Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften

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Sabine Selle
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Matthiesen-Verlag (Verlagsgr. Husum)
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Hsiu-Chane Chen
"Eine strenge Prüfung deutscher Art"
Der Alltag der japanischen Medizinerausbildung im Zeitalter der Reform von 1868 bis 1914.
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Nr. 109)
205 S., br., 34,- €
Matthiesen Verlag, 2010
(ISBN: 978-3-7868-4109-8)

Die Arbeit widmet sich dem Auslandsstudium japanischer Mediziner in den Jahren 1868–1900 in deutschsprachigen Ländern und dessen Beitrag zur Professionalisierung der westlichen Medizin in Japan. Die Autorin untersucht die Studien- und Lebenspraxis einer Gruppe von Akteuren während des Auslandsaufenthalts, die später ausnahmslos Medizinprofessuren an der Tōkyō-Universität (Todai) oder ihren Vorgängerinstitutionen erhielten. Dabei werden die Zusammenhänge zwischen den Lebenserfahrungen im Ausland und der Herausbildung der sogenannten deutschen Ära in der japanischen Medizingeschichte der Meiji-Zeit dargestellt. Das Auslandsstudium wird aus der Sicht der Akteure statt, wie in der bisherigen Forschung üblich, ausschließlich aus Sicht der Meiji-Regierung betrachtet. Dabei werden sogenannte Egodokumente, Selbsterzählungen der Akteure, verwendet. Die Akteure treten dort als sprechende Personen auf, wodurch sie Auskünfte über ihre auf die Professionalisierung der japanischen Medizin bezogene Praxis, Motivation, ihre Interessen und Einstellungen während ihres Auslandsstudiums geben. Es kann gezeigt werden, dass die Interessen der Akteure am Fortbestand des Auslandsstudiums sowie an der Erhaltung der Bedeutung der deutschen Medizin in der japanischen Medizingeschichte nach dem Ersten Weltkrieg eine wesentliche Rolle gespielt haben.

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Sabine Schleiermacher und Norman Pohl (Hrsg.)
Medzin, Wissenschaft und Technik in der SBZ und DDR. Organisationsformen, Inhalte, Realitäten
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Nr. 107)
326 S., br., 49,- €
Matthiesen Verlag, 2009
(ISBN: 978-3-7868-4107-4)

In einzelnen hier vorliegenden Aufsätzen wird der Versuch unternommen, Antworten auf die Frage nach der Entwicklung von Wissenschaft und Technologie im Kontext von Politik und Gesellschaft zu finden. Von welchem Wissenschaftsverständnis ließen sich die politischen Entscheidungsträger, inwieweit unterlagen wissenschaftliche Entwicklungen machtpolitischer und ökonomischer Kalkulation und welche Verbindung gingen hier in besonderer Weise Wissenschaft und Politik ein? Was und/oder wer hatte Vorbildfunktionbei der Formulierung neuer Ideen und Ansätze in Medizin, Wissenschaft und Technologie und welche Bedeutung kam der nationalsozialistischen Vorgeschichte zu? Inwieweitwar die Spezialisierung von Studiengängen und Bildungseinrichtungen an Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert, ging deren inhaltliche Orientierung auf Initiativen deutscher Wissenschaftspolitik zurück und hatte das Hochschulsystem der Sowjetunion Modellcharakter?
In den vorliegenden Beiträgen werden Organisationsformen, Inhalte und Realitäten von Wissenschaft in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR in den Blick genommen. Der Band gliedert sich in drei inhaltliche Schwerpunkte: 1. Wissenschaftspolitik und Träger von Forschung, 2. Hochschulen und Ausbildungsgänge und 3. Ideologie und Wirklichkeit: Konkretisierung von Forschung und Technik im Alltag.

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Julia Barbara Köhne
Kriegshysteriker. Strategische Bilder und mediale Techniken militärpsychiatrischen Wissens (1914-1920)
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 106)
344 S., zahlr. Abb., br., 49,- €
Matthiesen Verlag, 2009
(ISBN: 978-3-7868-4106-7)

Im Ersten Weltkrieg wurde in der deutschen militärpsychiatrischen Kriegshysterieforschung und Massenpsychologie mithilfe spezieller Repräsentationstechniken eine besondere Wissensfigur gezeichnet: der „Kriegshysteriker“. Die massenhaften Erscheinungsweisen dieser Krankheit brachten unterschiedliche Wissensstrategien und -techniken sowie Deutungsmuster hervor. Die effeminierten Hysteriker stellten die Rationalitäts-, Ordnungs- und Männlichkeitsformen des Heeres in Frage. Köhne analysiert militärärztliche Aufschreibesysteme wie Monografien, Fachzeitschriftenartikel und Patientenakten sowie wissenschaftliche Fotografien und internationale medizinische Filme von 1917/18. Inwiefern prägten die jeweiligen Erkenntnisinstrumente und Medien den Darstellungsmodus kriegshysterischer Krankheitsbilder und deren medizinische und kulturelle Interpretation? Mithilfe welcher Argumentations- und Visualisierungsstrategien wurde die vermeintlich erfolgreiche Heilung der Kriegshysteriker in Szene gesetzt? Wie wurden die Symptome – etwa in den wissenschaftlichen Filmen – abgebildet, transformiert und dann wieder abgestellt? Und: Wodurch blieben sie dennoch widerständig? Die Studie verknüpft Fragen aus Militär-, Technik- und Mediengeschichte, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte sowie Geschlechterforschung.
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Jürgen Helfricht
Vincenz Prießnitz (1799-1851) und die Rezeption seiner Hydrotherapie bis 1918
Ein Beitrag zur Geschichte der Naturheilbewegung
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwisenschaften, Heft 105)
380 S., br., Euro: 54,-
Matthiesen Verlag 2006
(ISBN 10: 3-7868-4105-5 ISBN 13: 978-3-7868-4105-0)

