Frage von
Alexandra S.: |
Ich habe eine Frage zur Wärmegewinnung
bei Neugeborenen im braunen Fettgewebe.
Kewitz und Obladen schrieben in ihrem Artikel: Unterkühlung des
Neugeborenen - ein Anachronismus (Pädiatr. Prax. 37, 617-625, 1988), daß
es bei fallender Körpertemperatur des Frühgeborenen zur Lipolyse und
biochemischen Wärmebildung im braunen Fettgewebe kommt. ... Bei der Wärmeproduktion
häuft sich Acetyl-CoA an, was zu einer metabolischen Azidose führt.
Sie schreiben dann weiterhin, daß es durch eine Erhöhung der freien
Fettsäuren im Plasma zu einem Abfall des Blutzuckers kommt. Können Sie
mir erklären, wie es genau zu einem BZ-Abfall kommt? und was im braunen
Fettgewebe bei der Wärmeproduktion genau geschieht? |
Antwort von
Priv.-Doz. Dr. Olaf
Strauß:
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Leider steht mir der von Ihnen
zitierte Artikel nicht zur Verfügung, um ihn nochmals zu studieren. Die
von Ihnen beschriebenen Vorgänge stimmen nicht ganz mit den mir zur
Verfügung stehenden Informationen überein. Doch im Einzelnen:
- Wärmegewinnung im braunen Fettgewebe: Als braunes Fett bezeichnet
man Fettgewebe, das reich an Blutgefäßen ist, und dessen Zellen
hohe Mitochondrien-Dichten aufweisen (es sieht deshalb braun aus).
Hier kann, anders als im klassischem Fettgewebe, das arm an Blutgefäßen
ist, das Fett direkt zur Energiegewinnung oxidiert werden. Im
klassischen Fettgewebe wird das Fett in kleinere Moleküle zerlegt,
die über die Blutbahn z.B. zur Leber oder zum Muskelgewebe
transportiert werden, um erst dort oxidiert zu werden. Die
Lipidoxidation im braunen Gewebe dient vor allem der Wärmeproduktion.
Wird sie stimuliert (meist sympathisch) dann erwärmt sich das
Gewebe sehr stark. Die Wärme wird dann über den Blutstrom dem Körper
zugeführt. Biochemisch wird die Wärme im braunen Fettgewebe über
zwei Mechanismen erzeugt. Zum einen steigt der allgemeine
ATP-Verbrauch in den Zellen an, was Wärme produziert. Auch beim
Erwachsenen ist dieser Vorgang die hauptsächliche Wärmequelle für
eine Körpertemperatur von 36-37°. Zum zweiten werden die Lipide
vollständig oxidiert (also kein Anstieg in der Konzentration von
Azetyl-Co-A). Der so entstehende Protonengradient über die
Mitochondrien-Membran bildet H
2O
Moleküle, ohne an die ATP-Produktion gekoppelt zu sein (es soll hierfür
ein Entkopplungsprotein existieren). So sind die Produkte
Lipidoxydation im brauen Fett CO2,
Wärme und Wasser, aber kein ATP.
Hypothermie und Abfall im Blutzuckerspiegel: Hierfür habe ich
mich kurz mit Professor Bauer (Neonatologie) unterhalten. Bei Frühgeborenen
und untergewichtigen Säuglingen wird bei einer längeranhaltenden
Unterkühlung ein Abfall in der Blutzuckerkonzentration tatsächlich
beobachtet. Ursache hierfür sind lediglich ein Erschöpfen der
Energiespeicher im brauen Fettwebe und der Glykogenspeicher (sie
werden für die Wärmeproduktion verbraucht). Bei Unterkühlung
steigen nämlich Grundumsatz und O2-Aufnahme
drastisch an. Der Anstieg im Grundumsatz führt auch zur vermehrten
Lactatazidose. Im Fall der Unterkühlung bei Frühgeborenen oder
untergewichtigen Säuglingen wird trotz ergänzender Infusionen eine
engmaschige Blutzuckerkontrolle angeraten.
Ich hoffe ich habe zur Klärung beigetragen, auch wenn sich einige
Aussagen nicht mit den Angaben in dem von Ihnen zitierten Artikel
decken. |