Tinnitus-Retraining-Therapie

Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) ist ein wissenschaftlich begründeter Ansatz zur Behandlung von chronisch dekompensiertem Tinnitus. Grundlage ist das sogenannte "Neurophysiologische Modell nach Prof. Jastreboff (USA)". Diese Methode hat ergeben, dass man den Tinnitus aus dem Bewußtsein verdrängen kann und damit die Tinnitusbelastung der Patienten deutlich reduziert hat.
 
Tinnitus ist, soweit messbar, kein lautes Geräusch. Das heißt, das subjektive Lautheitsempfinden kann als Ergebnis eines negativen Lernprozesses angesehen werden, in dessen Folge sich die Wahrnehmung des Tinnitus immer weiter in den Vordergrund drängt.
 
Die Tinnitus-Retraining-Therapie geht deshalb davon aus, dass man umgekehrt auch lernen kann, den Tinnitus weniger intensiv wahrzunehmen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan und setzt ein interdisziplinäres und intensives Zusammenspiel zwischen Ärzten, Psychologen und Hörgeräteakustikern voraus.
 
Die TRT bestreitet nicht, dass Sie Ihren Tinnitus "hören". Im Gegenteil: Mit neueren Untersuchungsmethoden (PET=Positronen-Emissions-Tomographie) sind sogar tinnitusspezifische Aktivitäten auf der Großhirnrinde nachweisbar. Es handelt sich also primär nicht um eine psychische Störung!
 
Es wird auch nicht bestritten, dass Tinnitus häufig eine konkrete Ursache hat bzw. hatte (z.B. ein Lärmtrauma), oft mit Schädigung von Haarzellen im Innenohr einhergehend.
 
Jedoch muss zu irgend einem Zeitpunkt eine Verselbständigung des Tinnitus und Überbewertung in der individuellen Wahrnehmung erfolgen. Es gelingt dem Gehirn - wie bei anderen, unwichtigen Hintergrundgeräuschen üblich - nicht mehr, den Tinnitus aus der Wahrnehmung auszublenden. Der Tinnitus kommt in dieser Phase eindeutig nicht mehr "aus dem Ohr", sondern findet "zentral" statt (nämlich im sogenannten Limbischen System, dem Sitz unseres Gefühlslebens, und im autonomen Nervensystem). Daher bestünde ein Tinnitus auch dann weiter, würde man den Hörnerv durchtrennen, wenn also gar kein Schallsignal mehr vom Ohr zum Gehirn weitergeleitet werden kann. Dies erklärt auch das frühere Scheitern vieler Therapien, die ausschließlich auf das Innenohr abzielten.
 
Ziel der Tinnitus-Retraining-Therapie ist die Habituation, also die Gewöhnung an den Tinnitus und seine Beherrschung im Alltag. Insofern gibt sie kein Heilungsversprechen ab. Vorteilhaft ist, dass die Therapie unabhängig von der möglichen Ursache, die sich ja meistens gar nicht bestimmen lässt, angewendet werden kann und auf eine Verbesserung der Lebensqualität zielt, statt eine "Heilung" zu versprechen. Damit bietet sie Betroffenen eine klare Perspektive. Ein weiterer Vorteil ist die Notwendigkeit zur aktiven Mitarbeit des Patienten. Er wird damit aus der Rolle des passiv Leidenden befreit und kann den weiteren Prozess aktiv mitgestalten und beeinflussen. Das verlangt allerdings Einsicht, Zeit, Geduld und den festen Willen, etwas erreichen zu wollen.
 
Die Tinnitus-Retraining-Therapie ist eine Langzeittherapie und zielt auf eine langfristig angelegte Besserung des individuellen Zustandes ab. Daher ist die Tinnitus-Retraining-Therapie üblicherweise auf eine Dauer von 12 bis 24 Monaten ausgerichtet. Die Tinnitus-Retraining-Therapie besteht aus einem Vier-Säulen-Konzept: Counseling, psychologische Betreuung, Entspannungstechniken und Geräteversorgung. Die Tinnitus-Retraining-Therapie ist eine Teamleistung und kann nicht von einem Einzelnen erbracht werden.
 

Counseling

Das wichtigste Element ist zweifelsohne das sogenannte Counseling. Counseling ist am ehesten mit Beratung und Aufklärung zu übersetzen. Ziel ist, ein umfassendes Verständnis derjenigen Mechanismen zu vermitteln, die zu Tinnitus und dessen Verstärkung führen. Nur mit Verständnis und Wissen können Sie zu einer Neubewertung gelangen. Nur mit ausreichender Aufklärung ist ein Abbau von Angstgefühlen möglich. Counseling ist Ausgangspunkt der Tinnitus-Retraining-Therapie. Rechnen Sie mit einem längeren Erstgespräch und mit wiederholten Gesprächsterminen während der Therapie.

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