Das 19. Jahrhundert gilt als das Geburts-Säkulum der Naturheilkunde. Als einer ihrer Ahnherren, der der Wasserheilkunde zum Welterfolg verhalf, wird der Bauer, Volksheiler und Gesundheits-Unternehmer Vincenz Prießnitz aus Gräfenberg-Freiwaldau im damals österreichischen Schlesien (heute Jesenik in der Tschechischen Republik) angesehen. Obwohl er zu den wichtigen historischen Persönlichkeiten Europas und der Medizingeschichte zählt, entbehrte sein Wirken einer sich auf Quellen stützenden wissenschaftlichen Untersuchung. Diese Lücke schließt vorliegende Arbeit, die erstmals der Medizin-Historie unbekannte Quellen zu Leben und Werk von Prießnitz kritisch auswertet und bisher vage biografische Details durch belegbare Fakten aus den Akten des Staatlichen Bezirksarchivs Jesenik untermauert. Aus den Jahren 1822 bis 1851 ließen sich etwa 17 700 von Prießnitz betreute Patienten nachweisen. Diagnosen von 2815 Patienten sowie etwa 1000 der schätzungsweise 3000 vorhandenen Patientenbriefe aus den Jahren 1825 bis 1851 wurden ebenso analysiert wie mehr als 200 Bücher über Prießnitz und die Kaltwasser-Therapie sowie hydriatische Periodika der Prießnitz-Zeit.
   
Axel C. Hüntelmann, Johannes Vossen und Herwig Czech (Hrsg.)
Gesundheit und Staat. Studien zur Geschichte der Gesundheitsämter in Deutschland, 1870–1950
345 S., br., 54,- €
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 104)
Matthiesen Verlag, 2007
(ISBN 13: 978-3-7868-4104-3)

Der Band geht auf die Tagung „Biopolitische Institutionen. Zur Geschichte der Gesundheitsämter, 1870 bis 1950“ zurück, die 2005 in Berlin stattfand. Ziel der Tagung war es, die verstreuten Forschungen zur Geschichte der Gesundheitsämter zusammenzuführen und neue Forschungsfragen zu diskutieren. Die hier versammelten Beiträge beschäftigen sich im Wesentlichen mit drei Themenbereichen: Sie untersuchen die wichtigsten Institutionen der Gesundheitspolitik auf der Ebene des Zentralstaates vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus und nehmen dazu das Kaiserliche Gesundheitsamt und das Dresdner Hygienemuseum in den Blick. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand ist die Geschichte der jugendpsychiatrischen Institutionen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, die eng mit der Anstaltspsychiatrie, aber auch mit der kommunalen Gesundheitsfürsorge verbunden waren. Ein dritter Abschnitt umfasst Fallstudien zu einzelnen kommunalen Gesundheitsämtern und zur kommunalen Gesundheitspolitik vom Kaiserreich bis in die unmittelbare Nachkriegszeit, wobei der NS-Staat im Mittelpunkt des Interesses steht. Ein Ausblick stellt das Foucaultsche Konzept der Biopolitik vor und wendet es auf die Funktion und die Tätigkeitsbereiche der Gesundheitsämter an.

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Franz Eduard Peschke
Ausländische Patienten in Wiesloch
Schicksal und Geschichte der Zwangsarbeiter, Ostarbeiter, „Displaced Persons“ und „Heimatlosen Ausländer“ in der Heil- und Pflegeanstalt, dem Mental Hospital, dem Psychiatrischen Landeskrankenhaus Wiesloch und dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 103)
446 S., br., Euro: 66,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 10: 3-7868-4103-9 ISBN 13: 978-3-7868-4103-6)

Die Abhandlung schildert 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gründung der Vereinten Nationen sowie 100 Jahre nach Gründung der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch das Schicksal von Ostarbeitern und displaced persons im Zweiten Weltkrieg und unmittelbar danach in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch und besonders das Schicksal und die Geschichte des Mental Hospital Wiesloch, das von der UNRRA, einer Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, gegründet wurde, und der displaced persons als Patienten dieser Klinik und deren weiteres Ergehen als „heimatlose Ausländer“ im Psychiatrischen Landeskrankenhaus Wiesloch und Psychiatrischen Zentrum Nordbaden bis 2004. Der Psychiater Franz Peschke zeigt mit grauenhaften Anamnesen und genauen Recherchen auf, wie unmittelbare zeitgeschichtliche Ereignisse, so beispielsweise die Freiheitsbewegung der Ukrainer nach dem Ersten Weltkrieg, die Verschleppungen von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg, die sowjetischen Zwangsrepatriierungen danach, der Holocaust, die Gründung des Staates Israel, die Gründung der BRD und die verschiedenen Phasen des Ost-West-Konflikts Einfluss auf diese psychisch Kranken genommen haben.

