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Die
Kehlkopfkrankheit von G. Washington:
G. Washington erkrankte am 12.12.1799
nach einem langen Ausritt bei feuchtkaltem Wetter an Halsschmerzen. Sie
nahmen rasch immer mehr zu bis er nur noch schwer schlucken und sprechen
konnte. Die Weisheit der Ärzte war bald am Ende. Man machte mehrfach
einen Aderlaß und gab Abführmittel zur Entgiftung, Maßnahmen,
die Washington aber nur noch weiter schwächten. Als eine Atemnot eintrat
bemerkte ein junger Arzt, er habe gehört, daß man mit einem
Schnitt in die Luftröhre helfen könne, Washington vor dem Ersticken
zu bewahren. Dies wurde aber von den älteren Kollegen entschieden
abgelehnt.
Washington hatte wohl eine Epiglottitis.
Das ist eine schwere eitrige Entzündung des Kehlkopfes und besonders
des Kehldeckels am am Kehlkopfeingang. Ein Schnitt in die Luftröhre
hätte ihn sicherlich gerettet.
Heute ist diese Erkrankung immer noch
gefürchtet. Der Kehlkopfschnitt gehört aber zum Kenntnisstand
der HNO-Ärzte und besonders der Rettungsärzte. Wir müssen
ihn notfallmäßig ca. einmal pro Woche bei Patienten mit Tumorerkrankungen
oder bei schweren Ödemen ausführen. Bei Epiglottitis ist er nur
noch selten nötig, da wir heute mit speziellen Antibiotika die Kehldeckelentzündung
gut behandeln können.
Einen Luftröhrenschnitt
als Notmaßnahme bekam Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen
kurz vor seiner Ernennung zum Kaiser Friedrich III. Er litt als starker
Raucher an einem Kehlkopfkrebs. Er war nur 99 Tage lang der Kaiser des
deutschen Reichs und starb 1888 im sog. Dreikaiserjahr (Wilhelm I; Friedrich
III; Wilhelm II). Die Erkrankung des Kronprinzen ist aber eine sehr lange
Geschichte voller medizinischer Fehler, die diesen Rahmen sprengen würde
(nachzulesen bei M. Jackel, die Geschichte der Charitè).
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