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CC4 - CharitéCentrum 4 für Therapieforschung

 

 

Chinolon-induzierte Schäden von Bindegewebsstrukturen (Arthropathien, Tendopathien)

Arzneimittel - und Reproduktionstoxikologie

I. Arthropathien

Die antibakteriell wirksamen Chinolone induzieren Gelenkschäden bei juvenilen Tieren in relativ niedriger Dosis; Chinolone sind deshalb kontraindiziert bei Kindern und Jugendlichen sowie bei schwangeren und stillenden Frauen. (s. Naber KG, Adam D Children as a special population at risk - quinolones as an example for xenobiotics exhibiting skeletal toxicity. Arch Toxicol 77: 7-11)

Ein begrenzter Einsatz der Präparate in der Pädiatrie wird dennoch immer wieder gefordert und ist bei einigen wohl definierten Indikationen sicherlich vertretbar (z.B. Behandlung von Infektionen durch P. aeruginosa bei Mukoviszidose-Patienten mit Ciprofloxacin).

Die bisherigen Beobachtungen beim Menschen geben keine eindeutige Antwort auf die Frage nach der Höhe des Risikos durch eine Chinolontherapie. Sicherlich bestehen Unterschiede zwischen den einzelnen Fluorchinolonen hinsichtlich des arthropathogenen Risikos bei therapeutischer Dosierung. 

Die verschiedenen Chinolone unterscheiden sich vor allem durch ihr antibakterielles Spektrum; zu den wichtigsten Fluorchinolonen zählen derzeit:

Gruppe* Freiname Handelsname
Gruppe I Norfloxacin Barazan
Gruppe II: Ciprofloxacin Ciprobay
  Ofloxacin Tarivid
Gruppe III  Levofloxacin Tavanic
Gruppe IV Moxifloxacin Avalox
* Einteilung nach Paul-Ehrlich-Gesellschaft, 1998 
[Naber KG, Adam D (1998) Classification of fluoroquinolones. Int J Antimicrob Agents 10: 255-257]

Wir konnten durch tierexperimentelle Studien bisher zeigen, dass 

  1. durch die Gabe eines Magnesiummangelfutters bei juvenilen Ratten Schädigungen des Gelenkknorpels verursacht werden, die von Chinolon-verursachten Schäden nicht unterschieden werden können [ Stahlmann et al., Antimicrob. Agents Chemother. 39: 2013-2018, 1995
  2. durch eine Magnesiumsubstitution die Schädigung des Knorpels durch Fluorchinolone bei der Ratte verhindert werden kann [Pfister et al. 2007]
  3. die Behandlung eines Tieres mit subtoxischen Dosierungen eines Chinolons Schäden verursacht, wenn gleichzeitig ein geringgradiger Magnesiummangel vorliegt [Lozo et al., Antimicrob. Agents Chemother. 46: 1755-1759, 2002]
  4. nach Gabe eines Fluorchinolons Konzentrationen im Knorpel erreicht werden, die höher sind als die entsprechenden Konzentrationen im Plasma zum gleichen Zeitpunkt [Schwabe et al., Drugs 58 (Suppl 2): 385-387, 1999; Kastner et al., Arch Toxicol 78: 61-67, 2004]

II. Tendopathien

Derzeit werden die Mechanismen und Risikofaktoren der Chinolon-induzierten Tendopathien sowohl durch tierexperimentelle Studien als auch in in vitro Versuchen untersucht.

Wahrscheinlich können alle bekannten Fluorchinolone zu Schäden der Achillessehne führen, jedoch handelt es sich um eine seltene Nebenwirkung. Unter dem Aspekt der Arzneimittelsicherheit ist es von besonderer Bedeutung, dass offenbar nach der Behandlung mit einem Chinolon ein Zeitraum von mehreren Monaten vergehen kann, bis es – eventuell durch Einwirkung zusätzlicher Faktoren – zu einer Tendinitis oder Ruptur kommen kann. Es ist unter diesen Bedingungen sehr schwierig, den Kausalzusammenhang zwischen Arzneimittelexposition und Nebenwirkung eindeutig zu belegen. Angesichts dieser Tatsache kommt der systematischen Bearbeitung des Effektes in Tiermodellen eine besondere Bedeutung zu. 

Wir konnten durch elektronenmikroskopische Untersuchungen in Kooperation der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. M. Shakibaei (Inst. f. Anatomie, Uni München) zeigen, dass

  1. die Sehnen juveniler Ratten empfindlicher reagieren als diejenigen von adulten Tieren
  2. ein gleichzeitig bestehender Magnesiummangel das Ausmaß der Schäden erhöht
  3. die elektronenmikroskopisch nachweisbaren Veränderungen über mehrere Monate persistieren

Zu den derzeitigen Arbeitsschwerpunkten zählen:

  1. die genaue biochemische Charakterisierung der Veränderungen durch Immunoblotting und andere Verfahren 
  2. der Vergleich verschiedener Chinolone hinsichtlich ihres tendotoxischen Potentials 
  3. Untersuchung der Wirkungen in Kombination mit anderen Substanzen, wie z.B. Glukokortikoide.
  4. Erkennung von Risikofaktoren, wie. z.B. chronische Nierenerkrankungen und Entwicklung von Möglichkeiten, die Effekte bei besonders gefährdeten Patienten zu verhindern [Sendzik et al., 2005 Toxicology]. 

Relevante Publikationen unserer Arbeitsgruppe zu diesem Thema [PubMed]



 

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