   
Jan Armbruster
Edmund Robert Forster (1878–1933) Lebensweg und Werk eines deutschen Neuropsychiaters
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 102)
269 S., br. Euro: 49,-
Matthiesen Verlag, 2006
(ISBN 10: 3-7868-4102-0 ISBN 13: 978-3-7868-4102-9)

Der akademische Aufstieg von Edmund Robert Forster begann Anfang des 20. Jahrhunderts an der Nervenklinik der Berliner Charitè, wo er sich 1909 habilitierte, eine außerordentliche Professur erhielt und kurze Zeit später die Stellung des ersten Oberarztes bekleidete. Während des Krieges war Forster Oberarzt der Nervenabteilung des Kriegslazaretts II des Marinekorps in Brügge sowie Professor für Histologie an der Universität Gent. Nach Kriegsende kehrte er wieder an die Charitè zurück. Den Höhepunkt seiner Laufbahn erlebte Forster in der Berufung auf den Greifswalder Lehrstuhl für Psychiatrie und der damit verbundenen achtjährigen Tätigkeit als Direktor der Greifswalder Nervenklinik, der er mit seinem Freitod ein Ende setzte. Jan Armbruster zeichnet den Lebensweg Forsters chronologisch nach und untersucht dabei auch dessen umstrittenes Verhältnis zur Politik und zum nationalsozialistischen Staat sowie die Umstände, die schließlich zu seinem Selbstmord führten. Der zweite Teil der Studie befasst sich mit dem wissenschaftlichen Werk Forsters. Einem Überblick über seine frühen histologischen und histopathologischen Arbeiten folgt die Erörterung der psychiatrischen Beiträge, die stark von der Forschungsmethodik seines Lehrers Carl Wernicke beeinflusst sind. Armbruster geht im Zusammenhang mit Forsters psychiatrischen Arbeiten auch auf ein düsteres Kapitel deutscher Psychiatriegeschichte ein: Indem Forster die Existenz einer Krankheit „Hysterie“ negiert, rechtfertigt er das brutale Vorgehen gegen sog. „Kriegshysteriker“ während des Ersten Weltkriegs. Abschließend stellt Armbruster Forsters neurologische Forschungen dar und ordnet sie in dessen Gesamtwerk ein. Die Abhandlung zeichnet damit erstmals ein umfassendes Bild dieser umstrittenen Forscherpersönlichkeit.
   

Arne Pfau
Die Entwicklung der Universitäts-Nervenklinik (UNK) Greifswald in den Jahren 1933 bis 1955
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 101)
221 S., br. 3,- €
Matthiesen Verlag, 2008
(ISBN: 978-3-7868-4101-2)
Die vorliegende Abhandlung versteht sich als Beitrag zur regionalen Psychiatriegeschichte während des Nationalsozialismus, der Entwicklung der SBZ und in der frühen DDR, wobei der Schwerpunkt auf der ostdeutschen Nachkriegspsychiatrie liegt. Pfau untersucht auf verschiedenen Ebenen das Beziehungsgeflecht, in das die UNK Greifswald, ihre Mitarbeiter und die Patienten eingebunden waren, und setzt die Entwicklung der Klinik in Beziehung zu den grundlegenden gesellschaftlichen und politischen Veränderungen dieser Jahre – einem sehr wechselvollen und zwiespältigen Abschnitt in ihrer Entwicklung. Dabei durchschritt die UNK durch ihre Indienstnahme für die repressiven rassenhygienischen und militärischen Interessen des NS-Staates sicherlich einen Tiefpunkt in ihrer Entwicklung. Doch auch nach dem Ende der NS-Diktatur ließen sich tradierte Denkmuster in der psychiatrischen Krankheitsbetrachtung nicht über Nacht abschütteln, zumal der psychiatrische Patient vorerst weiter kaum in seiner Subjektivität innerhalb eines sozialen Umfeldes wahrgenommen wurde. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Universitätspsychiatrie in der DDR sozialistischen Reformbestrebungen anfangs mit Unverständnis oder Ablehnung gegenüberstand.

   

Johanna Bleker und Svenja Ludwig
Emanzipation und Eugenik. Die Briefe der Fauenrechtlerin, Rassenhygienikerin und Genetikerin Agnes Bluhm an den Studienfreund Alfred Ploetz aus den Jahren 1901-1938
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften
Heft 100) 237 S., br.
Matthiesen Verlag, 2008
(ISBN 13: 978-3-7868-4100-5)

Die Autorinnen möchten das Interesse an einer herausragenden Frauenpersönlichkeit der Weimarer Republik neu beleben und der Diskussion um Biopolitik und Frauenemanzipation einige Impulse geben. Sie porträtieren Agnes Bluhm, die für die Wissenschaft lebte, ohne die historischen Verwerfungen ihrer Zeit zu ignorieren. In den ersten 30 Jahren ihres Berufslebens wirkte sie als Frauenärztin, Sozialpolitikerin und radikale Frauenrechtlerin in Berlin. Später widmete sie sich als „Wissenschaftlicher Gast“ am Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie in Berlin der experimentellen Vererbungsforschung, legte viel beachtete Ergebnisse vor und sprach auf internationalen Fachtagungen. Eine andere Perspektive zeigt Bluhm als kompromisslose Rassenhygienikerin. Seit der Gründung der Gesellschaft für Rassenhygiene im Jahr 1906 sah sie es als ihre Aufgabe an, eugenische Ideen in der Frauenbewegung zu verbreiten. Hier stellt sich die Frage nach Mitschuld und Mittäterschaft an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die hier erstmals veröffentlichten Briefe Bluhms veranschaulichen, dass keine der beiden Sichtweisen isoliert bestehen kann. Die Dokumente vermitteln das komplexe Bild einer Persönlichkeit, die die rückblickend konstruierten Widersprüche vereinte und sachlich zu überwinden suchte. Die vorangestellte biografische Einführung fußt auf den für die Edition der Briefe notwendigen Recherchen. Sie soll Bluhms Lebenslauf und die Geschichte ihrer Freundschaft zu Alfred Ploetz beleuchten. Außerdem macht sie die Leserinnen und Leser mit dem wissenschaftlichen Werk Bluhms bekannt und bereichert die Diskussion über Feminismus und Eugenik um einige Aspekte.

