Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Nephrologie
Für Eltern: Informationen zur Transplantation
Aus ärztlicher Sicht ist die beste Nierenersatztherapie für Kinder und Jugendliche eine erfolgreiche Nierentransplantation. Wenn das Transplantat gut funktioniert, kann man ohne Dialyse ein weitgehend normales Leben führen. Allerdings hat dieser Erfolg einen Preis: um die Abstoßung des Organs zu verhindern, müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden, die die körpereigene Abwehr (Immunfunktion) verringern.
Wir sind bemüht, unsere Patienten bereits für eine Transplantation anzumelden, wenn absehbar ist, dass eine Nierenersatztherapie in den nächsten Wochen bzw. Monaten notwendig wird. Aus ärztlicher Sicht kann Ihr Kind zur Transplantation angemeldet werden, wenn es mindestens 10 Kilogramm wiegt und vollständig geimpft ist; außerdem müssen die Ergebnisse der vorbereitenden Untersuchungen zeigen, dass alle Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Transplantation gegeben sind.
Möglich ist sowohl die Verpflanzung einer Niere eines verwandten Spenders als auch die eines verstorbenen fremden Spenders. Bei einem verwandten gesunden Spender - in der Regel ein Elternteil - kann nach Feststellung der Verträglichkeit (gleiche Blutgruppe und ausreichende Übereinstimmung der sogenannten Gewebeantigene) die Transplantation umgehend erfolgen. Ist dies nicht möglich, muss auf ein möglichst optimal passendes Organ von einem fremden Spender gewartet werden. In solchen Fällen wird die Anmeldung auf eine Warteliste bei Eurotransplant vorgenommen.
Wenn Ihr Kind auf der Warteliste steht, müssen Sie für den Fall eines Transplantatangebotes jederzeit kurzfristig erreichbar sein!
Zur Sicherheit melden Sie sich möglichst bei allen mehrtägigen Reisen mit Ihrer zeitweiligen Adresse und Telefonnummer ab.
Von Ihrem Wohnort aus sollte die Klinik innerhalb von maximal 5 Stunden erreichbar sein. Wenn Sie jedoch weiter entfernte Urlaubsziele wählen möchten, kann Ihr Kind während des Urlaubs als nicht transplantabel gemeldet werden. Das ist auch aus anderen persönlichen Gründen jederzeit möglich.
Wartezeiten
Eurotransplant übernimmt die Koordination aller Organtransplantationen in Deutschland, den Beneluxändern und Österreich. Die zur Verfügung stehenden Organe werden nach einem Punktesystem verteilt, bei dem die Übereinstimmung von Gewebemerkmalen (HLA-Typisierung) die wichtigste Rolle spielt. Außerdem gibt es Punkte für Wartezeiten. Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr erhalten einen "Kinder"-Bonus (zusätzliche Punkte).
Der Transplantationsabruf
Der Transplantationsabruf erfolgt in der Regel telefonisch durch den Dialysearzt. Er erfragt zunächst, ob Ihr Kind gesund ist und bittet Sie dann, mit dem Kind in die Klinik zu kommen. Sie können mit dem eigenen Auto oder mit dem Taxi fahren. Wenn besondere Eile notwendig ist, werden sie informiert, dann kann der Transport mit dem Rettungsdienst erfolgen.
In der Regel vergehen aber mehrere Stunden zwischen der ersten Information und der Transplantation.
Was ist zu beachten bei einem Transplantationsabruf?
- Geben Sie Ihrem Kind nichts mehr zu trinken oder zu essen.
- Geben Sie Medikamente nur noch nach Absprache mit dem Dialysearzt.
- Führen Sie, wenn Ihr Kind Bauchfelldialyse hat, keinen Beutelwechsel mehr durch, falls keine andere Anweisung erfolgt.
In der Klinik
- wird Ihr Kind zunächst noch einmal gründlich untersucht. Bei akuten Infekten darf es nicht transplantiert werden.
- wird ein Kreuztest (Crossmatch) gemacht. Das ist ein Test, der zeigt, ob es im Blut Ihres Kindes Antikörper gegen das Organ des Spenders gibt.
- wird das Spenderorgan noch einmal gründlich untersucht. Bei Problemen muss auf eine Transplantation verzichtet werden.
- wird ihr Kind auf die Transplantation vorbereitet (Flexüle legen, Baden, u.s.w.)
- werden Sie durch den Narkosearzt und den Chirurgen, der das Organ transplantiert, noch einmal über Details der bevorstehenden Operation informiert.
Ihr Kind wird transplantiert
Die Transplantation dauert in der Regel 4 bis 6 Stunden. In dieser Zeit können Sie nach Hause fahren, wenn es möglich ist, oder sich auf der Station aufhalten. Sie erhalten nach der Transplantation sofort Bescheid, wie die Operation verlaufen ist und können Ihr Kind auf der Überwachungsstation besuchen. In der Regel wird Ihr Kind einen Tag auf der Überwachungsstation bleiben und danach auf unsere Station (Station 26) verlegt werden.
Eine Übernachtung im Zimmer der Kindes ist in den ersten Tagen nicht möglich. Wir sind aber bemüht, Ihnen eine andere Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen. Besonders in den ersten Tagen ist es für Ihr Kind wichtig, dass eine vertraute Person bei ihm ist. Schmerzen lassen sich meistens in der ersten Zeit nicht gänzlich vermeiden, können aber durch eine gute Schmerzmedikation auf eine erträgliches Maß reduziert werden.
Nierenfunktion nach der Transplantation
Meistens nimmt die Niere schon im Operationssaal ihre Funktion auf, manchmal dauert es einige Tage, im Extremfall auch Wochen, bis sie anfängt, Urin zu produzieren.
In den ersten Tagen und Wochen ist die Gefahr einer Abstoßung am größten. Deshalb werden regelmäßig Blut- und Ultraschalluntersuchungen gemacht. In fast allen Fällen können akute Abstoßungen erfolgreich behandelt werden. Über 90% der Patienten können mit einem funktionierenden Transplantat aus der Klinik entlassen werden.
Wir hoffen, dass Sie und Ihr Kind dann ein Stück wiedergewonnene Normalität genießen können.
Weitere Informationen zur Transplantation an der Charité finden Sie auf der Seite der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie (CCM).
Wir sind natürlich für Sie da, wenn Sie weitere Fragen haben.
Transplantationssprechstunde:PD Dr. med. Boris Utsch
Montag bis Freitag 7.00 bis 15.30 Uhr
Tel.: 030 / 450-516070
Letzte Änderung: 07.07.2010
Inhaltlich verantwortlich gemäß §6 MDStV: Prof. Dr. U. Querfeld
Für den Inhalt von durch externe Links erreichbare Webseiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.
by Boris Utsch