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CC4 - CharitéCentrum 4 für Therapieforschung

 

 

Sensibilisierende und immunsuppressive Wirkungen von Fremdstoffen

Immuntoxikologie

Thematik:

Für die Untersuchung des sensibilisierenden Potenzials von Fremdstoffen ist in den vergangenen Jahren zunehmend der sog. „LLNA“ (= local lymph node assay) eingesetzt worden. In einer methodisch sehr einfachen Variante wird dieser Test heute in vielen Bereichen routinemäßig angewandt, um das sensibilisierende Potenzial von Fremdstoffen zu erkennen. Dabei wird der zu untersuchende Stoff an mehreren Tagen hintereinander auf die Ohren von Mäusen aufgetragen und die Zellproliferation in den aurikulären Lymphknoten wird anschließend durch Messung des 3H-Thymidin-Einbaus und / oder Gewichtsbestimmung und Zellzahlermittlung bestimmt.

Obwohl der Test für viele Chemikalien eine hinreichende Information über das sensibilisierende Potenzial der Substanz liefert, können einige spezielle Fragestellungen mit diesem einphasigen Versuchsprotokoll nicht untersucht werden. Trägt man dagegen die zu untersuchende Chemikalie in einem zweiphasigen Behandlungsprotokoll zunächst in relativ niedriger Konzentration auf die rasierte Rückenhaut des Tieres auf (Induktionsphase) und appliziert den Stoff erst bei in einer 2. Behandlungsphase auf die Rückseite der Ohren, wird der Test empfindlicher.

In unserer Arbeitsgruppe wird der zweiphasige Test für diverse Fragestellungen angewandt. Ein wesentliches Ziel dieses Projektes besteht darin, den LLNA als toxikologischen Test zur Untersuchung von Chemikalien auf sensibilisierendes Potential zu optimieren. In der sehr einfachen Form, die momentan überwiegend zur Anwendung kommt, besteht die Möglichkeit für falsch negative Resultate. Die Optimierung durch Anwendung eines zweiphasigen Protokolls scheint ohne wesentlichen Mehraufwand möglich zu sein.

Sensibilisierendes Potenzial von Textilfarbstoffen
Wir haben zum Beispiel in den vergangenen Jahren verschiedene Varianten des LLNA bei NMRI- und Balb/c-Mäusen angewandt, um das sensibilisierende Potential von Textilfarbstoffen und deren Metaboliten zu untersuchen. Diese Arbeiten erfolgen in Kooperation mit Herrn Professor Thomas Platzek vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) http://www.bfr.bund.de/cd/228

Der Textilfarbstoff Dispersionsgelb 3 verursachte nur eine schwache Lymphknoten-Reaktion, wenn ein einphasiges Protokoll zur Anwendung kam. Bei Anwendung eines zweiphasigen Protokolls war dagegen ein ausgeprägter Effekt festzustellen. 2-Amino-p-cresol, ein Metabolit des Farbstoffes, der durch metabolische Aktivität von Hautbakterien entsteht, erwies sich als eine Substanz mit sensibilisierender Wirkung, die sogar deutlicher war, als die Reaktion auf die Ausgangssubstanz.

  • Stahlmann R, Wegner M, Riecke K, Kruse M, Platzek T. Sensitising potential of four textile dyes and some of their metabolites in a modified local lymph node assay. Toxicology. 2006; 219:113-123

Einfluss des Hautmetabolismus auf die Aussagekraft des LLNA
Die Haut besitzt eine erhebliche metabolische Kapazität, die zum Teil auch durch die bakterielle Besiedlung der Haut vermittelt wird. Da manche Kontaktallergene bekannterweise zunächst in der Haut metabolisch aktiviert werden müssen, bevor sie als Hapten wirken und eine allergische Reaktion verursachen können, muss wahrscheinlich auch unter diesem Aspekt die zweiphasige Behandlung als der relevantere Versuchsansatz angesehen werden.

Kreuzallergische Reaktionen
Die zweiphasige Vorgehensweise ermöglicht die systematische Untersuchung von etwaigen kreuzallergischen Reaktionen zwischen nahe verwandten Chemikalien oder zwischen Ausgangsstoff und Metaboliten, wenn unterschiedliche Stoffe am Rücken und am Ohr appliziert werden. Tierexperimentelle Ansätze stellen bei diesem Thema angesichts der Polysensibilisierung vieler Patienten oftmals den einzig möglichen Weg der Klärung dar.

  • Stahlmann R, Riecke K, Schreiber C, Baumann-Wilschke I (2003) Untersuchungen zum sensibilisierenden Potenzial von Penicillin G und Cefotiam im Lymphknotentest bei der Maus. Infection 31 (Suppl 1): 127 (Abstract No. P123)
  • Schreiber C, Shakeri-Nejad K, Fialkowski O, Baumann-Wilschke I, Platzek T, Stahlmann R. (2005) Untersuchungen zum sensibilisierenden Potenzial von Amoxicillin im Lymphknotentest bei der Maus. Naunyn Schmiedeberg Arch Pharmacol 371 (Suppl. 1): Abstr. 438


 

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