   
   
Gerrit Hohendorf
Die Psychosomatische Theoriebildung bei Felix Deutsch (1884-1964)
Ein Beitrag zur Geschichte der Psychoanalyse des Körpers
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 99)
365 Seiten, br., Euro: 54,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 10: 3-7868-4099-7 ISBN 13: 978-3-7868-4099-2)

Der Wiener Internist und Psychoanalytiker Felix Deutsch, Ehemann der weitaus bekannteren Psychoanalytikerin Helene Deutsch und zeitweise Hausarzt Freuds, emigrierte 1936 nach Boston, um der drohenden nationalsozialistischen Gefahr zu entgehen, und fand in der aufstrebenden Psychosomatischen Medizin Amerikas eine neue berufliche Orientierung. Gleichwohl gerieten sein Werk und seine psychosomatischen Pionierleistungen im Wien der 20er Jahre weitgehend in Vergessenheit, und in der Geschichtsschreibung der Psychoanalyse taucht Felix Deutsch meist nur als Ehemann von Helene und als Hausarzt Freuds auf. Das Anliegen der vorliegenden Arbeit besteht darin, sein weit verstreutes und schwer zugängliches Werk systematisch in seiner Gesamtheit darzustellen und beispielhaft die Entwicklung psychosomatischer Ansätze innerhalb der psychoanalytischen Theorie nachzuzeichnen. Dabei wird ein Zeitraum von etwa 50 Jahren in den Blick genommen. Die Arbeit vermittelt einen anschaulichen Eindruck vom Denken und der Praxis eines Arztes und Wissenschaftlers, dessen entscheidende Kunst im Zuhören und in der Analyse der komplexen psychophysischen Interaktionsformen während des Gesprächs bestand, und lässt das Bild eines der zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Pioniere der Psychosomatischen Medizin wieder lebendig werden.
   
Horst Schütz
Gesundheitsfürsorge zwischen humanitärem Anspruch und eugenischer Verpflichtung
Entwicklung und Kontinuität sozialhygienischer Anschauungen zwischen 1920 und 1960 am Beispiel von Prof. Dr. Carl Coerper
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 98)
272 S., br., Euro: 49,-,
Matthiesen Verlag
(ISBN 10: 3-7868-4098-9 ISBN 13: 978-3-7868-4098-5)

Ausgehend von der Sozialhygiene der 20er Jahre etablierten sich Fürsorgekonzepte, die nach 1933 die wissenschaftliche Begründung der Euthanasie und Rassenhygiene lieferten. Die Arbeit verfolgt die Entwicklung des Fürsorgegedankens, dessen Übergang zur Sozial- und Rassenhygiene sowie die Restauration und Reorganisation sozialhygienischer Konzepte nach 1945. Exemplarisch am beruflichen Werdegang Carl Coerpers wird klar, wie aus einem Kinderarzt der Weimarer Zeit ein Rassenhygieniker im Dienst des Nationalsozialismus werden konnte. Zum Verständnis dieser Entwicklung wird die Geschichte der Gesundheitsfürsorge, das theoretische Konzept des Konstitutionellen Denkens sowie sozial- und rassenhygienischer Theorien erarbeitet. Nach 1945 aber dokumentiert Carl Coerpers berufliche Karriere die Kontinuität sozialhygienischer Konzepte, die fortan den öffentlichen Gesundheitsdienst der Bundesrepublik Deutschland bis ca. 1960 bestimmen sollten.
   
Martin Holtkamp
Werner Villinger (1887-1961)
Die Kontinuität des Minderwertigkeitsgedankens in der Jugend- und Sozialpsychatrie
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin, Heft 97)
208 S., br., Euro 34,- sFr 58,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4097-0)

Die vorliegende Studie stellt die berufliche und politische Vita Werner Villingers sowie dessen inhaltliche Arbeit als Jugend- und Sozialpsychiater in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und in den ersten anderthalb westdeutschen Nachkriegsdekaden dar. Diese Darstellung erfolgt unter der konkreten Fragestellung, welchen Standort Villinger innerhalb der Psychiatrie in den jeweiligen politischen Systemen einnahm. Besondere Berücksichtigung findet die Untersuchung des rassenhygienischen Ansatzes in Villingers Psychiatriekonzept. Ferner wird der Frage nachgegangen, ob die politischen Zäsuren 1933 und 1945 für sein eigenes Leben und für seine inhaltliche Arbeit eher Brüche oder eher Kontinuitäten bedeuteten. Ebenfalls Teil der Abhandlung ist die Darstellung von Villingers Beitrag zur Disziplinbildung der deutschen Kinder- und Jugendpsychiatrie, deren historische Entwicklung hier zwar reflektiert wird, jedoch nicht Inhalt dieser Arbeit ist. Villingers Beiträge zur Erwachsenen- und zur Wehrpsychiatrie kommen gesondert zur Darstellung.
   
Klaus Schmierer
Medizingeschichte und Politik
Karrieren des Fritz Lejeune in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 96
ca. 290 S., br., ca. Euro 51,- sFr 87,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4096-2)

Fritz Lejeune (1892-1966) zählte zu den ersten professionellen Medizinhistorikern in Deutschland. In Zeiten der politischen Radikalisierung nach dem 1. Weltkrieg verstand Lejeune seinen Beruf als Arzt und Professor für Medizingeschichte in Köln und Wien ebenso sehr als tagespolitische Praxis wie er die Geschichte der Medizin selbst politisierte. Klaus Schmierer zeigt in seiner dichten Biographie über diesen widersprüchlichen deutschen Wissenschaftler, wie sich die Entstehung der Medizingeschichte in Deutschland mit dem politischen und sozialen Alltag in der Epoche zwischen 1914 und 1945 verband, so zum Beispiel in Fragen der ärztlichen Standespolitik, in den Positionen zur militärischen Ordnung in der Gesellschaft, in der Bedeutung liberaler Vorkriegstraditionen oder in der Neubestimmung von Geschlechterrollen.
   
