalb von klinischen Studien nicht zulässig.
In bestimmten Stadien ist eine zusätzliche Bestrahlung der unmittelbaren
Lymphabflüsse wie der Achselhöhle oder der Lymphknoten über
dem Schlüsselbein erforderlich, z.B. bei einem ausgeprägten Befall
der axillären Lymphknoten.
Findet nach Operation keine adjuvante Chemotherapie statt, sollte die Strahlentherapie spätestens nach 6-8 Wochen einleitet werden. Sollte eine adjuvante Chemotherapie erforderlich sein, schließt sich die Bestrahlung daran an.
Durch eine Computertomographie des Oberkörpers ist eine dreidimensionale Darstellung der anatomischen Verhältnisse, eine Definition der Zielvolumina und Risikoorgane und die Berechnung und Optimierung der Dosisverteilung möglich. Diese Untersuchung findet in Rückenlage statt, in einer Position, die der am Bestrahlungsgerät entspricht. Um dies zu gewährleisten, werden feine Striche am Oberkörper angezeichnet, die bei korrekter Lagerung mit einem Lokalisationslasersystem am Bestrahlungsgerät zur Deckung kommen. Zwischen der Computertomographie und der ersten Bestrahlung wird der individuelle Bestrahlungsplan erstellt, der letztlich die Bestrahlungsfelder, deren Modulation und Geometrie definiert. Ziel ist eine homogene Dosisverteilung in der Brust und möglichst geringe Dosisbelastung in angrenzenden Geweben, wie zum Beispiel der Lunge. Moderne Bestrahlungstechniken, wie die IMRT (intensitätsmodulierte Radiotherapie) und IGRT (image-guided-radiotherapy) werden bei Bedarf eingesetzt und führen zu einer weiteren Optimierung der Dosisverteilung und verbesserten Lagekontrolle.
Vor der ersten Behandlung werden im Rahmen der Qualitätskontrolle die
technischen Daten der Bestrahlung mehrfach überprüft und am
Patienten plausibilisiert. Die Bestrahlung der Brust erfolgt mit einer
Einzeldosis von 1,8 -2,0 Gy bis zu einer Gesamtdosis von 50 Gy über ca.
5-6 Wochen.
Täglich von Montag bis Freitag, in Ausnahmefällen auch samstags,
wird über mehrere Felder bestrahlt. Die einzelne Bestrahlung dauert etwa
10 Minuten.
Je nach Tumorkonstellation ist noch eine Boostbestrahlung des Tumorbettes
notwendig. Diese erfolgt mittels Elektronenstrahlung in einem kleinen Volumen
mit einer Dosis von 10-20 Gy über 1-2 Wochen, sodass sich eine
Gesamtbehandlungszeit von etwa 7 Wochen ergibt.
Im Rahmen einer Studie kann dieser Boost auf das Tumorbett während der
Operation mit einer erhöhten Einzeldosis appliziert werden. Dadurch
verringert sich die Gesamtbehandlungszeit von 7 auf 5-6 Wochen.
Die Strahlentherapie der Brust ist gut verträglich und
beeinträchtigt nicht das Allgemeinbefinden. Die häufigste Nebenwirkung
ist die Reaktion der Haut, die vorübergehend je nach Hauttyp verschiedene
Grade der Hautrötung und -überwärmung hervorrufen kann.
Eine begleitende lokale Pflege mit Lotionen und Salben während und nach
der Strahlentherapieserie mildert diese Reaktionen.
Nach Abschluss der Bestrahlung werden regelmäßige Nachuntersuchungen
im Wechsel mit den übrigen behandelnden Ärzten durchgeführt
und die Patientinnen über Jahre fachspezifisch betreut.
