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Willkommen in der Klinik für Neonatologie
Campus Virchow / Benjamin Franklin


Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen unsere Klinik vorstellen und einen Einblick in das Gebiet der Neonatologie ermöglichen, welches sich in den letzten Jahrzehnten dynamisch entwickelt hat.

Neonatologie bedeutet Kenntnis des menschlichen Neugeborenen und ist als Teilgebiet der Pädiatrie seit 1994 auch in Deutschland als Schwerpunkt mit einer eigenen Weiterbildungsordnung anerkannt. Gegenstand der Neonatologie sind vor allem Probleme der Anpassung des Kindes an das Leben außerhalb der Gebärmutter: Störungen von Temperaturregulation, Atmung, Kreislauf, Ernährung und Stoffwechsel. Auch die Behandlung angeborener Fehlbildungen setzt meist schon in der Neugeborenenperiode ein - das sind die ersten 28 Lebenstage. Durch die eingeschränkte Immunität erkranken Neugeborene vor und nach der Geburt besonders häufig an Infektionen. Ein großer Teil unserer Patienten sind Frühgeborene.

Die Klinik für Neonatologie am Campus Virchow-Klinikum ging aus dem im Jahre 1909 gegründeten "Kaiserin Auguste Victoria Haus zur Verminderung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reich" hervor, in dem bereits eine Frühgeborenenstation mit eigenem Entbindungsbereich bestand. In dieser Klinik wurden schon 1911 bis 1920 grundlegende Forschungen zum Energiestoffwechsel, zur künstlichen Ernährung und zur Gelbsucht von Neugeborenen durchgeführt. Nach wissenschaftlichem Niedergang im Nationalsozialismus wurde das Haus nach Ende des Zweiten Weltkrieges West-Berlins Universitäts-Kinderklinik. 1947 wurde im Kaiserin Auguste Victoria Haus die erste Blutaustauschtransfusion Deutschlands durchgeführt, 1969 die Intensivstation eröffnet, 1974 wurde der Neonatologie Abteilungsstatus verliehen. Ab 1987 erfolgte die Zusammenlegung mit dem Rudolf-Virchow Krankenhaus. Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde das Haus 1994 durch die Humboldt-Universität übernommen und 1998 mit der Charité fusioniert, in der die Neugeborenen-Medizin schon lange ein Schwerpunkt war. Seit dem Umzug zum Campus Virchow-Klinikum im November 1995 steht der Klinik für Neonatologie einer der modernsten Krankenhausneubauten Europas zur Verfügung. Die Neonatologie gehört zur Kinderklinik, befindet sich aber räumlich in der Frauenklinik, die mit 3824 Geburten im Jahre 1997 Deutschlands größte Geburtsklinik ist. Die Neugeborenen-Intensivstation befindet sich Wand-an-Wand mit dem Entbindungsbereich, mit den kinderchirurgischen Operationssälen und mit der Klinik für Allgemeine Pädiatrie, das Deutsche Herzzentrum ist in unmittelbarer Nähe. Überwachungs- und Spezialpflegestation liegen nahe bei den Wochenstationen, Mutter und Kind werden wenig voneinander getrennt. Auch auf den Intensivstationen kann die Mutter bei ihrem Kind wohnen, kein krankes Neugeborenes muß für diagnostische oder therapeutische Eingriffe transportiert werden. Mit der Klinik für Neonatologie der Charité am Campus Mitte bestehen seit vielen Jahren gute und enge Beziehungen.

teamAls Maß für die Leistungsfähigkeit einer neonatologischen Abteilung gelten die Ergebnisse bei sehr untergewichtigen Frühgeborenen. Wir haben bei Kindern von 500-1499 g Geburtsgewicht eine Überlebensrate von 90 % und eine erfreulich gute Überlebensqualität. Die Ergebnisse sind nur möglich durch ein hochspezialisiertes Mitarbeiterteam, in dem ärztliches und wissenschaftliches Personal, erfahrene und engagierte Kinderkrankenschwestern und -pfleger, Techniker, Verwaltungs- und Schreibkräfte, Sozialarbeiterinnen und Arzthelferinnen gut zusammenarbeiten. Zu den guten Ergebnissen trägt wesentlich bei, daß in unserer Region selten kranke Neugeborene nach der Geburt transportiert werden ("outborns"), sondern daß bei drohender Frühgeburt oder anderem kindlichen Risiko die Mutter vor der Geburt in unser Perinatalzentrum verlegt wird. Wichtig ist dabei auch die Nähe der Eltern, welche bei uns immer willkommen sind und vielfältige Unterstützung erfahren, z.B. durch unser Elternheft oder durch unseren Förderverein.

Die klinische Versorgung wird, der Bedeutung der Humboldt-Universität entsprechend, von umfangreicher wissenschaftlicher Forschung und akademischer Lehre begleitet: Alle wesentlichen Fortschritte der Neonatologie in den letzten Jahrzehnten wurden durch die Förderung der Wissenschaft erzielt. Wichtige neue Behandlungen, an deren Entwicklung unsere Klinik beteiligt war, sind die Surfactant-Substitution und die Erythropoietin-Therapie. Die Forschungen der letzten Jahre haben dazu geführt, daß heute auch Neugeborene mit schweren Anpassungsstörungen und kleinste Frühgeborene überleben. Derzeit richtet sich der Schwerpunkt unserer Forschungstätigkeit darauf, bleibende Behinderungen zu vermeiden, ihre Ursache zu klären und optimale Bedingungen für ein gesundes Überleben zu schaffen.
Das sind Kinder, die zum Zeitpunkt der Geburt 37 Schwangerschaftswochen noch nicht vollendet haben. Wir können heute Frühgeborene ab 24 Schwangerschaftswochen am Leben halten, das entspricht etwa einem Geburtsgewicht von 500 g. Ihre Hauptprobleme sind Unreife von Gehirn, Augen, Lunge und Magen-Darm-Kanal.

 

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