Rebecca Schwoch
Ärztliche Standespolitik im Nationalsozialismus
Julius Hadrich und Karl Haedenkamp als Beispiele
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 95
437 S., br., Euro 66,- sFr 111,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4095-4)

Schon in der wilhelminischen Gesellschaft vollzog sich die ethische und ärztliche Umwertung der Individualmedizin zur Pflege des "Volkskörpers", um die "Volkskraft" zu erhalten und zu mehren. Die Ursachen dieser Entwicklung und ihre Konsequenzen im "Dritten Reich", im Spannungsfeld von Ärzteschaft, Gesundheitspolitik und Ideologie, zeichnet diese Studie nach. Am Beispiel des Nationalökonomen Hadrich und des Arztes Haedenkamp, beide Vertreter einer konservativen, autoritären und antiemanzipatorischen Standespolitik, beide in bedeutenden Positionen, wird die ärztliche Standespolitik im Nationalsozialismus untersucht.
   
Hans H. Simmer
Der Berliner Pathologe Ludwig Pick (1868-1944)
Leben und Werk eines jüdischen Deutschen
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 94
457 S., zahlr. Abb., br., Euro 63,- sFr 105,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4094-6)

Ludwig Pick, 1968 in Landsberg an der Warthe geboren, gehörte im ersten Drittel unseres Jahrhunderts zu den großen, national wie international herausragenden pathologischen Anatomen. Als Jude konnte er sich im 3. Reich der Verfolgung der Nationalsozialisten nicht entziehen und starb im Ghetto Theresienstadt 1944. Durch diesen Umstand ist die Quellenlage über Ludwig Pick äußerst lückenhaft, da der persönliche Nachlass des Arztes komplett verschollen ist. Dem Autor ist es mit Hilfe bisher unbekannter Archivalien und Fotos dennoch gelungen, eine detaillierte und ausführliche Biographie über den Berliner Anatom zu verfassen. Fünf Jahrzehnte konnte Ludwig Pick in Berlin wirken, seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind zugänglich und Verfahren wie die "Farberhaltung nach Pick" oder das "Niemann-Pick-Syndrom" tragen seinen Namen.
   
Jörg Heinrich
Johann Theodor Eller
Ein bedeutender Arzt, Wissenschaftler und Medizinalbeamter in Brandenburg-Preußen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
(Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 93)
ca. 160 S., 3 Abb., br., ca. Euro 28,- sFr 48,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4093-8)

Johann Theodor Eller kann als einer der bedeutendsten Ärzte des 18. Jahrhunderts angesehen werden. In diesem Jahrhundert, das ebenso als das philosophische Jahrhundert bezeichnet wird, weisen nahezu alle Bereiche innerhalb der Medizin philosophische Reflexionen auf. Nicht zuletzt war es eine Periode der Emanzipation der Naturwissenschaften und der Medizin von der Philosophie und Theologie. Durch die Beurteilung wichtiger Wesenszüge der Persönlichkeit und der medizinischen Anschauungen Ellers lassen sich zugleich wesentliche Rückschlüsse auf seine philosophischen Positionen ziehen.
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Ulf Schmidt
Medical Films, Ethics and Euthanasia in Nazi Germany
The History of Medical Research and Teaching Films of the Reich Office for Educational Films/Reich Institute for Films in Science and Education 1933-1945
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 92
398 S., 42 Abb., br., Euro 56,- sFr 94,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4092-X)

Im Sommer 1993 fanden Kinder im Stößensee bei Berlin 35mm-Filmrollen - teilweise fragmentarisches medizinisches Filmmaterial der Reichsstelle für den Unterrichtsfilm mit Aufnahmen von kranken und behinderten Menschen. Die anfängliche Ratlosigkeit der Fachleute löste sich zunächst in der Überzeugung auf, dass es sich hier um 'apolitisches wissenschaftliches Unterrichtsmaterial' handle. In dieser Studie wird dagegen der Versuch unternommen, das Material in einen breiteren ideologischen und politischen Kontext einzubetten, die Rolle der verantwortlichen Institutionen und die Ethik des deutschen Unterrichtsfilms im Lichte nationalsozialistischer Rassenideologie und "Eugenik" zu erhellen und nicht zuletzt die Biographien der Menschen vor und hinter der Kamera zu verstehen.

In the summer of 1993 children living in the suburb of Berlin-Spandau repeatedly found 35mm film clippings nearby in Lake Stößensee. The film reels showed fragmentary medical images of handicapped children and adults which, as it turned out, had been produced by the Reich Office for Educational Films during the Third Reich. Most experts, after an initial confusion about the discovery, came to the conclusion that the material was "apolitical scientific teaching material". This study, however, locates the material, for the first time, in its broader ideological and political context, explores the organisation and responsible institutions, and investigates the culture of German medical ethics as depicted in medical films in the light of Nazi racial policies and eugenics. Behind the apparent scientific neutrality of the film material, its alleged objectivity and technical accuracy, the study attempts to find out about the lives of those behind and in front of the camera's eye. Their biographies are key in understanding some of the history of this neglected film genre. The material presented shows that the idea of 'educational film' as a value-neutral means for school and university instruction is misleading, and that further research into the structures and mechanisms of Nazi racial education is necessary.

