| Zeit |
| Donnerstag, 17-19 Uhr |
| Beginn |
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| Ort |
| Seminarraum Institut für Geschichte der Medizin CCM, Ziegelstrasse 5-9, 10117 Berlin |
| Literatur |
| Michel Foucault: Die Geburt der Klinik. Eine Archäologie des ärztlichen Blicks (frz. 1963). Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: N.-A. (1. Januar 1988) – Preis 9.95 EUR |
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| verantwortl.: |
Prof. Dr. Hess volker.hess@charite.de
450529031 |
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| Themenstellung |
Mit dem 1963 veröffentlichten Buch „Die Geburt der Klinik“ schrieb der Philosoph, Wissenschaftshistoriker und Medizinkritiker Michel Foucault sein zweites und zugleich für die Geschichte der modernen Klinik wichtigstes Buch. Die – für Foucault schmale – Schrift versucht auf gut 200 Seiten in dem „so verworrenen, so wenig und so schlecht strukturierten Bereiche der Ideengeschichte“ (Foucault im Nachwort) zu einer methodischen Analyse der Lebenswissenschaften zu gelangen. Als „Archäologie des ärztlichen Blicks“ (so der Untertitel) spürt das Buch der Genese der medizinischen Neugier nach. Foucault weist dabei auf vier entscheidende Momente hin, nämlich
(1) auf die Rolle der Ausbildungsreformen im Zuge der Französischen Revolution, die das traditionelle akademische Medizinstudium in Frage stellte,
(2) auf die Bedeutung der durch diese Reformen erzwungene Vereinigung von Medizin und Chirurgie,
(3) auf die strategische Funktion der durch diese Vereinigung resultierenden Leichensektion und Pathologie, und
(4) schließlich auf die Erziehung des ärztlichen Auges, den unsichtbaren Verbindungen zwischen den Phänomenen des kranken Lebens am Krankenbett und den verborgenen und nur mit dem Sektionsmesser ans Licht des Tages zu bringenden morphologischen Veränderungen nachzugehen. Seine Analyse deckt damit eine grundlegende Struktur des modernen ärztlichen Denkens auf.
Im Seminar wollen wir dieses für die klinische Medizin relevanteste Werk Foucaults erstens in einzelnen Abschnitten gemeinsam lesen und diskutieren. Zweitens sollen die vier genannten Hauptmomente durch aktuelle Forschungsbeiträge kontextualisiert werden (u.a. Ackerknecht 1967; Maulitz 1987; Lachmund 1997; Weisz 1987, Grmek 1994), was auch in Form von Referaten möglich ist. Drittens wollen wir gezielt drei zentrale Argumente Foucaults herausarbeiten und durch selektive Auswahl weiterer Foucault-Schriften (Überwachen und Strafen (chap. 5) zum Zusammenhang von Körper und Wissenstechniken, Abschnitt aus Archäologie des Wissens zur methodischen Grundlage der Diskursanalyse und Abschnitte aus Ordnung der Dinge zum (post)strukturalistischen Zeichenbegriff).
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| Ziel der Veranstaltung ist es, |
| erstens ein zentrales Werk von Michel Foucault gelesen, diskutiert und verstanden zu haben, zweitens das methodische Konzept der Diskursanalyse kennen zu lernen, und drittens etwas mehr über einen für die Herausbildung der modernen Medizin (klinische Ausbildung, phsyikalische Untersuchungstechniken, Sektion und pathologische Anatomie entscheidende Epoche der Medizin zu erfahren. |
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| Aufbau: |
Im Mittelpunkt steht die kapitelweise Diskussion der „Geburt der Klinik“, ergänzt um Begleittexte (auch in Referaten)
1. Sitzung Räume und Klassen
2. Sitzung Ein politisches Bewusstsein (ergänzend Ackerknecht über Paris Medicine)
3. Sitzung Das freie Feld
4. Sitzung Die alte Klinik (ergänzend Risse zur Protoklinik in Edinburgh)
5. Sitzung Die Lektion der Spitäler (ergänzend Kap. Überwachen und Strafen)
6. Sitzung Zeichen und Fälle (ergänzend Hufeland über den „Werth der Semiotik“)
7. Sitzung Sehen, Wissen (ergänzend Hess & Mendelsohn, Paper Technologies)
8. Sitzung „Öffnen Sie einige Leichen“ (ergänzend Lachmund, Stethoskop)
9. Sitzung Das Sichtbar-Unsichtbare (ergänzend Kap. Ordnung der Dinge)
10. Sitzung Die Krise der Fieber
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| Weiterführende Literatur |
- Ackerknecht, Erwin Heinz: Medicine at the Paris hospital 1794 - 1848. Baltimore 1967.
- Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften. Frankfurt am Main 1974.
- Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt am Main 1976.
- Grmek, Mirko: L'invention de l'auscultation médiate, retouches à un cliché historique. Commémoration du bicentenaire de la naissance de Laennec 1781-1826. Colloque organisé au Collège de France les 18 et 19 février 1981. Revue du palais de la découverte 22 (1994), 107-116.
- Hess, Volker und Andrew Mendelsohn: Case and series: Medical recording and paper technologies, 1750-1850. Msch.Ms. Cambridge 2008.
- Hufeland, C. W.: Ueber den Werth und die Bedeutung der Semiotik. Journal der practischen Heilkunde 62 (IV) (1826), 3-9.
- Lachmund, Jens: Der abgehorchte Körper. Zur historischen Soziologie der medizinischen Untersuchung. Opladen 1997.
- Maulitz, Russell C.: Morbid appearances : the anatomy of pathology in the early nineteenth century (= Cambridge history of medicine). Cambridge, New York, New Rochelle, Melbourne, Sydney 1987.
- Risse, Guenther B. und Warner; John Harley: Reconstructing clinical activities: patient records in medical history. Social History of Medicine 5 (1992).
- Weisz, Georg: The Posthumous Laennec. Creating a Modern Medical Hero. Bulletin of the History of Medicine 61 (1987), 541-562.
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