   
Thomas Beddies und Andrea Dörries (Hrsg.)
Die Patienten der Wittenauer Heilstätten in Berlin 1919-1960

Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 91
647 S., zahlr. Grafiken., br., Euro 79,- sFr 132,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4091-1)

Die in diesem Band näher betrachtete psychiatrische Einrichtung wurde 1880 als "Irrenanstalt der Stadt Berlin zu Dalldorf" gegründet und erhielt erst Mitte der zwanziger Jahre den Namen "Wittenauer Heilstätten", der vierzig Jahre später in "Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik" geändert wurde. Die Analyse von 4000 Krankengeschichten soll mit Menschen bekannt machen, die in der Folge seelischer Leiden und abweichenden Verhaltens in die Anstalt aufgenommen wurden, häufig über lange Zeit dort verblieben und oft genug auch dort starben. Betrachtet wird darüber hinaus auch das Verhältnis von Patienten und medizinischem Personal der Anstalt.
   
Peter Schneck (Hrsg.)
Medizin in Berlin an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
Theoretische Fachgebiete
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 90
168 S., br., Euro 28,- sFr 48,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4090-3)

Das 5. Medizinhistorische Charité-Symposium im November 1995 in Berlin befasste sich mit der Entwicklung der Medizin in den turbulenten Jahren um die letzte Jahrhundertwende. Die Ergebnisse werden in diesem Band zusammengefasst. Es war die Zeit des zweiten deutschen Kaiserreichs, die geprägt war durch Fortschrittsgläubigkeit, spektakuläre naturwissenschaftliche und technische Innovationen und die Infragestellung der so genannten Schulmedizin. Gerade Berlin war Zentrum mannigfaltiger Entwicklungen, deren Bedeutung für die theoretische Medizin von besonderem Interesse waren. In den verschiedenen Arbeiten werden u. a. Probleme der institutionellen und wissenschaftlichen Entwicklung in der Anatomie, Physiologie, Pathologie und Hygiene vorgestellt.
   
Claudia Sybille Kiessling
Dr. med. Hellmuth Unger (1891-1953)
Dichterarzt und ärztlicher Pressepolitiker in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 89
301 S., br., Euro 51,- sFr 87,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4089-X)

Nach einer kurzen Darstellung der zeitgeschichtlichen Entwicklung ärztlicher Standespolitik, der Rassenhygiene und der "Euthanasie"-Debatte bringt die vorliegende Arbeit einen umfassenden Lebenslauf Hellmuth Ungers einschließlich einer Übersicht seines literarischen Werkes. Daran schließt sich die Betrachtung seiner journalistischen und pressepolitischen Tätigkeit an, vor allem für die ärztliche Standespolitik und das Rassenpolitische Amt. Von Bedeutung sind hierbei die Tötungsplanungen von psychisch Kranken, wobei vor allem der "Reichsausschuß zur Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden" eine Rolle spielt.
   
Robin T. Maitra
" ... wer imstande und gewillt ist, dem Staate mit Höchstleistungen zu dienen!"
Hans Reiter und der Wandel der Gesundheitskonzeption im Spiegel der Lehr- und Handbücher der Hygiene zwischen 1920 und 1960
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 88,
542 S., br., Euro 71,- sFr 119,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4088-1)

Erst seit dem Berliner Gesundheitstag von 1980 wird die Geschichte der Medizin im Nationalsozialismus systematisch aufgearbeitet. Seither stellt sich die Frage nach Kontinuitäten und Brüchen in der Medizin bis heute. Als Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion versteht sich diese Studie. Am Gesundheitsbegriff, diesem Ausgangspunkt jeder Medizin, versucht der Autor die Ideologiegebundenheit medizinischen Denkens aufzuzeigen: Was wurde und was wird unter Gesundheit subsumiert? Er zeichnet weiterhin die Entwicklung der Hygiene mach zur zentralen medizinischen Wissenschaft im nationalsozialistischen Deutschland und damit den Wandel von der Sozial- zur Rassenhygiene.

   
Heinrich Weder
Sozialhygiene und pragmatische Gesundheitspolitik in der Weimarer Republik
am Beispiel des Sozial- und Gewerbehygienikers Benno Chajes (1880-1938)
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 87
454 S., br., Euro 63,- sFr 105,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4087-3)

Diese Studie orientiert sich am Lebensweg von Benno Chajes, der Berliner Professor für Sozialhygiene und sozialdemokratischer Gesundheitspolitiker in der Weimarer Republik war. Sein Werden und Wirken ermöglicht einen tiefen Einblick in das personelle und institutionelle Umfeld des Hygienewesens der damaligen Zeit. So wird die Rolle der Krankenkassen und der Gesundheitspolitik sowie die Entwicklung und der Einfluss der Gewerbe- und Sozialhygiene an der Person Chajes besonders deutlich, da dieser in allen Bereichen seine Wirkung entfalten konnte. Auch das sozial- und gewerbehygienische Zeitschriftenwesen findet Erwähnung, sodass diese Arbeit neben dem biographischen Leitfaden eine ausführliche Studie des Gesundheitswesens in der Zeit zwischen beiden Weltkriegen darstellt. Nach 1933 konnte Chajes seine Arbeit nur noch in der Emigration weiterführen.

   
Thomas Müller (Hg.):
Psychotherapie und Körperarbeit in Berlin. Geschichte und Praktiken der Etablierung
(= Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften; Bd. 86), Husum: Matthiessen 2004, 328 S., ISBN 3-7868-4086-5, EUR 51,00

In diesem Band wird erstmals die Geschichte von neun wesentlichen psychotherapeutischen bzw. körperpsychotherapeutischen Schulen in der Metropole Berlin dargestellt. Die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Entstehung und Entwicklung dieser verschiedenen Schulen stellt einen Schwerpunkt der Betrachtung dar. Mit der geographischen Fokussierung auf den facettenreichen »Erfahrungs- und Interaktionsraum« Berlin wird eine gewisse, die Vergleichbarkeit erst ermöglichende Perspektive hergestellt. Bei einem beträchtlichen Teil der Beiträge zur Individualpsychologie, Psychoanalyse, Atem-(Leib)-Therapie, Kunsttherapie, Gestalttherapie, Tanztherapie, zu körperpsychotherapeutischen Verfahren, Kinderpsychoanalyse und Musiktherapie, an denen insgesamt 14 Autoren beteiligt waren, handelt es sich um Pionierarbeiten. Die Beiträge beinhalten also berufsgeschichtliche und lokalhistorische Aspekte, und stellen grundlegende Informationen zur Geschichte der Entstehung einer »psychologischen Gesellschaft« im 20. Jahrhundert bereit. Ein abschließender Forschungsbericht gibt über den Forschungskontext des vorliegenden Bands Aufschluss. Der Sammelband richtet sich an interessierte Studierende, medizin- und wissenschaftshistorisch Arbeitende sowie an die Auszubildenden in den Psychotherapien.
   
Sabine Schleiermacher
Sozialethik im Spannungsfeld von Sozial- und Rassenhygiene
Der Mediziner Hans Harmsen im Centralausschuß für die Innere Mission
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 85
352 S., br., Euro 54,- sFr 90,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4085-7)

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben Konzepte von Sozial- und Rassenhygiene viele Bereiche der Gesellschaft beeinflußt. Die zunächst von Naturwissenschaftlern und Ärzten als innerwissenschaftlich geführte Diskussion erreichte auch einen der wichtigsten freien Träger von Kranken- und Pflegeeinrichtungen, die protestantische Innere Mission, heute Diakonisches Werk. Die Schaltstelle in gesundheitspolitischen Fragen in der Inneren Mission war das in dessen Centralausschuß angesiedelte Referat Gesundheitsfürsorge, das von Hans Harmsen geleitet wurde. Dieser setzte sich - auf der Grundlage einer Kosten-Nutzen-Kalkulation - für eine eugenisch ausgerichtete, "differenzierte" Wohlfahrtspolitik ein.
   
Johanna Bleker
Der Eintritt der Frauen in die Gelehrtenrepublik
Geschlechterfrage, akademisches Selbstverständnis und wissenschaftliche Praxis am Anfang des Jahrhunderts
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 84
192 S., br., Euro 31,- sFr 53,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4084-9)

War der Eintritt der Frauen in die Gelehrtenrepublik um 1900 für die Wissenschaft wirklich so erfolglos, wie dies die Nichtbeachtung dieses Ereignisses in der Wissenschaftsgeschichte nahelegt, oder ergaben sich hieraus Konsequenzen für den Wissenschafts- und Ausbildungsbetrieb und für die wissenschaftliche Praxis, die bislang nur weitgehend unbeachtet geblieben sind? Mit dieser Frage befaßte sich ein Workshop, der auf dem Deutschen Wissenschaftshistorikertag 1996 zu diesem Thema stattfand. Die einzelnen Beiträge wurden hier zusammengefaßt.
   
Barbara Kanther
Das Frankfurter System zur Schulzahnpflege
Schulzahnarzt Hans Joachim Tholuck (1888-1972)
Pionier für eine zahngesunde Jugend
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 83
316 S., br., Euro 51,- sFr 87,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4083-0)

Die Geschichte der Schulzahnpflege in Deutschland ist eng mit dem Leben und Werk des Frankfurter Zahnarztes Hans Joachim Tholuck verbunden. An seinem Beispiel zeigt die vorliegende Arbeit, wie dieser Sektor der Volksgesundheit zu allgemeinem Bewußtsein heranwächst und eine zunehmende Rolle in der öffentlichen Gesundheitspolitik spielt, und gibt einen Einblick in die vielfältige Verwobenheit des wissenschaftlich-medizinischen Themas in seine gesellschaftliche Umgebung vom Kaiserreich bis in die frühen Jahre der Bundesrepublik Deutschland.
   

Volker Hess
Die Normierung der Gesundheit
Messende Verfahren der Medizin als kulturelle Praxis
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 82
226 S., br., Euro 36,- sFr 61,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4082-2)

Anthropometrische Techniken haben für den Umgang mit Krankheit und für die kulturellen Vorstellungen von Gesundheit eine enorme Bedeutung gewonnen. Der vorliegende Band geht - vom Fiebermessen über das labormedizinsche Normalwertkonzept bis hin zur photographischen Typisierung des Verbrechens - der Frage nach, auf welche Weise um die Jahrhundertwende 1900 medizinische Meßverfahren normativen Charakter erhielten. Mit Beiträgen u. a. von Cornelius Borck, Johannes Büttner, Mariacarla Gadebusch, Heinz-Peter Schmiedebach vereint diese Arbeit die Vorträge, die auf dem gleichnamigen Workshop des Deutschen Wissenschaftshistorikertages 1996 gehalten wurden.

Inhalt
Volker Hess: Einführung Messende Praktiken und Normalität
Johannes Büttner: Die Herausbildung des Normalwert-Konzeptes im Zusammenhang mit quantitativen diagnostischen Untersuchungen in der Medizin
Sybilla Nikolow: Die Mathematizität von Blut und Urin. Statistische Methodik in der Medizin. (Kommentar)
Heinz-Peter Schmiedebach: " Abweichung vom Durchschnitt im Sinne der Zweckwidrigkeit" - Der psychiatrische Blick auf die psychische Normalität
Eric J. Engstrom: Die Kapillarität des Normbegriffes. (Kommentar)
Cornelius Borck: Herzstrom- Zur Dechiffrierung der elektrischen Sprache des menschlichen Herzens und ihrer Übersetzung in klinische Praxis
Jakob Tanner: Die artifizielle Natur unseres Herzens. (Kommentar)
Mariacarla Gadebusch Bondio: Das Bild vom Bösen: Photographie als Instrument zur Stigmatisierung der Devianz
Volker Roelcke: Die "Natur" des Verbrechers. Die photographische Konstruktion einer anthropologischen Norm (Kommentar)
Gunnar Stollberg: Haben messende Verfahren die Lebenswelt der Patienten kolonisiert? Überlegungen auf der Basis von Autobiographien
Eberhard Wolff: Metrische Exaktheit und qualitative Genauigkeit im Alltag (Kommentar)
Michael Martin: Bedeutung und Funktion des medizinischen Messens in geschlossenen Patienten - Kollektiven. Das Beispiel der Lungensanatorien
Jens Lachmund: Meßpraktiken in Lungensanatorien. Dimensionen medizinischer Wirklichkeitskonstruktion (Kommentar)
Volker Hess: Die Normierung der Eigenwärme. Fiebermessen als kulturelle Praktik

   
Michael Hubensdorf, Hans-Uwe Lammel, Ragnhild Münch, Sabine Schleiermacher, Heinz-Peter Schmiedebach und Sigrid Stöckel (Hrsg.)
Medizingeschichte und Gesellschaftskritik
Festschrift für Gerhard Baader
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 81
540 S., Euro 71,- sFr 119,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4081-4)

Den 65. Geburtstag des Medizinhistorikers Baader nahmen die Herausgeber zum Anlass, eine kritische Perspektive der Medizingeschichte von der Antike bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zu zeichnen. Von den Geschlechterbeziehungen der Antike und Ende des Mittelalters zur neuen Alchemisten-(Un-)Kultur gentechnischer Arzneimittel, vom Militärmedizin-Einsatz im Peking des "Boxeraufstandes" bis zur deutschen Debatte über die Liberalisierung der Abtreibung in der frühen Sowjetunion, von der öffentlichen Hygiene im Talmud bis zur heutigen Sprachlosigkeit der Gesellschaftskritik an Medizin und Wissenschaft reicht der Themenbogen. Autorinnen und Autoren aus sieben Ländern entwerfen so ein ganz eigenes Bild der Medizingeschichte.
   
Eva Brinkschulte
Krankenhaus und Krankenkassen
Soziale und ökonomische Faktoren bei der Entstehung des modernen Krankenhauses im frühen 19. Jahrhundert
Die Beispiele Würzburg und Bamberg
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 80
249 S., br., Euro 40,- sFr 68,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4080-6)
Die enge Beziehung, die in Deutschland zwischen Krankenkassen und Krankenhausfinanzierung besteht, hat ihren Zusammenhang mit den frühen "modernen" Krankenhausbauten in Würzburg und Bamberg Gründungen von Krankenkassen dokumentiert, deren Spezifikum darin bestand, dass sich ihr Leistungskatalog ausschließlich auf eine stationäre Behandlung im Krankenhaus bezog. Diese Kassengründungen haben den Transformationsprozess vom Spital zum Krankenhaus entscheidend geprägt. Am regionalen Beispiel wird die komplexe Wechselwirkung zwischen Sozialsystem und medizinischer Versorgung in der Genese des Verhältnisses von Krankenkassen und Krankenhaus rekonstruiert.
   
Jürgen Peiffer
Hirnforschung im Zwielicht: Beispiele verführbarer Wissenschaft aus der Zeit des Nationalsozialismus
Julius Hallervorden - H.-J. Scherer - Berthold Ostertag
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 79
112 S., br., Euro 19,- sFr 33,-
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4079-2)
An den drei international angesehenen Hirnforschern Hallervorden, Scherer und Ostertag beleuchtet der Autor die ethische Problematik von Wissenschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Interesse der Forscher an Hirnuntersuchungen verschaffte sich mit dem Motiv, der Wissenschaft zu dienen, eine Rechtfertigung. Die Monographie über Lebensläufe, Wirken und Beziehungen zum Nationalsozialismus zwischen Neutralität, Widerstand und Opportunismus der drei Wissenschaftler zeigt die einzelnen Charaktere, die Motive ihrer Mitarbeit und die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit. So bietet diese Darstellung auch ein Beispiel für die Verdrängungsmechanismen innerhalb der "scientific community".
   
Christine Antoni
Sozialhygiene und Public Health
Franz Goldmann (1895-1970)
Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Nr. 78
363 S., br., Euro 54,- sFr 90,50
Matthiesen Verlag
(ISBN 3-7868-4078-4)
Die Biographie von Franz Goldmann führt durch viele interessante Arbeitsgebiete im Bereich der Sozialhygiene/ Public Health. Goldmann, von 1922 bis 1933 in Deutschland und von 1937 bis 1970 in den Vereinigten Staaten aktiv, beschäftigte sich mit der klassischen Gesundheitsfürsorge in den Bereichen Tuberkulose und Suchthilfe, Kinder- und Jugendarbeit und dem Problem der Versorgung sowohl chronisch Kranker als auch alter Menschen. Seine Hauptarbeitsgebiete waren die Krankenversicherung, das Krankenhaus und die Gesundheitsfürsorge im einzelnen als auch in der Vernetzung ihrer Aufgaben. Gesundheitspolitisch beteiligte sich Goldmann an der Erstellung von Richtlinien und Gesetzen. Er erarbeitete Ausbildungskonzepte für die Sozialhygiene in Deutschland und die Public Health in den USA. Anhand seiner Biographie durchstreift diese Arbeit fünfzig Jahre aktiver Arbeit auf dem Gebiet der Sozialhygiene bzw. Public Health.
   
 
 
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